Back to top

Kunst und Gemüse, A. Hipler

D 2004, 283 min

Schlingensiefs Abrechnung mit Bayreuth.

Synopsis

KUNST UND GEMÜSE ist nach Schlingensiefs PARSIFAL in Bayreuth der Versuch, sich angesichts seiner als traumatisch empfundenen Erlebnisse auf dem Grünen Hügel selbst zu therapieren. Schlingensief überlässt die Live-Regie von KUNST UND GEMÜSE dem afrikanischen Künstler Hosea Dzingirai und der ALS-kranken Angela Jansen, die von einem Bett im Zuschauerraum per Sprachcomputer in den Abend eingreift. Auf der Bühne finden sich Wiedergänger der Kunstszene ein, die nach aller Wagnerdämmerung ein profanes Ziel teilen: pünktlich zum Geburtstag von Johannes Heesters zu kommen. Den Soundtrack liefert Arnold Schönbergs Zwölftonoper „Von Heute auf Morgen“ – für Adorno der musikalische „Bruch mit dem Wagnerschen Funktionalismus“, für Schlingensief das Taktmaß seiner Abrechnung mit Bayreuth.

DVD-Inhalt / 2 DVDs:
- „Kunst und Gemüse, A. Hipler“ (Volksbühne Berlin, 27.2.2007, 105 min)
- „Kunst und Gemüse, A. Hipler“ (Live-Kamera, Volksbühne Berlin, 21.1.2005, 104 min)
- Theaterfilme (Volksbühne Berlin, 2004/2005, 8 Filme: 50 min)
- Bericht über ALS-Patientin Angela Jansen (2004, 6 min)
- Christoph Schlingensief – Interview (dctp.tv, 2008, 18 min)
- 20-seitiges Booklet mit Texten und Bildern

Pressestimmen

Konsequenter und radikaler ist da schon Christoph Schlingensief mit „Kunst und Gemüse. A. Hipler“ der Berliner „Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz“: ein „Regiekunstwerker, der Theater als Selbst- und Schmerztherapie“ begreift – und beim Wort nimmt, wenn er seine vorjährigen Erfahrungen als „Parsifal“-Regisseur in Bayreuth in einer glänzenden Parodie der Familie Wagner auf der Bühne vorführt und sich nicht scheut, die „Oper ALS Krankheit“ zu bezeichnen und sie leibhaftig in Gestalt einer unheilbar an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) erkrankten Patientin gleichsam „auszustellen“, um die gegenwärtige „Lähmung des Theaters“ und des Kunstbetriebs drastisch zu demonstrieren. (F.J. Bröder, Der Donaukurier, 21.5.2005 )

Eine Apokalypse, die moderner ist als jenes Theater, das sich Abend für Abend selbst gesundbetet. (Der Standard)

Schlingensiefs Protagonisten – Laien, Sonderlinge, Freaks – verkörpern selbst eine polyphone Partitur: Sie stellen zwölf Töne dar, vom C über das Fis bis zum H, erweitert um ein W als Wiederholungselement. (...) W wie Wolfgang. Wie Wagner. Wie „Wir“: „We are the world / we are the children“, singen sie im Chor, weil dei Oper weder Pop noch Musicalanleihen scheut. (...) Alles führt immer wieder nach Bayreuth zurück – auf „zwölf Wegen zur Erstarrung“. (Christine Dössel, SZ, 19.11.2004)

