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3/4

3/4 Maike Mia Höhne, D 2014, 80 min

Sie will ein Kind. Er hat schon eins.

Happy, happy couple. Sabine und Michael, beide um die 40, beide Freiberufler, leben in Hamburg-Altona. Patchwork as usual. Michael hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung und zusammen verbringt man die Wochenenden. Außerdem ist Sabine schwanger, noch ganz am Anfang, und heult abends vor dem Fernseher. Michael erträgt die Launen mit Gelassenheit und einem schönen Abendkiff. Seine Graspflanzen sind bei ihm in besten Händen. Als Sabine das Kind im dritten Monat verliert, bröckelt der Alltag. Sie findet einen Geliebten und ihm fehlen die Worte.

„Auf den ersten Blick zart, unaufgeregt und voller Poesie entfalten sie schonungslos die aus Phantasmen bestehende Welt ihrer Protagonisten, wie in einem schönen Rausch. Die Schonungslosigkeit dieser mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail entstandenen Bilder liegt auch bei 3/4 in der Alltäglichkeit des Dramatischen.” (Stefanie Schulte Strathaus)

„Höhnes Werk zeichnet sich durch eine virtuose Beiläufigkeit aus. …Läuft es gut, dann ist  beim Verlassen des Kinos etwas Wundervolles in einem entstanden: Tatendrang.”  (Johan Dehoust in DIE ZEIT)

Regie Statement

3/4 ist ein Film, in dem ich mich formal an der kleinen Form orientiert habe, die Roland Barthes in seinen Vorlesungen »Die Vorbereitung des Romans« entwickelt hat. Die kleine Form schafft es, im besten Falle einzufangen, was das Leben ist – das Echte, den Moment. Im japanischen Haiku passiert für ihn so etwas: das Leben blitzt auf.
In 3/4 sind es Sabine und Michael, die sich auseinandersetzen.
Der Weg führt durch den Alltag – das Leben blitzt ihnen entgegen.
Mehr noch die Notwendigkeit den anderen zuzulassen – bei sich zu bleiben.

Locations

Wir haben 3/4 fast komplett in Hamburg-Altona gedreht. Ein Stadtteil von Hamburg der mit einer sehr eigenen langen Geschichte aufwartet.
Ham­burg Altona– ein Stadt­teil, der in den 1920-33iger Jahren von einem stark sozia­len Woh­nungs­bau geprägt ist. Feder­füh­rend ist Gustav Oels­ner, der einige der wich­tigs­ten Gebäude und Anla­gen aus der Zeit in Altona ver­ant­wor­tet, wie u.a. den Altonaer Volks­park, die Pes­ta­loz­zi­schule in der Klei­nen Frei­heit, die Gewer­be­schule gegen­über vom Altonaer Rathaus.
Zusam­men mit dem dama­li­gen Bür­ger­meis­ter Max Brauer star­tet Oels­ner 1925 eine Kam­pa­gne für einen Gene­ral­sied­lungs­plan, dessen Bestand­teil ein soge­nann­ter Grün­gür­tel­plan war. Es ging darum, die großen pri­va­ten Parks der Elb­vor­orte der Bevöl­ke­rung selber zugäng­lich zu machen. Es ging darum Lebens­orte für Altonaer Bürger und Arbei­ter, für alle Gesell­schafts­si­schich­ten zu schaf­fen. Bis heute prägt u.a. der Gelbe Klin­ker­stein Altona und auch den Kiez.
Die Aus­rich­tung dieser Jahre: ästhe­ti­sche, bezahl­bare Lebens­räume als Grund­lage für viele, stä­de­te­bau­li­che Ziele Ein­zel­ner immer im Hin­blick für die Gemein­schaft zu ver­ste­hen, zu schaf­fen steht der städ­te­bau­li­chen Rea­li­tät von heute kon­trär gegenüber.
In 3/4 haben wir ver­sucht Außen­räume zu foto­gra­fie­ren, die sich in Bewe­gung befin­den. Viele der Orte, die wir als Dreh­orte ver­wen­det haben, haben sich jetzt schon kom­plett ver­än­dert– sind nicht wie­der­zu­er­ken­nen. 3/4 ist auch ein Archiv von Orten ande­rer Bewegungen.

Maike Mia Höhn

Maike Mia Höhne ist Filmemacherin und Kuratorin. Sie wurde 1971 in Hannover geboren. Von 1994-1999 hat sie Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, an der Escuela de Bellas Artes in Havanna sowie der Escuela Internacional de Cine y Televisión in San Antonio de los Baños, Kuba, studiert. Sie ist Stipendiatin der Begabtenförderung des Evangelischen Studienwerks, Villigst. Nach einem Arbeitsaufenthalt in Buenos Aires, Argentinien, absolvierte sie ein Aufbaustudium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg mit dem Schwerpunkt Film.

Als Kuratorin und Jurorin arbeitet sie weltweit für Institutionen und Festivals, Goethe Institute. Sie als Gremiumsmitglied in der Filmförderung sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene tätig. Höhne unterrichtet mit einer Professur für Film an der University of Applied Sciences Europe in Hamburg.

