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Werner Schroeter

„In meinem gesamten kinematografischen Werk suche ich die elementaren Kräfte der Liebe, des Todes und des Lebens mit Hilfe vielfältiger Phantasmagorien oder utopischer Formen zu ergründen.“

Über den Regisseur

Werner Schroeter verteidigt seit den späten sechziger Jahren eine singuläre Position in der internationalen Filmlandschaft. Sein Werk bei uns mit drei international ausgezeichneten Filmen aus drei Jahrzehnten und dem Dokumentarfilm MONDO LUX vertreten ist opulent und expressiv und gilt neben seinen zahlreichen Theater- und Operninszenierungen als eine Provokation innerhalb des Neuen Deutschen Films. Ein Außenseiter, der etwas wagt und riskiert und uns deshalb immer wieder fasziniert.
Werner Schroeter starb am 12. April 2010. Sein Tod kam trotz der Vorzeichen viel zu plötzlich. Ein kleiner Trost bleibt, dank Elfi Mikeschs Film-Portrait MONDO LUX gibt es zumindest auf der Leinwand ein Wiedersehen. Wir vermissen dich, Werner!

Biografie

Werner Schroeter, geboren 1945 in Georgenthal (Thüringen), verteidigt seit den späten sechziger Jahren eine singuläre Position in der internationalen Filmlandschaft. Schroeters erste Experimentalfilme auf 8mm entstehen 1967. Er zeigt sie auf dem Experimentalfilmfestival von Knokke, wo er Rosa von Praunheim kennenlernt, mit dem er fortan eine intensive künstlerische und persönliche Beziehung unterhält. In einer Phase atemberaubender Produktivität folgen 1968/69 eine Vielzahl weiterer Experimentalfilme auf 8mm und 16mm. Schon diese frühen Werke sind geprägt von Werner Schroeters immensen Liebe für die Oper, und insbesondere für Maria Callas, die für Schroeters Leben und Werk von eminenter Bedeutung ist. So lassen sich manche Zeilen aus dem Nachruf, den er 1977 für den SPIEGEL verfasste, wie ein künstlerisches Credo lesen, das wohl bis heute nichts an Gültigkeit verloren hat: „Schönheit entsteht durch Wahrheit und nicht umgekehrt (...). Die ins Maßlose getriebenen Ausdrucksmomente der Kunst stellen nichts anderes dar als das Bedürfnis, die Zeit anzuhalten. Das heißt, die Endlichkeit der menschlichen Bedürfnisse zu ignorieren und ihnen die Glaubhaftigkeit im Ausnahmefall und damit auch ihren Stolz zu geben.“ Wie die Callas auf der Opernbühne versucht Werner Schroeter auf der Filmleinwand in exzessiver Weise „die wenigen total vertretbaren Gefühle: Leben, Liebe, Freude, Hass, Eifersucht und Todesangst in ihrer Totalität und ohne psychologische Analyse vorzutragen.”
Schroeters erster Langfilm EIKA KATAPPA erhält 1969 auf den Internationalen Filmwochen Mannheim den Josef von Sternberg-Preis und erfährt großes Interesse der internationalen Filmkritik. Der Film läutet eine zweite Phase im Werk Werner Schroeters ein, die eine Abwendung vom reinen Experimentalfilm hin zum – zumindest ansatzweise narrativen – Spielfilm bedeutet. Mit einem relativ festen Stamm an Darstellern (etwa Christine Kaufmann oder insbesondere Magdalena Montezuma) dreht Schroeter eine Reihe faszinierend-extravaganter Filme von opernhafter Theatralität, die fragmentarische „Erzählflöckchen“ (Sebastian Feldmann) zu komplexen allegorischen Bild-Ton-Collagen fügen, etwa SALOME (1971), DER TOD DER MARIA MALIBRAN (1971), WILLOW SPRINGS (1972-73) oder FLOCONS D’OR (1973-76). Liebe, Tod, Sehnsucht und Leidenschaft ziehen sich als leitmotivische Themen durch diese schillernden Werke, zu deren größten Bewunderern der französische Philosoph Michel Foucault zählte. Schroeter wird neben Fassbinder, Herzog oder Wenders zu einem der wichtigsten Exponenten des aufstrebenden jungen deutschen Kinos. Als Kosmopolit ohne festen Wohnsitz dreht Schroeter in jenen Jahren in Mexiko, Frankreich, Libanon, Tschechien, Österreich, USA und Italien. Gleichzeitig beginnt er verstärkt und mit großem internationalem Erfolg, für das Theater und die Oper zu inszenieren.

