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Christoph Schlingensief

Filmarchiv

- Verleih und Archiv aller filmischen Arbeiten, vieler Dokumente und Aufzeichnungen -

Christoph Schlingensief Biografie

Christoph Maria Schlingensief wurde am 24.Oktober 1960 in Oberhausen geboren. Seine künstlerischen Wurzeln liegen im Film. Nach TUNGUSKA – DIE KISTEN SIND DA (1985), EGOMANIA – INSEL OHNE HOFFNUNG (1987) oder MUTTERS MASKE (1988) wurde er einem größeren Publikum mit der sog. „Deutschland Trilogie“ bekannt, bestehend aus 100 JAHRE ADOLF HITLER. DIE LETZTE STUNDE IM FÜHRERBUNKER (1989), DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER (1990) sowie TERROR 2000 – INTENSIVSTATION DEUTSCH- LAND (1992). Es folgten UNITED TRASH (1995) und DIE 120 TAGE VON BOTTROP – DER LETZTE NEUE DEUTSCHE FILM (1996), zugleich Schlingensiefs letzter Langfilm. Die Zusammenarbeit mit körperlich und geistig behinderten Menschen wurde schon zu dieser Zeit zu einem festen und prägenden Bestandteil seiner Arbeiten.
Ab 1993 inszenierte Schlingensief vermehrt an den großen deutschsprachigen Theatern, so u.a. 100 JAHRE CDU. SPIEL OHNE GRENZEN, ROCKY DUTSCHKE `68 (1996), SCHLACHT UM EUROPA (1997), ROSEBUD (2001), ATTA ATTA (2003), KUNST UND GEMÜSE, A. HIPLER (2004) an der Volksbühne Berlin, BAMBILAND (2003) am Burgtheater Wien, HAMLET (2001) und ATTABAMBI, PORNOLAND (2004) am Schauspielhaus Zürich. Er realisierte verschiedene TV-Formate, so TALK 2000 (1997), U3000 (2000) und FREAKSTARS 3000 (2002). Mit der von ihm gegründeten PARTEI DER LETZTEN CHANCE – CHANCE 2000 nahm Schlingensief 1998 am Bundestagswahlkampf teil. Großes Aufsehen erregte seine Container-Aktion BITTE LIEBT ÖSTERREICH (Wiener Festwochen, 2000) sowie die AKTION 18 (Theater der Welt, 2002). Mit der CHURCH OF FEAR veranstaltete er 2003 einen Pfahlsitzwettbewerb auf der Biennale in Venedig. Im Münchner Haus der Kunst präsentierte er 2007 die Installation 18 BILDER PRO SEKUNDE. Bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen 2004 inszenierte Schlingensief den PARSIFAL, damit zugleich seine erste Oper. Ihr folgte 2007 DER FLIEGENDEHOLLÄNDER am Teatro Amazonas in Manaus, Brasilien. 2005 entwickelte Schlingensief den ANIMATOGRAPH, „eine begehbare Fotoplatte“, die auf dem Reykjavik Art Festival, Neuhardenberg, Lüderitz (Namibia) und am Burgtheater Station machte.
In der Inszenierung DER ZWISCHENSTAND DER DINGE (Maxim Gorki Theater, 2008), dem Fluxus-Oratorium EINE KIRCHE DER ANGST VOR DEM FREMDEN IN MIR (Ruhrtriennale, 2008) und der Ready-Made-Oper MEA CULPA (Burgtheater, 2009) thematisierte Schlingensief seine Anfang 2008 diagnostizierte Krebserkrankung. Sein 2009 veröffentlichtes »Tagebuch einer Krebserkrankung« mit dem Titel SO SCHÖN WIE HIER KANNS IM HIMMEL GAR NICHT SEIN! war mehrere Wochen in den Bestsellerlisten vertreten. Herausgegeben von seiner Ehefrau Aino Laberenz, erschienen 2012 die autobiografischen Erinnerungen ICH WEISS, ICH WAR’S.
Seit 2008 arbeitete Schlingensief an der Idee für das OPERNDORF AFRIKA, das er als kulturelle Begegnungs- und Experimentierstätte angelegt wissen wollte. Am 8. Februar 2010 erfolgte die Grundsteinlegung des von Schlingensief konzipierten OPERNDORF AFRIKA in Burkina Faso. Am 8. Oktober 2011 wurde die Schule im Operndorf eröffnet. Seine letzte Inszenierung VIA INTOLLERANZA II (2010) mit burkinischen und deutschen Mitwirkenden wurde 2011 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Seine Pläne zur Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig 2011 konnte Schlingensief nicht mehr umsetzen. Unter Federführung seiner Ehefrau Aino Laberenz wurde stattdessen eine Ausstellung aktueller Arbeiten Schlingensiefs realisiert. Der Pavillon wurde mit dem Goldenen Löwen der 54. Biennale di Venezia ausgezeichnet.
Schlingensief war Professor für Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Am 21. August 2010 ist Christoph Schlingensief in Berlin verstorben.