Von 2007-2019 leitet Höhne die Sektion Berlinale Shorts, der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Höhne schärfte den Charakter der Sektion und gab ihr ein eigenes, avantgardistisches und politisches Profil, das in der internationalen Festivallandschaft hervorsticht. Die Berlinale Shorts gewannen stark an Bedeutung, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Festivals.

Im März 2019 übernimmt Höhne die künstlerische Leitung beim Kurzfilm Festival Hamburg (KFF). Zurzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Langspielfilm. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Hamburg. Ihre Filme sind im Verleih des ARSENAL- Institut für Film und Videokunst, e.V. und der Kurzfilmagentur, Hamburg.

Filmografie (Auswahl)

2019: Provokation in Beton (Spielfilm, gefördert FFA, in Vorbereitung)
2019: Wer war zuletzt am Kühlschrank (Creative Producer) WebSerie / Animation, in Vorbereitung)
2014: ¾
2011: Warum wir waren was wir waren (Kurzfilm)
2005: Eine einfache Liebe (Kurzfilm)
2002: Von der Hingabe (Kurzfilm)
1998: Fin de Siglo (Kurzfilm)
1997: Petit Voyage (Kurzfilm)
1994: Hoheslied (Kurzfilm)

Die Filme sind im Verleih vom ARSENAL- Institut für Film & Videokunst e.V.

Lange Synopsis

3/4 ist ein Kammerspiel & ein Heimatfilm. 3/4 ist eine Hommage an Hamburg.

Sie will ein Kind. Er hat schon eins.
Trotzdem und gerade deswegen entscheiden sie gemeinsam ein Kind zu machen.
Sabine wird schwanger. Alle sind glücklich. Jona, dem Sohn, sagen sie es noch nicht.
Dann verliert sie das Kind in einem frühen Stadium. Normal. Kann immer passieren und passiert immer wieder. Kein Grund in die Depression zu fallen. Sie fällt nicht.
Schleichend verändert sich ihre Beziehung.
Sie entfremden sich, ohne es gleich zu bemerken.
Der Sex wird weniger. Sie sehen sich kaum. Immer die Arbeit.

Eines Morgens kommt es zum Konflikt. Sie hat Lust und er will nicht. „Nie willst du“, sagt sie, „so werde ich nicht schwanger“. – „Willst du Sex oder ein Kind.“ – „Das eine geht ohne das andere nicht.“ – „Ich will kein Kind.“ Da ist es raus.
Gesagt, was länger schon schwelt. Sie ist wie gegen eine Wand gestoßen.
„Warum?“, will sie wissen. „Sind es deine Eltern, ist es die Arbeit, ist es das fehlende Geld, ist es das Kind, das schon da ist?“, will sie wissen. Es ist alles Mögliche und doch kann er es nicht benennen. Sie versucht ihn zu verstehen.
„Nicht jetzt“, sagt er. „Wann dann?“, fragt sie. Er muss zur Arbeit.
Auf die Zäsur folgt der Alltag.
Gemeinsam versuchen sie zu bestehen. Zerschneide nie, was du aufknoten kannst. Poesiealbumsspruch aus der 4. Klasse. Sabine und Stefan umkreisen sich. Ebenso drehen sich die Gespräche. Sie fühlen sich, versuchen sich. Gehen in eine Auseinandersetzung.
Was es ist, dass ihn Nein sagen macht. Er wiederholt sich. Er geht nicht tiefer.
Sie treffen Freunde, gehen mit Jona schwimmen, kommen sich nicht näher.
Sabine trifft einen anderen Mann. Sie gibt der Anziehung nach. Sie hat einen Geliebten. Der Geliebte gibt ihr die Kraft, um auf Stefan zuzugehen. Sie sucht und versucht. Sie fühlt sich wohl mit dem Anderen, aber es ist nicht der Andere, der sie im Tiefsten interessiert. Sie willbStefan. Sie verlässt den Geliebten, um klar zu sein.
Die einst freie Arbeit im Restaurant wird immer enger, Regeln und Überwachung finden sich ein, Angst macht sich breit. Sabine will so nicht arbeiten und löst das Arbeitsverhältnis. Stefan kann nichts dazu sagen. Ihm ist ein wichtiger Kunde abgesprungen. Auch bei ihm bestimmen die Verhältnisse des Außens immer mehr sein kleines Büro: die Arbeiter aus Polen sind einfach billiger. „Ist es das, was dich kein Kind mehr haben wollen macht?“, fragt sie. „Kannst du eigentlich noch an was anderes denken?“, fragt er. Sackgasse.
„Wir haben doch Jona“, sagt Stefan. „Du bist der Vater, ich bin die Freundin des Vaters.
Austauschbar“, sagt Sabine. „Du dramatisierst.“ – „Sehe ich nicht so“, sagt sie.
Sabine versucht sich ein Leben ohne eigene Kinder vorzustellen.
Sie kann es nicht. Sie kann es einfach nicht.
Er kann nicht mehr so weiter.

mehr... weniger...

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