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Roland Klick - The Heart is a Hungry Hunter

ROLAND KLICK - THE HEART IS A HUNGRY HUNTER Sandra Prechtel, D 2013, 80 min

Roland Klick ist Legende, so ziemlich die einzige der letzten 40 deutschen Kino-Jahre. Ein Filmportrait.

Previews und Festivals:
Standing Ovations für Roland Klick in Neuchatel (NIFF)!
Roland Klick auf Festival-Tour: 
Cambridge Film Festival, Goethe Institut London (Retrospektive), Filmfest Hamburg, Viennale, Cork Film Festival (jeweils in Anwesenheit von Roland Klick), Heimspiel-Filmfest Regensburg und im Kino: ICA London, Kommunales Kino Hannover (Retrospektive), Hyde Park Picture House Leeds. Für weitere News zum Film einfach unseren Newsletter abonnieren.

63. Internationale Filmfestspiele Berlin - Panorama


Zum Film

Roland Klick ist Legende, so ziemlich die einzige der letzten 40 deutschen Kino-Jahre. Mit Mario Adorf drehte er den psychedelischen Western DEADLOCK, mit Dennis Hopper den todessüchtigen Punkabgesang WHITE STAR. Klick machte großes, aufwühlendes Publikums-Kino - doch nach nur sechs Spielfilmen hatte sich das große Talent des deutschen Films auf mysteriöse Weise ins Aus manövriert.
Selbst vier Bundesfilmpreise konnten ihn nicht vor Kritikern und Kollegen des „Neuen Deutschen Film“ schützen, die ihn als zu kommerziell anfeindeten. Klick verbündete sich mit dem aufstrebenden Produzenten Bernd Eichinger, WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO sollte ihr großer Wurf werden. Doch es kam alles anders.
Roland Klick wurde zum Außenseiter gemacht. Aber er war auch ein kompromissloser Filmjunkie, der mit jedem Film alles riskierte und sich immer am Abgrund bewegte. Bis er ihm einmal zu nahe kam.

In Sandra Prechtels Film zeigt sich Klick in seiner ganzen umwerfenden Geradlinigkeit. Otto Sander erinnert sich an seinen ersten Leinwandauftritt in LUDWIG. Eva Mattes lässt eine ihrer schönsten Rollen Revue passieren und erzählt vom Dreh von SUPERMARKT. Hark Bohm gedenkt seines Bruders Marquard, der durch DEADLOCK zum Star wurde.  Und Horrorfilm-Ikone David Hess, der in WHITE STAR an Hoppers Seite wütete, deutet Klicks Drama aus amerikanischer Sicht: He was a dreamer inside a Deutscher - it's not an easy thing to be.

Mit Roland Klick, Eva Mattes, Otto Sander, Hark Bohm, David Hess und Jost Vacano


Vier Fragen an Sandra Prechtel

Wie geht man an Klick ran, wie erzählt man seine Geschichte, seine Philosophie, sein Werk einem Publikum? Wie entstand das „Buch“ zum Dokumentarfilm?
Ausgegangen bin ich von der Frage, die sich mir vom ersten SUPERMARKT- Bild an im Kinosessel gestellt hat: Was ist mit diesem Regisseur und seinen Filmen passiert, dass ich noch nie von ihm gehört habe? Es war dann auch ganz schnell klar, dass Rolands Gedanken zum Kino und wie er damit in Widerspruch zum Zeitgeist geriet, Kern des Films sind. Und dann wurde es immer mehr auch zur Geschichte eines von seiner Kunst Besessenen, der den eigenen Abgründen vielleicht doch zu nahe gekommen ist.
Es gab schon das Interview von Frieder Schlaich aus dem Jahr 1997, dann ein weiteres Interview zu BÜBCHEN. Ganz wenig aus den Fernseharchiven: ein Interview zu WHITE STAR und ein kurzes Fernseh-Porträt, das nie gesendet wurde.
Ganz wichtig waren für mich die DVD-Audiokommentare, weil Roland da so einen ganz intimen Zugang zu seinen eigenen Filmen hat. Es war auch klar, dass in diesem Film viel geredet wird. Erstens gehe ich ja zurück in der Zeit, erzähle ein Stück Film- und Zeitgeschichte.
Und zweitens hat Roland Ende der 80er Jahre seinen letzten Film gemacht. Wenn er also in Aktion ist, dann redend: Vor Publikum, Filmstudenten, dem Colourgrader von DEADLOCK. Roland ist für mich eine Art Diogenes des Kinos, einer, der die Welt scheut, aber aus seiner Tonne heraus alles genauestens mitkriegt und analysiert. Und bei Roland ist Reden wirklich Action!