Über das Archiv

- Unser Online-Archiv befindet sich im Aufbau, wir ergänzen laufend Material -

Die Zusammenarbeit zwischen Christoph Schlingensief und der Filmgalerie 451 / Frieder Schlaich begann im Jahr 1990 mit der Veröffentlichung von "Das deutsche Kettensägenmassaker" auf VHS-Video. Seidem hat die Filmgalerie 451 alle Filme von Schlingensief veröffentlicht und ab 2002 auch produziert.

Die Kino-Fassung von Freakstars 3000 war im Jahr 2002 unsere erste Zusammenarbeit in Sachen Produktion. Christoph war schon länger in Berlin und an der Volksbühne erfolgreich, er wollte aber auch immer weiter Filme machen. Aus den 6 Folgen seiner TV-Casting-Show Freakstars 3000 schnitten wir mit Robert Kummer einen Film fürs Kino, der ein kleiner Festival-Hit wurde.

Im Mai 2002 drehten wir den Interview-Film Christoph Schlingensief und seine Filme und veröffentlichten 2004 erstmals die frühen Filme von 1968 bis 1988 auf DVD.

2007 fingen wir (ein kleines Team in der Filmgalerie 451 mit Kathrin Krottenthaler, Meika Dresenkamp, Constantin Hartenstein und Alex Jovanovic) mit Christoph an, ein Archiv anzulegen und Videomaterial zu allen Arbeiten zu sammeln, zu digitalisieren und zu archivieren, was wir bis heute tun. Konkret heißt das, wir versuchen zu jeder Arbeit von Christoph Video-Material zu finden und zu sammeln. Es geht dabei sowohl um dokumentarisches Material, als auch um die Projektionsfilme.

2011 haben wir für die Biennale in Venedig alle Spielfilme digital restauriert, eine Auswahl der Filme wurde dort im deutschen Pavillon gezeigt. Damit wurden die Filme erstmals einem internationalen Publikum bekannt. John Waters war in der Biennale Jury und war begeistert.

Ebenso wichtig, wie die Sicherung und Restaurierung der filmischen Arbeiten ist uns die Veröffentlichung „neuer“, auf Film bislang noch nicht zugänglicher Arbeiten. So haben wir z.B. einen Film über die Installation Odins Parsipark in Neuhardenberg, Der fliegenden Holländer in Manaus, die attaistischen Vorträge zu Atta Atta oder über Chance 2000 geschnitten. Unser Ziel ist es, jedes Jahr im Oktober, an Christophs Geburtstag, neue oder restaurierte Arbeiten auf DVD zu veröffentlichen - bisher sind 15 DVDs der neuen Edition erschienen. Besonders wichtig ist uns, dass die DVDs der neuen Edition nicht nur einen Film enthalten, sondern eine große Materialsammlung aus Filmen, Interviews und Texten, die dem Zuschauer ermöglichen, sich selbst ein Bild von der jeweiligen Arbeit und Christophs Arbeitsweise zu machen.

Am 21. Februar 2020 hatte der Dokumentarfilm "Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien" von Bettina Böhler auf der Berlinale Premiere, Kinostart ist am 20. August. Der Film entstand aus Archivmaterial, das wir über die Jahre in unserem gesammelt hatten, eine Produktion der Filmgalerie 451 zum 10. Todesjahr von Christoph.

Die DVDs und Booklets werden nach Möglichkeit, in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Dramaturgen und Videokünstlern der Arbeiten gestaltet. Unser Ziel ist es, die Arbeiten von Christoph Schlingensief zugänglich zu machen, mit englischen Untertiteln auch für ein internationales Publikum. Ich wünsche mir, dass Christoph viele junge Künstler inspiriert.

Am Schönsten ist es, wenn die Filme im Kino laufen! Wir verleihen Kino-DCPs zu fast allen Filmen, auch mit englischen Untertiteln. 16mm und 35mm Kopien gibt es für besondere Anlässe auch noch! Wir beraten gerne bei der Programmierung.

Die Restaurierungen und die aufwendigen DVD-Veröffentlichungen sind nur dank der Unterstützung durch das Goethe-Institut München möglich. Vielen Dank auch an alle, die uns ihr Material unbürokratisch zur Verfügung stellen, uns unterstützen und Christophs Filme zeigen.

WIR SUCHEN UND SAMMELN WEITER! Wer noch Video-Material von Aktionen oder über Christoph hat, bitte schickt uns Kopien! Wir würden uns sehr freuen und revanchieren uns!

(Filmgalerie 451)