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Loos Ornamental

A 2008, 72 min

27 noch existierende Bauwerke und Innenausstattungen des österreichischen Architekten und Begründer der europäischen architektonischen Moderne Adolf Loos in der Chronologie ihrer Entstehung.

Synopsis

Mit der Entwicklung seines „Raumplanes“ setzte Adolf Loos ein neues Denken über die zu bauenden Räume in Kraft. Seine offensive Wendung gegen eine ornamentale Verzierung von Gebäuden wurde zum architekturtheoretischen Streitfall. LOOS ORNAMENTAL zeigt Bauwerke – Häuser, Laden- und Wohnungseinrichtungen, Fassaden und Denkmäler – aus den Jahren 1899 bis 1931, die im Kontext ihrer heutigen Umgebungen in Wien, Niederösterreich, Prag, Brno, Pilsen, Nachod und Paris aufgenommen wurden.

LOOS ORNAMENTAL gehört der Reihe „Architektur als Autobiographie“ an und ist der 13. Teil der Serie „Photographie und jenseits“, an der Heinz Emigholz seit 1983 arbeitet.

Pressestimmen

Wenn Loos die Verzierung, das Überflüssige verabscheute, dann vor allem, um die Qualitäten der Baustoffe selbst hervortreten zu lassen. Die Schlieren des grau-weißen Marmors, die Maserung des dunklen Holzes: Emigholz Kamera lässt in diesem Film die Schönheit des Materials – die für sich schon Ornament, Zierde genug ist – geradezu haptisch spürbar werden. (Dietmar Kammerer, taz, 14.02.2008)

Preise und Festivals

- Berlinale Forum 2008
- Viennale 2008
- International Filmfestival Buenos Aires 2008
- DOCFEST München 2008
- Duisburger Filmwoche 2008
- ERA NOWE HORYZONTY 2008
- DIAGONALE 2009

Weitere Texte

Heinz Emigholz im Gespräch mit Stefanie Schulte Strathaus LOOS ORNAMENTAL
(Auszug)

Stefanie Schulte Strathaus: Nach Rudolph Schindler (Schindlers Häuser lief im Forum 2007) widmest Du Dich nun einem weiteren österreichischen Architekten: Adolf Loos. In welcher Beziehung stehen die beiden zueinander?

Heinz Emigholz: Adolf Loos war in mehrfacher Hinsicht ein Vorbild für Rudolph Schindler. Zum einen darin, den Raum so kompliziert zu denken, wie er ist oder sein könnte, und zu bauen, wie es möglich ist. Den Lebensraum als Denkraum zu gestalten und ihn nicht durch repräsentatives Gehabe zu verschandeln. Zum anderen in ihrer Beziehung zu den USA. Loos hat entscheidende Anstöße in den 1890er Jahren in Chicago erfahren. Der Einfluss, den Louis Sullivan auf ihn hatte, auch in Hinsicht auf ein Bauen, dass der Demokratie verpflichtet ist, war nachhaltig und ist unverkennbar. Für Schindler sind Amerika und seine Möglichkeiten in Kalifornien dann Wirklichkeit geworden. Er konnte sich freischwimmen, lässt man mal seine Behinderung durch den „International Style“ außer Acht. Das Schicksal Loos’ war es dagegen, in der europäischen Sackgasse zu enden. Meine Filme über die beiden spiegeln diesen Kern: die großartige Loos’sche Raumplan-Idee, und was aus ihr auf zwei unterschiedlichen Kontinenten werden konnte. Beide Filme entlassen mich mit völlig unterschiedlichen Gefühlen.

Kannst Du diese Raumplan-Idee im Hinblick auf die von Dir wahrgenommenen Unterschiede ihrer Umsetzung in den USA und Europa kurz erläutern?

Beide haben von innen nach außen gebaut. Komplexe, über mehrere Ebenen geschachtelte Räume unterschiedlicher Höhen, die eine simple Stockwerkeinteilung aufbrechen, werden ineinander gefügt. Bei Schindler wirkt das fragiler, weil es die kalifornischen Witterungsbedingungen zuließen, die Grenze zwischen Außen und Innen fließender zu gestalten. Bei Loos monumentaler, weil er sich nach außen hin abschließen musste. Über Adolf Loos wurde gesagt, er hasse Ornamente.

Dein Film heißt Loos Ornamental, das heißt, dass diesmal zwischen die Dreidimensionalität der Räume und die Zweidimensionalität des Films das Ornamentale der Architektur geschaltet ist. Was hat Dich daran im Vergleich zu Deinen bisherigen Filmen der Serie besonders interessiert?

