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Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

D 2020, 124 min

Über mehrere Jahrzehnte hinweg hat Christoph Schlingensief ein künstlerisches Werk geschaffen, das in seiner Art und Wirkung unvergleichbar ist – Ein Film über den 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Film-, Theaterregisseur und Aktionskünstler und der erste Versuch, diesen in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren.

Synopsis

SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN von Bettina Böhler unternimmt als erster Film den Versuch, den Ausnahmekünstler Schlingensief, der 2010 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, in seiner ganzen Bandbreite zu dokumentieren.

Im Fokus steht hier der „Familienmensch“ (Schlingensief über Schlingensief), der in seinen Arbeiten gleichermaßen das Verhältnis zu den Eltern in Oberhausen und das Verhältnis zu Deutschland thematisiert hat. SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN durchlebt die ganze Entwicklung Schlingensiefs, vom quasi pubertierenden Filmemacher im Kunstblutrausch, über den Bühnenrevoluzzer von Berlin und Bayreuth, bis hin zum vermeintlichen, allseits geehrten Staatskünstler, der kurz vor seinem Tod die Einladung erhält, den Deutschen Pavillon in Venedig zu gestalten. Zwischen verwursteten Ossis DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER, „Tötet Helmut Kohl“ (documenta X) und dem Versuch, Wagner zu retten (PARSIFAL), wird SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN zum Ausdruck einer unermüdlichen und eigentlich unerschöpflichen Hassliebe zu Deutschland, seiner Hochkultur und seinem Kleinbürgertum, in dem Schlingensief zuallererst immer sich selbst verortet hat.

Aktuell

Nach der umjubelten Premiere im Panorama der Berlinale 2020 ist unser Film über Christoph Schlingensief am 20. August 2020 in den Kinos gestartet. Trotz Corona-Beschränkungen haben den Film bis zur Kinoschließung im Dezember über 25.000 Zuschauer im Kino gesehen! Inzwischen ist der Film auf DVD und Online verfügbar.

Am 28. April 2021 erhält Bettina Böhler für ihren Film den Bayerischen Filmpreis 2020 für den besten Dokumentarfilm verliehen. Wir gratulieren herzlich! Die Jurybegründung lautet wie folgt: „Ausschließlich Archivmaterial enthält dieser Dokumentarfilm, und der verstorbene Protagonist selbst ist der Erzähler. Da bleibt zu befürchten, dass diese Ausgangslage für einen Kino Dokumentarfilm nicht ausreichend sein kann! Doch die erste Regiearbeit der preisgekrönten Editorin Bettina Böhler beweist das Gegenteil: Ihr geschickt montierter Film aus schier unerschöpflichen Archivquellen, inklusive vieler privater Aufnahmen aus Schlingensiefs Kindertagen und aus seinen Werken, verleihen dem Film „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“ eine Kraft, die uns die Ausnahmeerscheinung dieses Theater- und Filmkünstlers schonungslos offenbart. Oder wie es ein Kritiker treffend beschreibt: ,Böhlers Film ist sozusagen radikal demütig'. Dabei konzentriert sich Bettina Böhler auf Christoph Schlingensiefs Auseinandersetzung mit Deutschland, vor allen Dingen mit seiner Heimat, und Kernthemen wie Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Wie sie Christoph Schlingensiefs Beschäftigung bereits vor 20, 30 Jahren mit diesen Themen herausdestilliert und ihn uns Zuschauern als filmischer Spiegel eines Fragenden und Provozierenden gegenüberstellt, verleiht dem Film, zehn Jahre nach Christoph Schlingensiefs viel zu frühem Tod, eine erstaunliche und schmerzliche Aktualität. Unvergessen seine kreative, originelle Sprengkraft an Ideen und sein wunderbarer, schlagfertiger und oftmals überraschender Humor. Der Film macht mehr als deutlich: Hier fehlt eine wichtige künstlerische Stimme! Dankend muss erwähnt werden, dass der Produzent Frieder Schlaich Bettina Böhler ermutigte, die Regiearbeit anzunehmen. Die Jury des Bayerischen Filmpreises würdigt sie nun mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm.“

Der Film ist das Ergebnis unserer jahrelangen Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief, zunächst als Verleih (seit 1990), dann als Produktion und Archiv. Vielen Dank an alle die uns ihr Material überlassen haben, an alle Unterstützer und Freunde - die Liste wäre zu lang, um alle zu nennen, aber ihr findet sie im Filmabspann.

Bettina Böhler, die bereits die Editorin von Schlingensiefs „Terror 2000“ und „Die 120 Tage von Bottrop“ war, verdanken wir ein wahres Montage-Meisterwerk, das erstmals einen Überblick über Christoph Schlingensiefs Leben und Werk schafft. Einen Film, der nicht erklärt, sondern Zusammenhänge herstellt und Christoph und sein Werk erfahrbar macht.

Wir wünschen uns, dass der Film nicht nur an Christoph erinnert, sondern, dass sein Mut inspiriert. Niemand hat sich selbst so gefordert und das Grundrecht „Freiheit der Kunst“ so produktiv strapaziert.

