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Dieste [Uruguay]

D 2017, 95 min

Eine filmische Dokumentation von 29 Bauwerken des uruguayanischen Architekten und Schalenbaumeisters Eladio Dieste (1917-2000). Als Prolog drei Bauwerke von Julio Vilamajó (1894-1948), als Appendix Bauwerke von Dieste in Spanien.

Synopsis

Eladio Diestes Innovationen und alternativen Bautechniken waren lange Zeit in ihrer Effizienz herkömmlichen Bauarten überlegen und erlaubten große Spannweiten in einer zuvor nie gesehenen Anmutung. Heute gilt er als herausragender Ingenieursbaukünstler. Seine Schriften zu Architektur und Konstruktion, seine Überlegungen zur Formgebung und zum Verhältnis von Architektur und Kunst weisen ihn als profunden Denker einer sozialen architektonischen Praxis aus. DIESTE [Uruguay] dokumentiert 29 Bauwerke des uruguayanischen Architekten und Schalenbaumeisters.

DIESTE [Uruguay] ist das vierte Kapitel der vier Filme umfassenden STREETSCAPES-Serie von Heinz Emigholz, zu der in der Reihenfolge ihres Erscheinens 2+2=22 [The Alphabet], BICKELS [Socialism] und STREETSCAPES [Dialogue] gehören.

Streaming-Info

Der Film ist über unseren Vimeo-Kanal zum Leihen oder Kaufen erhältlich.
Sprache: Kein Dialog

Pressestimmen

Der Film „Dieste (Uruguay)“ verfolgt die kühn geschwungene Formsprache eines Ausnahme-Architekten, dessen Gebäude sowohl ein Teil des Alltags als auch eines der Landschaft des Landes geworden sind – beides aber auch zu verändern suchten. – Eva-Christina Meier, 17.2.2017, taz

Auch hier wird einmal mehr der architektonische Raum mit den Mitteln des filmische Raums vermessen: Die in vergleichsweise kurzer Folge montierten Einstellungen schlagen dem Zuschauer gewissermaßen einen gangbaren Pfad durch die Bauwerke vor und offenbaren dabei deren Konstruktionsmerkmale. – derStandard

 

Preise und Festivals

- Berlinale Forum, 2017
- Hong Kong International Film Festival, 2017
- BAFICI Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente, 2017
- IndieLisboa International Film Festival, 2017
- Tag der Architektur – Wiesbadener Festtage, 2017
- Milano Design Film Festival, 2017
- Viennale – Vienna International Film Festival, 2017
- Heinz Emigholz Retrospektive im Stadtkino Basel, 2017
- Human Rights Festival Zagreb, 2017
- Copenhagen Architecture Festival, 2018
- BOZAR Cinema Brussels, 2018
- Metakino Festival Helsinki, 2019

Weitere Texte

Eladio Dieste

Eladio Dieste wurde 1917 in Artigas, Uruguay, geboren und machte 1943 seinen Bauingenieursabschluß an der Universität in Montevideo. Mit seiner Frau Elizabeth Friedheim, einer deutsch-jüdischen Immigrantin, hatte er zwölf Kinder. Ab 1945 lehrte er an der Ingenieursfakultät in Montevideo. Praktische Erfahrungen sammelte er im Brückenbau und als Architekt für verschiedene Firmen. 1946 baute Dieste die erste armierte Ziegelschale  für den Architekten Antoni Bonet in Maldonado. Ein spektakulärer Belastungsversuch bewies die Überlegenheit armierter, doppelt gekrümmter Ziegelschalen gegenüber Stahlbeton. 1956 gründete er mit seinem Studienkollegen Eugenio Montañez eine Firma, mit der er diese Konstruktionsweise weiterentwickelte und die meisten seiner Bauwerke entwarf. Die große Handwerkskunst einer von ihm geleiteten Gruppe von Maurern, Beton-und Keramikarbeitern machte ihre Ausführung möglich. Seine Innovationen und alternativen Bautechniken waren lange Zeit in ihrer Effizienz herkömmlichen Bauarten überlegen und erlaubten große Spannweiten in einer zuvor nie gesehenen Anmutung. Als herausragender Ingenieursbaukünstler sieht man ihn jetzt in einer Reihe mit Eugène Freyssinet, Robert Maillart und Heinz Isler. Seine Schriften zu Architektur und Konstruktion, seine Überlegungen zur Formgebung und zum Verhältnis von Architektur und Kunst weisen ihn als profunden Denker einer sozialen architektonischen Praxis aus. Dieste starb 2000 in Montevideo.      