Weitere Texte

KUNST UND GEMÜSE
Eine Erklärung von Christoph Schlingensief

Eine Kunstinstallation, die vieles umfasst, bildende Kunst und Aktionskunst, Video, Theater und Musiktheater. Schönbergs Musik bildet den Ausgangspunkt. Die Figuren des Kaleidoskops betreten die Bühne, sie bewegen sich funktionslos und in einer völligen Freiheit, die nur durch die Form begrenzt ist, die selbst frei gewählt und letzlich willkürlich ist, wie die Zwölftonreihe bei Schönberg. Die befremdlichen Effekte, die solche Freiheit in der Kunst seit dem Beginn der abstrakten Malerei und in der Musik eben seit Schönberg erzeugt, sind bekannt. Wir versuchen für sie im Theater eine Entsprechnung zu finden. Zwölf Darsteller haben wir den einzelnen Tönen der Zwölftonreihe zugeordnet, jeder verkörpert in seiner Eigenart einen Ton. Sie haben die Aufgabe in ihrem Verhalten auf der Bühne Entsprechungen zum Atonalen, zum Polyphonen und manchmal zum Harmonischen in der Musik zu suchen. Dies könnte so etwas sein, wie der selten versuchte Anschluss des Theaters an Entwicklungen in der bildenden Kunst und Musik der Moderne.
Die Inhalte der Oper und der anderen Elemente dieser Installation zwischen Traum und Wirklichkeit werden dabei kaleidoskopartig gebrochen, sollen aber in ihren Referenzen erkennbar bleiben. Auf der Bühne entsteht so eine „zweite Musik“, die man nicht hören, aber sehen kann.

(Text aus dem Katalog Theater als Krankheit, herausgegeben von Carl Hegemann, Alexander Verlag Berlin 2004) 

Credits

Regie
Christoph Schlingensief
Mit
Matthias Badzong, Maria Baton, Klaus Beyer, Ulrike Bindert, Jürgen Drenhaus, Hosea Dzingirai, Andrea Erdin, Bernadette Gandaa, Horst Gelloneck, Kerstin Grassmann, Mario Hagelberg, Ferdinand Hendrich, David Ismail, Angela Jansen, Maximilian von Mayenburg, Peter Müller, Anna Prohaska, Christian Roethrich, Reami Rosignoli, Canivu Babatunde Saka, Katharina Schlothauer, Christiane Tsoureas, Christian Vogel, Anna Warnecke, Kirstin Warnke, Arno Waschk, Karin Witt, Schöneberger Schönberg-Orchester e.V.
Buch
Angela Jansen
Live-Regie
Hosea Dzingirai
Co-Regie
Park Yung Min
Bühne
Thekla von Mülheim
Bühnenbildassistenz
Marc Bausback, Tobias Buser
Kostüme
Aino Laberenz
Kostümassistenz
Anne-Luise Vierling
Dramaturgie
Carl Hegemann
Dramaturgische Beratung
Henning Nass
Künstlerische Mitarbeit
Jörg van der Horst
Video
Monika Böttcher
Videoassistenz
Heike Schnepf
Zusätzliche Videos
Meika Dresenkamp, Robert Kummer
Musikalische Konzeption und Sounddesign
Uwe Altmann
Maske
Doretta Kraatz, Ilona Siefert
Regieassistenz
Sophia Simitzis, Hedwig Pottag
Regiehospitanz
Sarah Bräuer, Kai Krösche
Kostümhospitanz
Claudia Gonschorek
Betreung
Nathalie Noel
Theatermeister
Hans-Werner Gramsch
Ton
Wolfgang Urzendowsky, Klaus Dobbrick
Videotechnik
Dirk Passebosc / Jens Crull
Beleuchtungsmeister
Torsten König
Requisite
Georg Buchmann
Kostümdirektion
Ulrike Köhler
Damenkostüme
Bärbel Groppler
Herrenkostüme
Udo Höft
Inspizienz
Karin Bayer
Produzent
Christoph Schlingensief
Produziert von
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Premiere
17.11.2004, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Aufführungen
17. November 2004 – 27. Februar 2007

DVD-Infos

Inhalt
„Kunst und Gemüse, A. Hipler“ (Volksbühne Berlin, 27.2.2007, 105 min – opt. engl. UT), „Kunst und Gemüse, A. Hipler“ (Live-Kamera, Volksbühne Berlin, 21.1.2005, 104 min), Theaterfilme (Volksbühne Berlin, 2004/2005, 8 Filme: 50 min – ohne Dialog), Bericht über ALS-Patientin Angela Jansen (2004, 6 min), Christoph Schlingensief – Interview (dctp.tv, 2008, 18 min)
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
283 min
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0
Inhalt
Digipack (Set Inhalt: 2), 20-seitiges Booklet mit Texten und Bildern
Veröffentlichung
26.10.2018
FSK
Info-Programm gemäß §14 JuSchG