Unser SCHLINGENSIEF - FILMARCHIV wird laufend ergänzt, alle Kurz- und Kinofilme sind für Kinoaufführungen verfügbar und in der SCHLINGENSIEF - EDITION veröffentlichen wir neben den Filmen auch viele andere Arbeiten, die auf Video dokumentiert sind.

VERANSTALTUNGEN UND TERMINE ZU "IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN" UND CHRISTOPH SCHLINGENSIEF
- 24. April bis 17. Oktober 2021 KAPROW CITY in der Kunstsammlung Düsseldorf und Filmretrospektive im Filmmuseum

Streaming-Info

Der Film ist über unseren 451-Vimeo-Kanal nur international erhältlich. Sprache: Deutsch, Untertitel: Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Tschechisch
VOD-Anbieter für Deutschland finden Sie unter „Film kaufen“.

Pressestimmen

Aus der großen Zahl von Filmkritiken, möchten wir die von Georg Seeßlen in der ZEIT hervorheben. Georg Seeßlen hat Christoph Schlingensiefs filmische Arbeit von Anfang an begleitet, hat das Buch DER FILMEMACHER CHRISTOPH SCHLINGENSIEF geschrieben und Christoph Schlingensief war ein Fan seiner Texte.FILMEN GEGEN DIE SCHOCKSTARRE
Ein Enfant terrible war Christoph Schlingensief nie. Nicht als Mensch, da war er nämlich ein durchaus dankbarer Sohn, der seine Eltern in Ehren hielt und nie das Oberhausener Kleinbürgermilieu verleugnete, aus dem er kam. Als Zeitgenosse war er so liebenswürdig wie respektvoll und quälte andere Menschen höchstens dadurch, dass er nicht wegsah und nicht weghörte. Und auch als Künstler war Christoph Schlingensief, der vor zehn Jahren im Alter von 49 Jahren in Berlin starb, keineswegs das Enfant terrible, das man durch ein wenig Narrenfreiheit gefügig macht und von dem man sich hin und wieder genüsslich provozieren lässt. Denn die Person, die Christoph Schlingensief am allermeisten provozierte, war er selbst. (Ganzer Text bei ZEIT online)

 

Bettina Böhler ist das perfekte Porträt dieses rastlosen Künstlers gelungen. Facettenreich und witzig. (ARD-Tagesthemen)

Der Film macht spürbar, was mit dem Tod Schlingensiefs vor 10 Jahren verschwunden ist. (Neues Deutschland)

Gründlich dokumentiert, gründlich missverstanden. Und am Ende zum Heiligen verklärt. Das ist die Oberfläche eines Lebens im Dauerbeschuss von Beschreibungs-PLatzpatronen, die meistens „Provokateur“, „Enfant terrible“ oder „Chaot“ lauteten. „Endlich aufräumen mit diesen Klischees“, will Bettina Böhler. Zeigen, dass Schlingensiefs Arbeiten von einer Dringlichkeit und auch Ernsthaftigkeit befeuert waren, die viele gerne übersahen, weil es ihnen die Mühe ersparte, sich mit seinen Inhalten auseinanderzusetzen. (Patrick Wildermann, tsp, 22.2.2020)
 

Preise und Festivals

- Berlinale Panorama 2020
- Nominiert für den Deutschen Filmpreis für Bester Dokumentarfilm und Bester Schnitt
- Cine Alemán Madrid 2020
- DOK.fest München 2020
- Brisbane International Film Festival 2020
- Territory Film Festival Moscow 2020
- Das Filmfest Prag & Brünn 2020
- Viennale 2020
- Sheffield Doc/Fest 2020
- Free Zone Belgrade, Human Rights Film Festival 2020
- Doclisboa 2020
- Deutscher Kamerapreis 2021: Nominiert für den besten Schnitt
- Bayerischer Filmpreis 2020 - Bester Dokumentarfilm

Credits

Buch und Regie
Bettina Böhler
Montage
Bettina Böhler
Mit
Christoph Schlingensief, Margit Carstensen, Irm Hermann, Volker Spengler, Alfred Edel, Udo Kier, Sophie Rois, Bernhard Schütz, Kerstin Grassmann, Helge Schneider, Dietrich Kuhlbrodt, Susanne Bredehöft, Tilda Swinton, Artur Albrecht, Achim von Paczenzky, Helga Stöwhase, Sebastian Rudolph und viele andere
Dramaturgische Beratung
Angelina Maccarone
Archivrecherche und Assistenz
Lydia Anemüller
Sound Design
Daniel Iribarren
Mischung
Adrian Baumeister
Produzent_innen
Frieder Schlaich, Irene von Alberti
Produziert von
Filmgalerie 451
In Koproduktion mit
Rundfunk Berlin-Brandenburg (Rolf Bergmann) und Westdeutscher Rundfunk (Jutta Krug)
Gefördert von
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Medienboard Berlin-Brandenburg, Film- und Medienstiftung NRW, Deutscher Filmförderfonds
Weltpremiere
21.02.2020
Kinostart (DE)
20.08.2020

Kinoverleih-Infos

Deutscher Kinoverleih
Weltkino Filmverleih

International Distribution
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