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Naomis Reise

NAOMIS REISE Frieder Schlaich, D/PERU 2017, 92 min

Spielfilm/Gerichtsfilm - Uraufgeführt bei den Hofer Filmtagen im Oktober 2017

KINOSTART am 13. September 2018.
Im Verleih von EZEF

Naomi, 20, lebt mit ihren kleineren Geschwistern in Peru ein einfaches Leben. Nur die große Schwester lebt das scheinbare Glück, verheiratet in Deutschland. Aber dann ist sie tot, ermordet von ihrem deutschen Ehemann. Naomi ist wie betäubt. Die Mutter nach Deutschland zu begleiten, ins Land der Tat, ist das Letzte, was sie sich vorstellen kann. Und dann tut sie es doch und nimmt als Nebenklägerin am Prozess in Berlin teil.

Festivals:

Goethe-Institut Vereinigtes Königreich - FOKUS: Films from Germany 2018/19:
- Belmont Filmhouse: 25.11. (18:10)
- Filmhaus Edinburgh: 27.11. (17:50) - Q&A mit Regisseur Frieder Schlaich
- Goethe-Institut Glasgow: 06.12. (18:30)
- Dundee Contemporary Arts: 06.01. (18:00)
- Ayr Film Society: 10.01. (19:30)
- Glasgow Film Theatre: 23.01. (tbc)

Weitere Kinotermine:

Donaueschingen: Guckloch-Kino 25.03.
Villingen: Guckloch-Kino 27.03.

Kino-Trailer

Synopsis

Vom Leben ihrer großen Schwester weiß Naomi, wie sie im Verlauf des Prozesses merkt, nichts. All die früheren zahllosen, lustigen Skype-Gespräche - von ihren Problemen hat Mariella dabei nichts erzählt. Nur zögerlich, im kalten Rhythmus eines Strafprozesses, wird ein Eheleben erkennbar, das zu ihrer brutalen Ermordung führte. Im sich verhärtenden Gesicht Naomis spiegelt sich die Gewalt der Tat, aber auch der Verhältnisse, in denen sie möglich war. Das also ist die Realität hinter Sextourismus und "Heiratsmarkt" für südamerikanische Frauen und dem Besitzanspruch eines deutschen Ehemannes, der glaubt, seiner peruanischen Ehefrau mit der Aufenthaltserlaubnis ein besseres Leben geschenkt zu haben. Der Strafprozess führt in „Naomis Reise“ Regie eines Dramas, das zur Tat und ihren Motiven nicht durchdringen kann oder nicht will. Der Film zeigt minutiös, wie das Fehlen einer Berücksichtigung des gleichermaßen individuellen wie gesellschaftlichen Rassismus männlicher Normalität, das dem Verbrechen zugrunde liegt, neutrale Tatsachenfeststellung eben nicht ermöglicht, wie das Gericht glauben will, sondern strukturell verunmöglicht. Die Zuschauer*innen werden so gezwungen, sich ein eigenes Bild zu machen: wie viele „niedere Motive“ der „Beklagte“ auch immer der „Geschädigten“ gegenüber gehabt haben mag, das ist nicht entscheidend: es ist das politische Scheitern des Justizapparats, das Verbrechen Rassismus zu verhandeln.

Mit unglaublicher dokumentarischer Präzision und der Einfühlungskraft des Kinos inszeniert der Film seine Darsteller*innen, die zumeist tatsächlich am Gericht arbeiten und die diesem subtilen Drama juristischer Sprache und juristischer Gesten gewachsen sind. Es ist aber vor allem Naomis Blick auf Berlin und die bundesdeutsche gesellschaftliche Realität, der dieser Perspektive ihre Schärfe gibt. Das Paradies, in der sie ihre Schwester glaubte, ist keins. Der Prozess der nüchternen Entzauberung ermöglicht ein Prisma von Gefühlen: wenn Naomi am Ende mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, dann erscheint die Frage, ob auch sie in diesem Land leben wird, kann oder muss, in ganz neuem Licht.

„Naomis Reise“ basiert auf einer wahren Geschichte und bildet mit Frieder Schlaichs Filmen „Otomo“ und “Weil ich schöner bin“ eine Trilogie über Migration und Rassismus in Deutschland.

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Pressestimmen

Schlaich breitet das Dilemma kultureller Missverständnisse und Abhängigkeiten aus, kontrastiert Naomis Aufgewühltheit mit der kalten Sachlichkeit der Justiz. Dass der Regisseur Richter und Anwälte mit praktizierenden Juristen besetzt, sorgt für immense Glaubhaftigkeit. (Tagesspiegel, 30.10.2017 - Hofer Filmtage, Kaspar Heinrich) mehr...

In Naomis Reise inszeniert Frieder Schlaich diese Gerichtsverhandlung und kontrastiert sie mit den aufgewühlten Emotionen der betroffenen Angehörigen: Nicht als Melodrama, sondern als Justizthriller der anderen Art, der aus Verhören und Plädoyers ein ganzes Universum erschafft. (kino-zeit.de, 11.2017 - Hofer Filmtage, Harald Mühlbeyer) mehr...

Ist der Angeklagte ein Rassist, der die peruanische Ehefrau von Anfang an als Besitztum behandelte und demütigte? War die Ermordete eine Quasi-Prostituierte, die den deutschen Ehegatten nur ausnutzte? Für beide Sichtweisen treten Zeugen auf und eröffnen Einblicke in eine abgründige Sphäre zwischen Sextourismus und Heiratsmarkt, die sich im Gefälle von reichen zu armen Ländern herausgebildet hat. Der Zuschauer findet sich auf einer hochdramatischen Reise durch widerstreitende Gefühle wieder, bei der er sich seinen eigenen Ressentiments und Vorurteilen stellen muss. (FILM DIENST, 24/2017, Rainer Gansera zur Fernsehausstrahlung im ZDF) mehr...

Preise und Festivals