Nachdem er 1978 mit REGNO DI NAPOLI durch eine Hinwendung zu einem epischeren, realistischeren Stil überrascht hatte, erfährt Werner Schroeter 1980 mit dem dezidiert politischen Tryptichon PALERMO ODER WOLFSBURG seinen bis dahin größten Erfolg. Diese Passionsgeschichte eines sizilianischen Gastarbeiters in der Bundesrepublik wird auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Es folgen weitere Spielfilme wie TAG DER IDIOTEN (1982) oder DER ROSENKÖNIG (1984-86) sowie dokumentarische Essayfilme. Die von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek adaptierte Ingeborg-Bachmann-Verfilmung MALINA (1990), mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, feiert in Cannes Premiere und wird mit Deutschen Filmpreisen unter anderem in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“ ausgezeichnet.
In den neunziger Jahren konzentriert sich Werner Schroeter auf die Theater- und Opernarbeit, so dass nur wenige, dokumentarische Filme entstehen (etwa ABFALLPRODUKTE DER LIEBE, 1996). Im Jahr 2002 feiert er dann auf den Filmfestspielen von Cannes mit DEUX ein fulminantes Spielfilm-Comeback, das in seiner höchst fragmentarischen Form das stilistische und thematische Universum Schroeters noch einmal virtuos kondensiert. Eine grandiose Isabelle Huppert brilliert darin in der Doppel-Hauptrolle zweier bei der Geburt getrennter Zwillingsschwestern. Mit DIESE NACHT (2008) überrascht Werner Schroeter nach sechsjähriger Abstinenz von der Leinwand noch einmal mit einer neuen Facette seines Schaffens. Basierend auf dem Roman „Para esta noche“ des großen lateinamerikanischen Romanciers Juan Carlos Onetti, ist DIESE NACHT sicherlich eines der düstersten Werke in Schroeters Filmografie, das ganz Fassbinders Diktum bestätigt, Werner Schroeter habe seinen Platz irgendwo zwischen Lautréamont, Novalis und Louis-Ferdinand Céline. Besonders die Affinität zu letzterem wird deutlich in dieser hochkarätig besetzten Parabel, die sich unverkennbar in die stilistische und thematische Tradition des schroeterschen Oeuvres einfügt, und diesem doch, etwa in ihrer geradezu film-noir-artigen Atmosphäre, ganz neue Dimensionen erschließen vermag. Der Film läuft 2008 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig, wo Werner Schroeter mit einem Goldenen Löwen für DIESE NACHT und sein Gesamtwerk ausgezeichnet wird. Im darauf folgenden Jahr inszeniert Werner Schroeter unter anderem ANTIGONE//ELEKTRA in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. 2009 werden auch Werner Schroeters bislang unbekannte Photoarbeiten von 1973 bis 2009 erstmals einem Publikum im Rahmen der AUTREFOIS ET TOUJOURS-Ausstellung in Berlin präsentiert.
Werner Schroeter verstarb am 12.April 2010 in Kassel. 2018 ehrte die Akademie der Künste die Künstlerfreunde Werner Schroeter, Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim mit der Ausstellung „Abfallprodukte der Liebe“. Der Titel der Ausstellung entspricht Schroeters gleichnamigem Film.

Filme im Programm der Filmgalerie 451

F/D/Portugal 2008, 118 min

Eine Nacht um eine Wahrheit zu finden, die ständig flieht der letzte Film von Werner Schroeter.

D/F 1996, 125 min

Werner Schroeters außergewöhnlicher Dokumentarfilm über die Kunst des Singens und wie diese zum Leben erweckt wird.

D 1980, 170 min

Deutschland ist ein fremdes Land, in dem man sich Mühe geben muss.

Filme im Programm der Filmgalerie 451

F/D/Portugal 2008, 118 min

Eine Nacht um eine Wahrheit zu finden, die ständig flieht der letzte Film von Werner Schroeter.

D/F 1996, 125 min

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D 1980, 170 min

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