In der Tat eilt Loos der journalistische Ruf voraus, Ornamente zu hassen. Die Missverständnisse liegen in dem begründet, was man jeweils unter Ornament versteht. Das Ornamentale im Sinne einer floralen Zieselierung ist allerdings nicht seine Sache. Betritt man jedoch die von ihm gestalteten Innenräume, sieht man nichts als Ornamente, gebildet aus den Strukturen der natürlichen Materialien Holz, Stein, Metall und Stoff. Maserungen im Holz, Adern im Marmor, die durch kunstreiche Anordnungen von Schnittflächen zur Geltung gebracht werden. Gegen den Strich gebürstet erscheinen die von ihm verwandten natürlichen Materialien in der Gesamtkomposition eines Raumes als Ornament. Und der gebaute Raum selbst bildet in seiner verschachtelten Struktur ein dreidimensionales Ornament. Loos hatte kein Problem damit, sich in angebliche Widersprüche zu verwickeln. Sein verquaster Aufsatz „Ornament und Verbrechen“ von 1910 ist leider in der Folge maßlos verdreht und verabsolutiert worden. Er war kein terrible simplificateur. Mich interessiert Komplexheit, ein komplexes Raumgitter, durch das sich Wirklichkeit erkennen lässt, und das bietet er mir und meiner Kamera.

Den Begriff „Verbrechen“ hast Du in Schindlers Häuser im Zusammenhang mit dem Versuch benutzt, das Werk eines einzelnen Architekten aus seiner Umgebung herauszulösen, um einen Film darüber zu drehen. Sind Architekten und Filmemacher der gleichen Moral verpflichtet? Sind Verbrechen dazu da, begangen zu werden?

Die meisten Bauwerke der Architekten, die mich interessieren, sind eigentlich unabhängig von dem Ort, an dem sie erbaut wurden, nicht denkbar. Sie funktionierten nur in Relation zu einem ganz bestimmten Ort. Und diese räumliche Umgebung prägt eben auch Maßstäbe, setzt Beziehungen, die dann nicht mehr beliebige sein können. Nach dieser Richtschnur zu bauen und zu filmen, ist natürlich etwas Grundsätzliches, vielleicht Moralisches. Attraktionsmontagen im Sinne von Eisenstein oder Vigo interessieren mich ja in der Architektur genauso wenig wie im Film. Ich will den Fluss der Oberflächen abbilden und nicht eine blöde Idee. Die ursprünglichen Umgebungen von Bauwerken verschwinden aber im Laufe der Zeit, und ein allgemeiner, unkontrollierbarer Verhau macht sich breit, unausweichlich. Das nennt sich dann Wirklichkeit und ist durch Verbrechen auch nur kurzfristig zu stoppen.

Credits

Konzept, Regie, Kamera und Schnitt
Heinz Emigholz
Kameraassistenz
Volkmar Geiblinger, Till Beckmann
Schnittassistenz
Markus Ruff
Originalton und Produktionskoordination
Christine Gloggengiesser
Tongestaltung
Christian Obermaier
Tonmischung
Eckart Goebel
Produktionsleitung
Alexander Glehr, Alfie Kral
Produktionsassistenz
Richard Wilhelmer
Herstellungsleitung
Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Produzent_innen
Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Produziert von
AMOUR FOU, KGP Kranzelbinder Gabriele Production, Heinz Emigholz Filmproduktion
In Koproduktion mit
ORF (Johanna Hanslmayr), WDR III (Jutta Krug) und WDR/3sat (Reinhard Wulf), Kultur Niederösterreich
Gefördert von
Filmfonds Wien, Innovative Film Austria

DVD-Infos

Extras
Bonusfilm basierend auf dem berühmten Essay von Adolf Loos „Ornament und Verbrechen“ gelesen von Carola Regnier (30 min, dt. und engl.), Biographien zu Adolf Loos und Heinz Emigholz (dt. und engl.), alle Bauwerke einzeln anwählbar, 16-seitiges Presseheft-Booklet
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
System
NTSC / Farbe
Ländercode
Code-free
Laufzeit
72 min + 30 min Extras
Bildformat
4:3
Tonformat
DD 5.1 + 2.0
Inhalt
Softbox (Set-Inhalt: 1), 16-seitiges Presseheft-Booklet mit Interviews zum Film
Veröffentlichung
06.02.2009
FSK
Ohne Altersbeschränkung

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
35mm (DD)
Bildformat
35mm, 1:1:37
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Werbematerial
A1-Poster
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Ohne Altersbeschränkung