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Die 120 Tage von Bottrop

D 1997, 60 min

Die Überlebenden der Fassbinder-Familie finden sich noch einmal zusammen, um auf der Großbaustelle Potsdamer Platz den wirklich allerletzten Neuen Deutschen Film zu drehen, ein Remake von Pasolinis DIE 120 TAGE VON SODOM.

Synopsis

Alles geht schief: Regisseur Schlingensief wird zum Aufnahmeleiter degradiert und durch einen gewissen Sönke Buckmann ersetzt, dem Katja Riemann prompt den Bundesfilmpreis überreicht. Film als Albtraum – oder umgekehrt.
Produzent Volker Spengler bespringt Komparsen, während Bundesinnenminister Kanther in einer Einspielung von der Bundesfilmpreisverleihung Katja Riemann und Till Schweiger – Heroen deutscher Filmkunst – huldigt; Irm Hermann liefert sich, in Erinnerung an gute, alte Fassbinder-Zeiten, eine Schlammschlacht mit Margit Carstensen … Letztere stürzt sich frustriert aus dem Fenster, als sie plötzlich realisiert, dass Fassbinder tot ist; Christoph Schlingensief (Martin Wuttke im Gewand des Dornen gekrönten Jesus Christus) verzweifelt an seinen organisatorischen Unfähigkeiten; die größenwahnsinnige Leni Riefenstahl taucht auf dem Kamerabock auf; Irm Hermann mutiert angesichts dieses Umstandes zu Lieselotte Pulver … Und alle fragen sich fortwährend, ob und wann denn nun Helmut Berger am Set eintreffe. Gleichzeitig hetzt Agent Schlingensief mit Anzug und Handy durch das heiße Hollywood, trifft auf japanische Touristen, Udo Kier und den Regisseur Roland Emmerich. Das Filmprojekt muss schließlich scheitern, stellvertretend für den von Schlingensief todgeweihten Neuen Deutschen Film.

DIE 120 TAGE VON BOTTROP sind Hommage und Abgesang an Fassbinder, an die Exzentrik und an den Wahnsinn einer längst vergangenen Zeit – und zugleich ein harter Schlag gegen die deutsche Filmkunst.

Streaming-Info

Der Film ist über unseren Vimeo-Kanal zum Leihen oder Kaufen erhältlich. Weitere Anbieter siehe „Film kaufen“.
Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch, Polnisch, Spanisch

Preise und Festivals

- Internationale Hofer Filmtage
- Viennale – Vienna International Film Festival 1997

Weitere Texte

Die beste Antworten zum Kinostart von DIE 120 TAGE VON BOTTROP am 6.11.1979
Christoph Schlingensief im Interview

Kultur Extra (Spiegel): Herr Schlingensief. Sie sind derzeit auf allen Kanälen präsent. Erst haben sie bei der Kasseler documenta 48 STUNDEN ÜBERLEBEN FÜR DEUTSCHLAND veranstaltet und sind dabei verhaftet worden dann machten sie mit Ihrer Talkshow auf RTL Schlagzeilen und nach Ihrer BAHNHOFSMISSION am Hamburger Schauspielhaus steht jetzt die Premiere Ihres neuen Films an. Warum diese Produktionswut?

Für mich ist das eine Teststrecke. Wir haben noch etwas mehr als zwei Jahre Zeit zur Jahrtausendwende. Ab 2000 wird ja alles anders, dann können die Autos fliegen, und wir ernähren uns von Tabletten. Aber bis dahin kann man's doch machen, einfach mal tun. Ich mache das aus einer totalen Lust heraus.

Kultur Extra: Und was kommt nach dem letzten Neuen Deutschen Film?

Wenn man mir das Vier Jahreszeiten gibt, dann will ich Hotelbesitzer werden und das ein halbes Jahr leiten. Oder ich werde Busunternehmer, so einer, der mit Mikrofon in der Hand mit den Leuten durch die Gegend fährt und ihnen die Welt zeigt. Ich bin nicht gern auf der Welt, und wenn ich schon da bin, dann möchte ich zumindest ein paar Sachen erlebt haben.

Die Zeit: Was bedeutet Fassbinder für Sie?

Dass einer soviel Sachen macht finde ich toll. Ich finde, dass er falsch eingestuft wird, dass er ein Zyniker war und die ganzen Genres noch mal abgeklopft hat, um zu sehen, was drin ist, und sich dann ins All katapultiert hat.

Die Zeit: Wenn es ietzt aus ist mit dem Autorenfilm ... Sie sind doch ein Autorenfilmer?

Man müsste ein Schloss in Schottland haben, Freunde einladen, filmen und ihnen dann die Kassetten schicken. Aber wenn das nicht geht, denke ich, man packt die Schauspieler mal drei Wochen in irgend ein Dorf und macht dort vor Ort was, ohne Drehbuch. Wir müssen uns nicht perfektionieren. Wir müssen die Fehlerquote im Film erhöhen. Fehler machen.