In welchen Zeitraum habt ihr gedreht und geschnitten? Was hat sich von Klick, während der Dreharbeiten oder im Schnitt, am Stärksten im Film etabliert, vielleicht auch im Gegensatz zum Ansatz?
Im Januar 2011 haben Frieder Schlaich von der Filmgalerie 451, der ja Klick mit seinen VHS - und DVD - Editionen überhaupt erst wieder ins Bewusstsein geholt hat, und ich beschlossen, diesen Film zu machen. Trotz des Minimalbudgets, das wir durch den Vorab-Ankauf von 3sat hatten. Weil wir ihn einfach machen mussten!
Gedreht wurde dann zwischen Juli und September 2011.
Die große Frage im Schnitt war: Arbeiten wir eher assoziativ, thematisch? - also ausgehend vom Themenkreis, den Rolands Kinophilosophie abschreitet. Der ganze Schneideraum war zugepflastert mit Styropor-Platten, darauf Hunderte von Karteikarten mit Stichworten aus Rolands Gedankenkosmos. Der Cutter André Nier ist ganz schön bleich geworden, als er den Raum das erste Mal betreten hat. Oder arbeiten wir doch chronologisch, entlang von Rolands Biographie. Ganz schnell haben wir gemerkt, dass das ja eine Geschichte mit einem klaren Spannungsbogen ist - die hoffnungsvollen Anfänge, der kurze Höhenflug, der erste harte Dämpfer bei DEADLOCK, das Weitermachen und Kämpfen bis zur totalen Erschöpfung und dem Abschied vom Filmemachen. Rolands Filme und seine Protagonisten sind ja immer auch Spiegelbilder dessen, wo er selbst im Leben stand. Also war auch klar, dass man entlang der Filmographie arbeitet. Und darüber natürlich auch ganz viel davon erzählt, was Kino für ihn ist, wie er arbeitet, die moralischen Implikationen, die in jeder Kameraeinstellung zum tragen kommen. Und dann passiert im Schnitt oft etwas Interessantes - die Geschichte selbst entfaltet einen Sog, der so nach vorn zieht, dass man nur noch wissen will, wie es weiter geht. Und die „Denkinseln“, die Reflektionsebene hält dann zu sehr auf. Man kann sich nicht mehr so darauf einlassen wie am Anfang des Films, wo man sich neugierig in diesen Klick - Kosmos vortastet. Das tut mir jetzt noch weh, welche Roland-Lieblingssätze von mir dann doch nicht im Film sind. Das muss er dann alles live erzählen - oder man hört die Audiokommentare. Ein tolles Buch gibt es auch...

Der Dokumentarfilm (die aktuellen Aufnahmen, Dramaturgie, Musik und der Schnitt) ist im Gegensatz zu den Roland Klick Filmen „sanft“ in seiner Form. Wie kam es zu der Entscheidung den Film formal so zu „inszenieren“?
Dazu hat Roland mir selbst das schönste Kompliment gemacht: Er fände es schön, dass der Film so weiblich geworden sei. Und bei Roland gibt es ja diese weibliche, zärtliche Seite auch in seinen Figuren, trotz der wirklich krassen Gewalt. Das Komische ist - ich kann normalerweise im Kino überhaupt keine Gewalt ertragen, mir wird sofort schlecht. Ich bin schon auf allen Vieren aus Kinos heraus gekrochen...
Aber bei Rolands Filmen ertrage ich sie. Weil sie aus Menschen heraus bricht, deren Sehnsüchte und Wut und Verzweiflung ich spüre. Und an DEADLOCK mag ich dann auch Szenen wie die von Kid und Jessie mit dem Spiegel und den Sonnenstrahlen, die total abgedrehten sehr poetischen Momente am liebsten.
Und dann habe ich wohl doch auch eine sehr melancholische Seite. Die von Rolands Geschichte und seinem Wesen eben angesprochen wird. Die Musik ist ja auch inspiriert von Rolands eigener Filmmusik, die Gitarre bei BÜBCHEN, der Song in SUPERMARKT. Es war so, dass ich Thomas Imbachs DAY IS DONE gesehen habe und die Musik von Balz Bachmann grandios fand und sie hat auch genau diesen 70ies Touch. Ich wusste also schon von Anfang an, dass ich ihn fragen will, und auch, dass ich einen richtigen Song möchte, nicht nur Score Musik. Einen der für Roland steht, sein Wesen. Und das ist auch melancholisch, zumindest nehme ich ihn so wahr.