Das Gegenteil von Nachlässigkeit

Wenn man feinsinnige Menschen mit etwas wirklich erreichen möchte, dann braucht es dafür eine Leichtigkeit, eine mysteriöse Ungezwungenheit, eine prägnante Schlichtheit, etwas Tänzerisches, Müheloses. Solche Menschen lassen sich – und zwar zu Recht – nicht zufriedenstellen, indem Schwierigkeiten mit blinder Gewalt oder mit Geld gelöst werden. Sie möchten, dass ein Problem mit derselben Unangestrengtheit gelöst wird, mit der der Buntfalke durch die Lüfte gleitet und mit der jede einzelne Blume auf einer Wiese, wenn wir sie wirklich sehen, das Zentrum einer geheimnisvollen Landschaft ist; „selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen“ (Matthäus 6,28–29). Etwas auf diese Weise wahrzunehmen, zeugt von einer Durchdringung der Dinge, die so zart ist wie die gröbsten Hände es werden, wenn sie den Kopf eines Kindes liebkosen.
Denjenigen, die allem, was mit Gefühlen zu tun hat, mit Misstrauen begegnen, möchte ich etwas erklären: Wie alle menschlichen Handlungen, in denen viel emotionale Kraft liegt, ist auch das, was ich oben beschrieben habe, letztlich das Ergebnis einer rational nachvollziehbaren Abfolge von Ereignissen: Hinter der Auflösung eines Problems mit Gewalt oder Geld steht immer eine Haltung der Missachtung, und hinter dieser wiederum die Geringschätzung bzw. Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit (Varianten der Missachtung) desjenigen, der sich nicht selbst prüft. Diese Missachtung ist nichts anderes als eine Verachtung menschlichen Bemühens und der Menschheit selbst; damit haben wir, denke ich, eine gemeinsame Grundlage gefunden, etwas, worüber wir uns alle einig sind: den Wert des Menschlichen. Die Anmut, die wir von der Kunst fordern, ist wie eine Blüte aus Bemühen und Energie – das Gegenteil von Nachlässigkeit.

(Eladio Dieste: „Art, People. Technocracy“, in Stanford Anderson (ed.): Eladio Dieste: Innovation in Structural Art, Princeton: Princeton Architectural Press, 2004, 194-198)

Credits

Buch und Regie
Heinz Emigholz
Kamera und Schnitt
Heinz Emigholz, Till Beckmann
Kameraassistenz
Manja Ebert, Nacho Rodríguez
Originalton
Markus Ruff
Tongestaltung
Christian Obermaier, Jochen Jezussek
Mischung
Jochen Jezussek
Postproduktion
Till Beckmann
Produktionskoordination Uruguay
Micaela Solé, Cordón Films
Produktionsmanagement
Patricia Olveira, Markus Ruff
Produzent_innen
Frieder Schlaich, Irene von Alberti
Produziert von
Filmgalerie 451

DVD-Infos

Extras
3 Kurzfilme von Heinz Emigholz: ZWEI BASILIKEN (36 min), LE CORBUSIER [|||||] ASGER JORN [RELIEF] (29 min), ZWEI MUSEEN (18 min), Kapitel-Navigation, Presseheft, Trailer
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
95 min + 83 min Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 5.1 + 2.0
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 2)
Veröffentlichung
30.11.2018
FSK
Info-Programm gemäß §14 JuSchG

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (2K, 25 fps, 5.1)
Blu-ray Disc
Bildformat
Digital, 1.77 (1920 x 1080p)
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Werbematerial
Trailer, A1-Poster
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Info-Programm gemäß §14 JuSchG