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Years of Construction

D 2019, 93 min

Der Prozess der schrittweisen Entwicklung eines Museumsneubaus am zentralen Mannheimer Friedrichsplatz von der Aushebung der Baugrube bis zur Eröffnung der ersten Ausstellung, in den Wiederholungsschleifen einer begleitenden Betrachtung. Vorher und Nachher werden in 93 Minuten zusammengerafft und vergleichbar gemacht, ohne in nebulösen Zeitfenstern zu verschwinden.

Synopsis

YEARS OF CONSTRUCTION beginnt und endet mit Bildern der Stadt Mannheim, die auf dem Höhepunkt ihrer industriellen Entwicklung eines der ersten Bürgermuseen der europäischen Moderne gründete. Unter dem Motto „Kunst für alle“ entwickelte sich die Kunsthalle Mannheim am Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur zu einer Avantgarde-Institution in der Definition und Rezeption der Moderne, sondern zugleich auch zur Vorkämpferin für kulturelle Volksbildung. Über 100 Jahre später beobachtet Heinz Emigholz in seinem ersten Langzeitprojekt den Prozess ihrer materiellen und geistigen Transformation.
Fünf Baujahre lang begleitet seine Kamera die schrittweise Entwicklung am Friedrichsplatz: vom generalsanierten Jugendstilbau und der Abschiedsausstellung „Nur Skulptur!“ 2013 über den Abriss des Erweiterungsgebäudes der 1980er Jahre bis hin zum im Juni 2018 eröffneten Neubau. Dabei schweift der Blick des Regisseurs durch die Zwischenräume und Öffnungen der entstehenden Museumsarchitektur immer wieder in den Stadtraum aus. Emigholz’ eigensinnige, konzentrierte Dokumentation zeigt die Kunsthalle als Erweiterung des urbanen Raums mit anderen Mitteln und nach eigenen Gesetzen: Das „Museum in Bewegung“ antwortet der Stadt mit Offenheit, Mehrdeutigkeit und Eigendynamik.

YEARS OF CONSTRUCTION ist der 29. Teil der Serie „Photographie und jenseits“, an der Heinz Emigholz seit 1983 arbeitet.

Texte zum Film

Statement des Regisseurs

Der erste Drehtag zu YEARS OF CONSTRUCTION war Samstag, der 17. August 2013, der letzte ein Dienstag, 12. Juni 2018. Als ich mich auf Vorschlag von Ulrike Lorenz, der Direktorin der Kunsthalle Mannheim, für das Projekt entschied, wusste ich nicht, wer die ausführenden Architekten sein würden. Es war mir auch egal, weil mich als Kern des Projekts der Prozess des Bauens reizte, der des Renovierens, des Niederreißens und des Wiederaufbauens sowie die notwendigen Wiederholungsschleifen einer begleitenden Betrachtung.

Alle drei Aktivitäten, die Bewahrung und Herrichtung des Billing-Baus von 1907, der Abriss des Mitzlaff-Baus von 1983 samt Zertrümmerung des darunterliegenden Tiefbunkers aus der Nazizeit und der Neubau des Museums durch gmp aus einer geglätteten Baugrube hervor, sind in dem Film enthalten. Man sieht das Vorher und das Nachher, von einer letzten Ausstellung im Altbau bis zu der ersten Einrichtung von Kunst im Neubau in chronologischer Abfolge. Das heißt auch, dass Vorher und Nachher in dreiundneunzig Minuten zusammengerafft und vergleichbar werden und nicht in nebulösen Zeitfenstern verschwinden. Dazu kamen Ausflüge in die städtische Umgebung, in deren Verkehr wir uns treiben ließen. Die Stadt Mannheim leistet sich einen Ort der Kontemplation und Meditation, der in aller Ruhe und Aufregung errichtet wurde, während um ihn herum die Geschäfte weitergingen. Dass die Idee hinzukam, diese Bauaktivität beobachten und dokumentieren zu lassen, war eine rühmliche Ausnahme. Städtische Archive und Sammlungen weisen oft nur Zufallsfunde auf und werden selten als Produzenten von Dokumentationen aktiv. Das Fernsehen und die öffentlichen Filmförderungen sind wegen ihrer Produktionsabläufe und Regularien dazu meist nicht in der Lage und mancherorts auch nicht willens, diese Aufgabe zu übernehmen. Insofern musste hier eine in Auftrag gegebene künstlerische Forschung die Lücke schließen. Für diese Möglichkeit bin ich dankbar, weil ich denke, dass die Dokumentation gestalteter Räume und Oberflächen dieser Welt in der Lage ist, das Geheimnis des menschlichen Geistes und seiner Aktivitäten zu offenbaren.

Sehen ist immer auch eine Grenzerfahrung. In der fünfjährigen Drehzeit von YEARS OF CONSTRUCTION gab es dreizehn Drehphasen von zwei bis drei Tagen Dauer. Im selben Zeitraum fertigte ich fünf lange und drei kurze Filme und etliche Musikvideos an, hinzu kam eine einjährige schwere Krankheit, die meine Arbeit behinderte. Das Mannheim-Projekt begleitete also den prinzipiellen, aber auch krisenhaften Abschluss meiner Serie von Architekturfilmen, und nach einer fünfundzwanzigjährigen Pause ein neues Interesse an avancierten Formen filmischen Erzählens. Ich glaube, dass der vorliegende Film auf vermittelte Weise auch diesen Wechsel widerspiegelt. Er gewährt einen Raum zum Denken und für notwendige Veränderungen. ‚Changing of the guards‘ war schon immer mein Motto. Langzeitprojekte kommen in filmischen Biografien eher selten vor, es sei denn, man sieht eine gesamte Filmografie als ein Langzeitexperiment an, mit vielen Verbindungslinien und ungewissem Ausgang. Ich neige dieser Einstellung zu. (Heinz Emigholz)

Credits

Buch und Regie
Heinz Emigholz
Kamera und Schnitt
Heinz Emigholz, Till Beckmann
Originalton und Postproduktion
Till Beckmann
Tongestaltung
Christian Obermaier
Tonmischung
Jochen Jezussek
Produzent_innen
Heinz Emigholz, Ulrike Lorenz
Produziert von
Heinz Emigholz Filmproduktion und Kunsthalle Mannheim
Finanziert von
H.W. & J. Hector Stiftung
Gefördert von
Stadt Mannheim, Kunsthalle Mannheim, Stiftung Kunsthalle Mannheim

DVD-Infos

Extras
Dekonstruktion und Rekonstruktion der Kunsthalle Mannheim in 37 Kapiteln (202 min), Kapitel-Navigation, Presseheft
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
93 Min. + 202 Min. Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0 + 5.1
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 2), 32-seitiges Booklet
Veröffentlichung
29.03.2019
FSK
Info-Programm gemäß §14 JuSchG

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (2K, 25 fps, 5.1), Blu-ray Disc
Bildformat  
Digital, 1:1, 78
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Werbematerial
A1-Poster
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Info-Programm gemäß §14 JuSchG