Gibt es etwas was Du Dir wünschst, was der Zuschauer von Klick mitnimmt?
Seine Filme! Diese starken Gefühle, die Sehnsucht nach starken Gefühlen, die Sehnsucht nach Leben, und natürlich nach Liebe.

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Pressestimmen

Einer der schönsten Momente der diesjährigen Berlinale liegt gut eine Woche zurück. „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“ von der Berliner Regisseurin Sandra Prechtel feierte Premiere im ausverkauften Cinestar-Saal. Der Film porträtiert den 1939 geborenen Regisseur Roland Klick, der mit „Supermarkt“, „Deadlock“ und „Bübchen“ die brachialeren Reize des Genrekinos mit einer an Antonioni geschulten Sensibilität versöhnte. Dafür nahm er in Kauf, ein Außenseiter im deutschen Filmbetrieb zu sein. (taz, Cristina Nord)

Sandra Prechtels Dokumentarfilm ist eine großartige Gelegenheit, einen ganz zu Unrecht im Vergessen versunkenen Regisseur und einen Menschen mit Haltung wiederzuentdecken. Die Energie und der Drang nach Ehrlichkeit von Roland Klick und seinen Arbeiten waren ein kurzes Glück für den deutschen Film. The Heart Is a Hungry Hunter würdigt es. (Critic.de)

Schlaglichter auf einen übergangenen Seitenarm der deutschen Filmgeschichte: Prechtels Film ist ein schöner Parcours, der sich Ästhetik und Habitus von Klicks Filmen glücklicherweise nicht anverwandelt. Ein Gewinn ist die Nähe, die Prechtel sucht [...] Klick ist ein ansteckender Kinoenthusiast ohne Snoballüren, ein Getriebener seiner Träume. Einer, der sich, seinen Figuren nicht unähnlich, ganz und gar an eine Sache vergeudet. (taz, Thomas Groh)

Ein persönlicher Filmemacher muss Verletzungen persönlich nehmen, sonst ist er keiner. Und gleicht er nicht wirklich Mario Adorf in „Deadlock“, der einen Geldkoffer in der Wüste findet und von den anderen zu Tode gehetzt wird? Der Film, mitproduziert von der Filmgalerie 451, die auch seine DVDs herausgibt, macht solche Verbindungen sinnfällig und vor allem Lust auf Klick – immer noch am besten, das versteht sich von selbst, auf der großen Leinwand. (Berliner Zeitung, Philipp Bühler)

Eine Hommage an den "unvollendeten" Filmemacher Roland Klick. (Frankfurter Rundschau)

Die Dokumentarfilmerin Sandra Prechtel hat ihn über drei Jahre hinweg mit der Kamera begleitet, hat Weggefährten wie Hark Bohm, Otto Sander oder Eva Mattes befragt. Entstanden ist das Porträt „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“. Eine Hommage an Mann und Werk [...] Roland Klick, der große Unbeugsame des deutschen Films. (Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann)

Sehenswert. (rbb Inforadio)

In „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“ öffnet sich der humorvolle Filmemacher vor der Kamera und erzählt aus seinem Leben. Von seinen Anfängen, über seine Erfolge, bis hin zu seiner großen Niederlage und den darauf folgenden Dreharbeiten mit Dennis Hopper zu „White Star“. [...] Ein sehr positiver Punkt ist, dass vor allem auch Klicks Filme im Mittelpunkt stehen. Film für Film wird dabei aufgearbeitet und die Bilder dürfen für sich selbst sprechen. (Uncut.at)

Preise und Festivals