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Perret in Frankreich und Algerien

PERRET IN FRANKREICH UND ALGERIEN Heinz Emigholz, D 2012, 110 min

Aufbruch der Moderne – Teil II / Photographie und jenseits – Teil 20 / Architektur als Autobiografie

Uraufführung: 65. Festival del film Locarno 2012
Deutscher Kinostart: 29.11.2012
Seit März 2012 auf DVD and Bluray!

Aktuelle Kino- und Festival-Termine:
- Mexiko: Riviera Maya Film Festival (21.-27. April 2013)
- Seattle: Northwest Film Forum (03. Mai 2013)
- Saarbrücken: Kino Achteinhalb (21.-22. Mai 2013)
- Israel: Haifa Film Festival (19.-28. September 2013, in Anwesenheit von Heinz Emigholz)
- Belgien: Film Festival Ghent (08.-19. Oktober 2013)
- Portugal: Doclisboa - International Film Festival (24.10.-03.11.2013)
- Südkorea: Experimental Film and Video Festival in Seoul (November - Dezember 2013)

"Best Undistributed Films of 2012" (FILM COMMENT)

 

Zum Film
Der Film PERRET IN FRANKREICH UND ALGERIEN zeigt dreißig Bauwerke und Ensembles der französischen Architekten und Bauingenieure Auguste und Gustave Perret. Auguste Perret hat in seinen ausgeführten Projekten den Betonbau meisterlich verfeinert und zu einem klassischen Ausdruck gebracht. Parallel zur Ausführung zahlreicher Bauprojekte in Frankreich hat Perret auch unter den Bedingungen des Kolonialismus in Nordafrika gebaut. Der Film zeichnet diese Zweiteilung chronologisch nach. Die von 1912 bis 1952 in Algerien errichteten Gebäude sind erstmalig ebenso Gegenstand eines Films wie die in Frankreich errichteten. Die Bauwerke Perrets in Frankreich und deren Weiterleben in der Gegenwart stehen damit in direktem Vergleich mit seinen in Nordafrika realisierten Projekten. Sichtbar wird ein differenzierter Umgang mit dem "architektonischen Erbe" in auseinanderstrebenden Kulturen. Das Schicksal der westlich geprägten, architektonischen Moderne – ihr Symbolgehalt und ihre Nachhaltigkeit –zeigt sich im alltäglichen Umgang mit ihren Produkten in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Landschaften.

Auguste Perret
Auguste Perret (1874-1954) studierte als Sohn eines Bauunternehmers in Paris Architektur und übernahm dort 1905 gemeinsam mit zwei Brüdern das Unternehmen seines Vaters unter dem Namen "Perret Frères". Wie Louis Sullivan wurde er mit seinen frühen Bauten für seine freie Gestaltung der Füllwände und Fassaden seiner gerüstartigen Eisenbetonkonstruktionen bekannt (Apartmenthaus an der Rue Franklin, 1903). Das demonstrative Hervorkehren des Betonskeletts in seinen weiteren Bauwerken machten ihn zu einem entschiedenen Vertreter und Entwickler der neuen, durch die Betonbauweise möglich gewordenen Bauformen (Théatre des Champs-Elysées, 1913). Seine Bauwerke verwirklichten in ihren Ausführungen eine ungewöhnliche Verbindung von Stilelementen des Jugendstils und des Neoklassizismus mit gestalterisch offengelegten Konstruktionsgerippen – aufsehenerregende Ergebnisse seiner kühnen Experimente mit Eisenbeton. Seine ausgeführten Bauten weisen eine extreme Vielseitigkeit aus – über Einfamilien- und Apartmenthäuser, Ateliers und Werkstätten, Produktions- und Lagerhallen, Theater und Kirchen bis hin zur Planung ganzer Stadtteile. Er war der französische Wegbereiter der Moderne und Impulsgeber des Neuen Bauens. Sein  Einfluß auf Le Corbusier, der in den 10er Jahren in seinem Büro arbeitete, ist unverkennbar.  Der Preis der Internationalen Architektenvereinigung für "architekturbezogene Technologien" heißt ihm zu Ehren Auguste-Perret-Preis. Er war der erste, der moderne Kirchen mit ungewöhnlichen Tragsystemen und Fenstergittern aus Beton errichtete (Notre-Dame du Raincy, 1923, Montmagny, 1926). Geschwungene, stützenlose Treppen (Musée des Traveux Publics, 1937), stilbildende Hochhäuser in Amiens und Le Havre (1947) und der Wiederaufbau des zerstörten Stadtkerns von Le Havre mit der Kirche Saint-Joseph (1954) gehören zu seinem meisterlichen Spätwerk.

Bauwerke
Die Dreharbeiten zum Film PERRET IN FRANKREICH UND ALGERIEN fanden von März bis Juni 2011 in Frankreich und Algerien statt. Der Film zeigt folgende Bauwerke:

Immeuble d'Habitation Rue Franklin (1904), Paris
Cathédrale d'Oran (1912), Oran, Algerien
Théâtre des Champs-Élysées (1913), Paris
Église Notre-Dame-de-la-Consolation (1923), Raincy
Maison Gaut (1923), Paris
Église Sainte-Thérèse (1926), Montmagny
Maison Cassandre (1927), Versailles
Résidence-Atelier Mela Muter (1928), Paris
Salle Cortot de l'école normale de musique (1929), Paris
Chapelle de la Columbière (1929), Chalon-sur-Saone
Chapelle (1929), Arcueil
Résidence Atelier Chana Orloff (1929), Paris
Studio Dora Gordine (1929), Boulogne-Billancourt
Maison de l'Agriculture (1932), Algier, Algerien
Villa Arakel Nubar Bey (1932), Garches   
Immeuble d'Habitation de Maurice Lange (1932), Paris
Immeuble d'Habitation Rue Raynouard (1932), Paris
Bureaux du Gouvernement Général d'Algérie (1934), Algier, Algerien     

