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Maillarts Brücken

D 2001, 24 min

14 Dachkonstruktionen und Brücken aus Stahlbeton, die der Schweizer Künstleringenieur Robert Maillart zwischen 1910 und 1935 geplant und ausgeführt hat.

Synopsis

Robert Maillart revolutionierte die Stahlbetonbauweise und realisierte mit seiner Reduktion des Materials auf die wesentlich tragenden Teile und deren Neugestaltung in seinen Bauwerken eine bis dahin unbekannte Formenwelt. Seine Themen und Erfindungen Pilzdecken- und Gegenbogenkonstruktionen, unterzugslose Decken, Dreigelenkbogen, Rundbogen-Brücken mit gekurvter Fahrbahn erforschten enzyklopädisch die Möglichkeiten der Stahlbetonbauweise und setzten in ihrer komplexen Einfachheit und Eleganz der tragenden Teile weltweit neue ästhetische Maßstäbe. Seine Abkehr von der Massivbauweise und Reduktion auf die wesentlichen Kraftlinien erzeugte aber auch das Misstrauen der Ämter und führte zu absurden Bauauflagen. Seine bahnbrechenden Experimente finden sich in abgelegenen Tälern kleiner Kantone, in denen man ihm freie Hand beim Gestalten gewährte. In MAILLARTS BRÜCKEN fängt die Kamera die Kräfte vor Ort und ihre Komposition ein.

Pressestimmen

Was da konstruiert und gebaut wurde, liegt zwar um die achtzig Jahre zurück. Doch so, wie sich Emigholz den Bauten nähert, werden an ihnen in seinen Filmen aktuelle Denkstrukturen bloßgelegt, völlig unbeschädigt von dem, was die zuständigen Denk- und Kunstmedien verfügt haben. (taz)

Preise und Festivals

- Berlinale Forum 2001
- Viennale 2001
- Hong Kong International Film Festival 2003
- New York Film Festival 2002

Weitere Texte

Statement des Regisseurs Heinz Emigholz

An der Zufahrt zur Salginatobel-Brücke in Graubünden fanden wir eine Plakette der „American Society of Civil Engineers“, die die Brücke zum „International Historic Civil Engineering Landmark“ erklärte. Das Museum of Modern Art in New York widmete Maillart 1947 eine Ausstellung. Max Bill veröffentlichte 1949 als erster ein stilbildendes Buch über seine Werke. In Europa blieb Maillart lange Zeit nur Insidern bekannt. Seine Bauten im vorrevolutionären Russland von 1912-1918 werden fälschlicherweise den „Künstleringenieuren“ der Revolutionsphase zugeschlagen. Bei den Brücken war es interessant zu erfahren, dass es immer nur einer begrenzten Anzahl filmischer Einstellungen bedurfte, um die Kräfte vor Ort und ihre Komposition optimal wiederzugeben. Wir haben eine Idee von den Orten vor ihrer Überbrückung bekommen, als wir uns in stundenlangen Wanderungen durch kleine Gebirgstäler Aufnahmestandpunkte für die Unterseiten der Brücken erwandert haben. Wir haben uns über die Betonbrücke über uns als wahr gewordene Chimäre und Wunschvorstellung gefreut. Wir haben die Zeit, die die Menschen mit ihrer Benutzung einsparen, am eigenen Leib verspürt.
Eine Brücke ist auch immer eine Metapher, eine Zeitmaschine. Sie kürzt ab, überbrückt, transformiert einen Zustand in einen nächsten. Sie ist zugleich Straße und Tunnel. Sie realisiert einen Qualitätssprung und stemmt sich gegen die Elemente – ein Symbol für die Anstrengungen der Menschen, mit den Gegebenheiten dieser Erde zurechtzukommen. Wie ein Abgrund elegant zu überwinden ist, zeigt uns Robert Maillart in seiner Kunst. Wir haben in der Landschaft nachvollzogen, wie zuerst ein Wunsch die Schlucht überbrückt hat, die Vorstellung hier zu sein und im nächsten Moment auf der anderen Seite. Diese Luftlinie des Wunsches so schlank und unaufdringlich wie möglich gegen die Gravitätskräfte bogenförmig abzustützen, eingepasst in den Fluss der Gesteine und die Formen der jeweiligen Landschaften, war Robert Maillarts Leistung und das Motiv vieler seiner Erfindungen.

Credits

Regie, Kamera und Schnitt
Heinz Emigholz
Mitarbeit und Originalton
Andreas Sehn
Tongestaltung
Martin Langenbach
Mischung
Stephan Konken
Produziert von
Pym Films
In Kooperation mit
FilmFörderung Hamburg und WDR (Wilfried Reichart)
 

DVD-Infos

Extras
Interviewfilme (dt. und engl.) mit David P. Billington, Christian Menn und Jörg Schlaich: „Bauwerke von Robert Maillart“ (53 min, engl. UT) und „Bauingenieurskunst und Architektur“ (36 min, engl. UT), Biographien zu Robert Maillart, David P. Billington, Christian Menn, Jörg Schlaich und Heinz Emigholz, alle Bauwerke einzeln anwählbar, Einleger
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Bildformat
4:3
Tonformat
Dolby SR
Laufzeit
24 min + 90 min Extras
Ländercode
Code-free
System
NTSC / Farbe
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 1), Einleger
Veröffentlichung
14.12.2007
FSK
Ohne Altersbeschränkung

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
Blu-ray Disc
35mm
Bildformat  
35mm, 1:1,37
Sprache
Internationale Fassung (kein Dialog)
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Ohne Altersbeschränkung