Kino News: Ihre Meinung über das Medium Fernsehen ist äußerst dezidiert ...

Wäre ich Bundeskanzler, würde ich ein paar Fernseh-Redakteure hier in Berlin ins Grand Hotel bringen, ließe sie hinter Stacheldraht und Wachtürmen festsetzen. Die würden immer nur Hummer und Kaviar kriegen und im Fernsehen laufen ihre eigene Produktionen, die sie sich den ganzen Tag angucken müssen. Da wäre der Selbstmord sicher in Sicht. Ich würde ihnen irgendwo eine Pistole verstecken.

Credits

Regie und Kamera
Christoph Schlingensief
Mit
Udo Kier, Margit Carstensen, Irm Hermann, Volker Spengler, Martin Wuttke, Sophie Rois, Bernhard Schütz, Helmut Berger, Ilse und Kurt Garzaner, Mario Garzaner, Herbert Fritsch, Gerd Jochum, Dietrich Kuhlbrodt, Brigitte Kausch-Kuhlbrodt, Kerstin Grassmann, Achim von Paczensky, Johnny Pfeiffer, Frank Koch, Oskar Roehler, Irmgard Freifrau von Berswordt-Wallrabe, Harry Hass, Regina Kalala, Kurt Kren, Frank Castorf, Leander Haußmann, Regina Ziegler, Juliane Lorenz, Roland Emmerich, Kitten Natividad, Charlotte Siebenrock, Ralf Fütterer, Steffen Schult u.v.a.
Buch
Christoph Schlingensief, Oskar Roehler
Regieassistenz
Clemens Schönborn, Ralph Remstedt
Kameraassisitenz
Janne Busse
Kamera und Lichtgestaltung
Voxi Bärenklau
Beleuchter
Uli Graefe
High-8-Kamera
Kornel Miglus, Ralph Brosche
S/W-Kamera
Kurt Kren
Montage
Bettina Böhler
Schnittassistenz
Simone Hofmann
Ton
Andreas Koeppen
Tonassistenz
Eoin Moore
Musik
Helge Schneider. Sonoton Musikverlag
Casting
Charlotte Siebenrock
Ausstattung
Petra Korink
Ausstattungsassistenz
Armgard Meyer
Außenrequisite
Anette Kuhn
Ausstattungshilfe
Nico Schaar
Innenrequiste
Bettina Ruhland
Kostüm
Tabea Braun
Kostümassistenz
Dagmar Fabisch
Maske
Heide Hass, Babette Brösicke
Aufnahmeleitung
Bernadette Werrelmann, Nana Rebhan
Script
Dagmar Rohden
Herstellungsleitung
Renée Gundelach
Assistenten
Bianka Aybar, Pavel Bogdanovic, Silke Koch, Harald Kuhn, Stefan Mohr, Tanja Wildmann
Materialassistenz
Anja Knoblauch
Standfotografie
Gudrun Widlok, Erik Hackenschmidt
Catering
Berliner Partergarten
Tonmischung
Matthias Lempert, Ruhrsound Studios Dortmund
Ausführender Produzent
Henning Nass
Produktionsassistenz
Robert Koall
Produktionsleitung
Monique Tissot
Förderung
Filmbüro NW, Filmstiftung NRW, Filmboard Berlin-Brandenburg, Christoph Post
In Zusammenarbeit mit
ORB, ORF
Produziert von
Neue Volksfilm, DEM Film
Uraufführung (DE)
24.10.1997, Internationale Hofer Filmtage
Kinostart
06.11.1997

DVD-Infos

Extras
Alexander Kluge im Gespräch mit Christoph Schlingensief (1997, 11 min – opt. engl. UT), Christoph Schlingensief – Interview (2004, 2 min – opt. engl. UT), Bewerbungsvideo für die Filmförderung (1997, 5 min), Making-Of (1997, 70 min), Outtakes (1997, 31 min), Christoph Schlingensief im Gespräch mit Filmkritikern (1998, 21 min), Schlingensief – Filmtrailer
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch, Polnisch, Spanisch 
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
60 min + 140 min Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0
Inhalt
Digipack (Set Inhalt: 1), 28-seitiges Booklet mit Texten und Bildern
Veröffentlichung
28.10.2016
FSK
Ab 12 Jahren

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (2K, 24 fps, 5.1)
Blu-ray Disc
16mm (16mm Lichtton, Mono, über Deutsche Kinemathek)
Bildformat
16mm, 1:1,37
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch (DCP, BD)
Werbematerial
A1-Poster (leihweise)
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
ab 12 Jahren