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Mutters Maske

D 1988, 85 min

Wer schreit hat Recht! Zwischen Lindenstraße und Visconti: das ultimative Remake von Veit Harlans OPFERGANG (1944).

Synopsis

Heimkehrer Willy von Mühlenbeck muss erkennen, dass sein böser Bruder Martin zum Oberhaupt der Industriellenfamilie aufgestiegen ist, während ihre kranke Mutter in den Händen unheimlicher Ärzte ist. Als er sich in die unheilbar kranke Els verliebt, nimmt das Schicksal einen tragischen Lauf.
Unter Verwendung von Motiven aus Baudelaires Blumen des Bösen zeichnet Christoph Schlingensief das Drama einer im Ruhradel angesiedelten Familie nach. Das verhasste Erzählkino führt Schlingensief mit MUTTERS MASKE ad absurdum, indem er dessen Regelhaftigkeit selbst anwendet und überbeansprucht. Durch eine freiwillige Lächerlichkeit reduziert er seine Tragikomödie auf das Niveau einer Daily Soap.
Ein großartiger Film mit großartigen Schauspielern. Udo Kier als Kinderschänder, Susanne Bredehöft als Aidsinfizierte, die legendäre Brigitte Kausch als leidende Mutter und Helge Schneider, der die Musik zu diesem Film machte, als Schlotbaron von Mühlenbeck, der seine Mutter in den Wahnsinn treibt, um an das Erbe der Guldenburgs zu kommen.

Streaming-Info

Der Film ist über unseren Vimeo-Kanal zum Leihen oder Kaufen erhältlich. Weitere Anbieter siehe „Film kaufen“.
Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch

Pressestimmen

Helge Schneider, so ekelhaft wie nie zuvor! Sehenswert! (tip)

Exaltiert, durchgeknallt und in entschiedener, aber entscheidender Schieflage. (Die Zeit) 

Helges Musik ist göttlich. Der Film teuflich. Das passt und bringt eine Menge Spass. (Spex)

Dallas und Lindenstrasse, Baudelaire und Visconti, Harlan und Fassbinder, alles gut durchgeschüttelt = Mutters Maske! (Frankfurter Rundschau)

Helma Sanders-Brahms beklagte auf der Bühne von Hof den Mangel an Geld für diesen Film [MANÖVER]. Was aber tatsächlich zu beklagen wäre, ist der Mangel an Mut, der gratis zu haben ist, der Mut zur rigorosen Exzentrik. Dass man die Dinge zum Äußersten treiben muss, damit sie platzen, zeigt im sehr viel kleineren Kino nebenan der 28jährige Christoph Schlingensief, der auch seinen vierten langen Spielfilm unter dem Existenzminimum gedreht hat. MUTTERS MASKE ist ein exaltiertes Melodram um die zerstrittenen Erben eines Schlotbarons von der Ruhr, ein Stück LINDENSTRASSE und DALLAS in einem aber in entschiedener und entscheidender Schieflage. (P. W. Jansen, 02.11.1988)

(...) Udo Kier spielt den Herrn vom Jugendamt, der sich um Älsens Tochter Maria kümmert, als wahren Harlan-Dämonen. Schlingensief treibt den verdrängten Expressionismus des Deutschen Films ad absurdum. Wahrhaft eine schwarze Komödie. (...) von Christoph Schlingensief, Deutschlands unterschätztestem Filmemacher, hätte sie längst lernen können, dass EGOMANIA eine „Insel ohne Hoffnung“ ist. Das war der Titel seines vorletzten Films. Jetzt zeigte er in Hof MUTTERS MASKE, Exkurs in deutsche (Film-)Geschichte und Komödie in einem. Schlingensief erzählt seine Version von Veit Harlans Film OPFERGANG: eine Geschichte jenseits von Gut und Böse und von der sterbenskranken Äls, deren Lieblingspferd Susi sich beide Vorderläufe brach und erschossen werden musste. Jetzt liegt ein totes Pferd im Garten vor dem Schloss. Dabei ist es doch so: „Das größte Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Im Schloss wohnt Mutter („Dämmerung, zeig mir den schwarzen Weg zum Tod“) und wartet darauf, ihrem Sohn ihre Liebe zu beweisen. Aber Willy hat sich bei Äls infiziert – mit einer leicht übertragbaren Seuche. Udo Kier spielt den Herrn vom Jugendamt, der sich um Älsens Tochter Maria kümmert, als wahren Harlan-Dämonen. Schlingensief treibt den verdrängten Expressionismus des Deutschen Films ad absurdum. Wahrhaft eine schwarze Komödie. (Helmut Schödel, 04.11.1988)