Maison de Charles Mauduit (1934), Sceaux
Hopital Sétif (1934), Sétif, Algerien
Mobilier National (1936), Paris
Hopital Civil de Mustapha (1939), Algier, Algerien
Immeubles de Studios (1939-48), Algier, Algerien
Musée national des Travaux Publics - Palais d'Iéna (1948), Paris
Hopital Barbier-Hugo (1936-55), Algier, Algerien
Gare Maritime (1948), Algier, Algerien
Tour d'Amiens (1951), Amiens
Yacht-Club (1934-1952), Algiers, Algerien
Reconstruction du Havre (1945-55), Le Havre
Église Saint-Joseph (1954), Le Havre


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Pressestimmen

Mit seiner Serie "Architektur als Autobiografie" hat Heinz Emigholz ein ganz und gar eigensinniges Projekt vorgelegt. Die Filme bewegen sich entlang der Werkbiografie einzelner Architekten der westlichen Moderne: unter anderem Rudolf Schindler, Adolf Loos, jetzt Auguste Perret. Auf sprachlichen Kommentar verzichtet Emigholz, stattdessen sucht er mit seiner Kamera einzelne Bauwerke auf und filmt sie aus einer Vielzahl von Perspektiven. Die Auswahl der Blickwinkel beschränkt s ich auf solche, die von einem Besucher des Bauwerks nachvollzogen werden können. Kamerabewegungen gibt es keine, Zusammenhänge entstehen nur durch die Montage. Der neue Film "Perret in Frankreich und Algerien" bildet eine außerordentliche Spannbreite an Gebäudetypen ab. Auguste Perret spezialisierte sich auf großformatige, aufwändige Konstruktionen im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts und in der damaligen Kolonie Algerien. Er gilt als Meister des Betonbaus. Die Aufnahmen umfassen fünf Jahrzehnte Architektur- und Weltgeschichte: 1904 entstand ein erstes Wohnhaus in Paris, 1955 vollendete er die Rekonstruktion des im Zweiten Weltkrieg zerstörten historischen Stadtkerns von Le Havre. Im International (taz)

Augen auf! In dieser Dokumentation gibt es keinen Kommentar, keine Interviews, glücklicherweise gar nichts, was an ein TV-Feature erinnern würde. Vor allem: keine Bevormundung. Dafür die Unmittelbarkeit der Begegnung mit 30 Bauten des Klassikers der Architektur-Moderne, August Perret (1874-1954). Heinz Emigholz (Regie, Kamera) filmt dessen Gebäude mit feinnervigstem Gespür für Schönheit und Drama der Raumkonstruktion. (Süddeutsche Zeitung, Rainer Gansera)

Verblüffend, wie ein und dieselbe Hand stilistisch derartig Unterschiedliches erschaffen kann. Erstmals wird das künstlerische Werk von Perret in einem Film in seiner Gesamtheit über die Landesgrenzen hinweg betrachtet. Dabei wertet Regisseur Heinz Emigholz ("Sullivans Banken") in keiner Weise, vielmehr lässt er die Werke sprechen. Der kunstinteressierte Zuschauer darf sich auf einen umfassend recherchierten Film freuen, der ihn mit allerhand kunsthistorischem Wissen bereichern wird. (cinemathek.eu)

Wenn Emigholz am Schluss in der Kirche des Heiligen Joseph wie durch einen Tunnel den Turm hinaufblickt, setzt er zu den Klängen eines Chorals zwei präzise Schwenks. So zurückhaltend und kontrolliert diese Geste auch ist, in einem ansonsten sehr nüchternen und analytischen Film wird daraus ein transzendentaler Augenblick. (Critic.de, Michael Kienzl)

Im zweiten Teil seiner insgesamt dreiteiligen Reihe «Aufbruch der Moderne», mit der Emigholz seine Filme zu den Themen Architektur und Baugestaltung beenden wird, zeigt der Filmemacher insgesamt 30 Werke der französischen Architekten und Bauingenieure Auguste und Gustave Perret. Auguste Perret (1874–1954) gehört mit seinen kühnen Eisenbetonexperimenten zu den Wegbereitern der Moderne und schuf seine Bauten sowohl in Frankreich als auch im kolonialen Algerien. Emigholz erfasst die Gebäude in ihrem Ist-Zustand, bettet die Autoren-Architektur damit in kulturelle und soziale Zusammenhänge und macht die Veränderung der Gebäude im Lauf der Zeit sichtbar. (Viennale - Pocketguide, Lars Penning)

Festival de Locarno : les plus belles images d’Alger. Voilà un film unique en son genre. Un long documentaire de deux heures clair et passionnant et qui a suscité le plus grand intérêt du public du Festival de Locarno, avant celui de Toronto, au Canada. (El Watan, 08.08.2012, Azzedine Mabrouki) mehr...

Heinz Emigholz’s groundbreaking and spellbinding architectural films are, quite simply, cinematographic re-enactments of the immediate experience of spaces. With an often canted camera, he dissects the interior and exterior of a building, allowing the viewer to experience being there and, by studying a career of an architect, construct a biography solely based on the works, free of commentary. The last film in Emigholz’s Architecture as Autobiography series to focus on a specific architect, and the second in his series “The Decampment of Modernism” (following the equally excellent Parabeton, which premiered earlier this year in Berlin, and has gone on to become a surprise box-office hit in Germany), is the first film ever made on French brothers Auguste and Gustave Perret, presenting 30 of their projects in chronological order. And it may be perfect. (Emigholz himself considers it to be his finest film.) (Cinema Scope, Issue 52, Mark Peranson) mehr...

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