MUTTERS MASKE sprudelt also drauflos, ein bißchen romantisch und sehr todesverliebt. Von der Heimkehr Willy von Mühlenbecks wird erzählt und davon, wie Willy im nicht mehr ganz hochherrschaftlichen Haushalt mit seinem Bruder um die Zuneigung der wunderlichen Mutter und mit den Erbschleichern um die Liebe der unheilbar kranken Nachbarin Äls kämpft. Die frohen Toten von Baudelaire haben sich ins Erbe der Guldenburgs verirrt, der Frauenarzt von Bischofsbrück hat sich an den Verdammten von Visconti vergriffen. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Material gleicht dabei in etwa dem der Oper zur Realität. Nur daß bei MUTTERS MASKE in dieser Kluft das ganze komische Potential des Films liegt. Wie da Allerweltsfiguren mit heiligem Ernst die zu Floskeln vertrockneten großen Gefühle deklamieren, ist schon ziemlich witzig und von Schlingensief mit angemessener Sorgfalt ins Bild gesetzt. Daß die Einstellungen ungeniert aus zweiter Hand stammen, kümmert Schlingensief wenig, denn seine Methode lautet wie der Titel seines ersten Spielfilms von 1986: MENU TOTAL. Der 1960 geborene Oberhausener macht Verdauungskino, indem er sich gnadenlos einverleibt, was ihm an Bildern und Vorbildern in die Hände fällt. Im Grunde macht er es wie Greenaway, nur daß bei ihm die Konstruktion nichts und das Spiel alles ist. (Michael Althen, 17.01.1989)

Credits

Regie und Kamera
Christoph Schlingensief
Mit
Brigitte Kausch-Kuhlbrodt, Kalle Mews, Helge Schneider, Susanne Bredehöft, Anna Fechter, Volker Bertzky, Dieter Lersch, Udo Kier, Andreas Kunze, Conny Jurkait, Regina Stiplosak, Anastasia Kudelka, Baronin Irmgard Freifrau von Berswordt-Wallrabe, Conny Fechter, Uli Hanisch, Matthias Colli, Doris Kreis, Peter Jurkait, Dennis Koehnen
Buch
Matthias Colli, Christoph Schlingensief
Kameraassistenz
Ralf Malwitz
Schnitt
Thekla von Mülheim
Schnittassistenz
Ariane Traub
Musik
Helge Schneider & Menu Total, Charly Weiss, Wally Böcker, Hatte Grabe
Gesang (Titelsong)
Eva Kurowski
Ton
Eckhard Kuchenbecker, Andreas Wölki
Mischung
Hans-Georg Kobeck
Licht
Voxi Bärenklau
Standfotos
Michael Kerstgens
Aufnahmeleitung
Uli Hanisch
Regieassistenz
Beatrice Hasler, Matthias Colli
Produktionsleitung
Kim Ludolf Koch, Ariane Traub
Produzent
Christoph Schlingensief
Produziert von
DEM Film, Hymen II

DVD-Infos

Extras
Alexander Kluge im Gespräch mit Christoph Schlingensief (1996, 24 min – opt. engl. UT), Christoph Schlingensief – Interview (2004, 7 min – opt. engl. UT), Dietrich Kuhlbrodt – Interview (2015, 13 min), Christoph Schlingensief erzählt Hitchcocks PSYCHO (1997, 13 min), Schlingensief – Filmtrailer
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
85 min + 52 min Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 1), 16-seitiges Booklet mit Texten und Bildern
Veröffentlichung
06.11.2015
FSK
Ab 16 Jahren

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (auf Anfrage)
Blu-ray Disc
16mm (Mono, über Deutsche Kinemathek)
Bildformat
16mm, 1:1,38
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch (DCP, BD)
Werbematerial
A1-Poster (leihweise)
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Ab 16 Jahren