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Totem

D 2011, 86 min

Der Alltag im Leben einer Familie, der mit Erscheinen eines fremden Menschen aus dem Gefüge gerät.

Synopsis

In einer Stadt im Ruhrgebiet taucht eine junge Frau namens Fiona auf, die als Haushaltshilfe bei der Familie Bauer arbeiten wird. Vater, Mutter, Tochter, Sohn leben für sich, Kommunikation untereinander findet nicht statt. Fiona soll aufräumen, die Kinder versorgen und das Haus sauber halten. Aber irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Ihre Abwesenheiten, ihre Verwirrung, ihre Verweigerung lassen Seltsames erahnen. Langsam gerät etwas aus den Fugen und ein leiser Horror schleicht sich ein. Warum beginnt Frau Bauer plötzlich zu weinen? Was macht Fiona mitten in der Nacht mit dem Baby auf der Landstraße? Totem ist ein alltäglicher Horrorfilm, den eine Art Störgeräusch durchzieht, das keiner hört, Schatten, die keiner sieht. Nur das Kino.

Streaming-Info

Der Film ist über unseren Vimeo-Kanal zum Leihen oder Kaufen erhältlich.
Sprache: Deutsch, Untertitel: Englisch

Pressestimmen

Jessica Krummacher hat mit Totem einen beachtlichen Abschlussfilm gedreht. Von den häufig so braven Erstlingswerken grenzt sie sich deutlich ab. Krummacher kreuzt einen nichts beschönigenden Sozialrealismus mit Elementen des Horrorfilms und lässt dabei viele Fragen offen. Was hier objektive Beobachtung oder individuelle Wahrnehmung ist, Realität oder Traum, lässt sich schwer sagen. (...) Krummacher hat sich vom sozialen Melodram, von übertriebener Figurenpsychologie und ständigem Erklärungszwang frei gemacht. Sie lässt die Ambivalenzen Ambivalenzen sein. (...) So lange es Abschlussfilme wie Totem gibt, muss man sich über den filmischen Nachwuchs in Deutschland zumindest keine Sorgen machen. (Michael Kienzl, Critic.de)

Auch Jessica Krummachers „Totem“ in der Nebenreihe „Settimana della critica“ operiert in einem merkwürdig surrealen Raum. Der Abschlussfilm der Münchner Regiestudentin offenbart ein immenses Talent für irritierende Verschiebungen, mit denen sie in einer aufmerksam kontrollierten Bewegung das Porträt einer jungen Haushaltshilfe und ihrer kleinbürgerlichen Herrschaftsfamilie zu einem alptraumhaften, abwechselnd von Wahnsinn und höchster Vernunft durchwehten Stimmungsbild verdichtet. (Robert Weixlbaumer, tip Berlin)

Der Film ist ein verstörendes Panorama aus Einsamkeit und Kommunikationslosigkeit. Eine seltsame Bedrohung und stumme Aggression schwebt über den Verhältnissen – bevor sie am Ende aufbrechen. Krummacher gelingt ein strenger, konsequent inszenierter, origineller und stilistisch anspruchsvoller Film über Regeln und Rituale, Ordnung und das Chaos dahinter. Die Hauptrolle spielt die kaum bekannte Marina Frenk, eine prominente Nebendarstellerin ist Natja Brunkhorst. (...) Eine Regisseurin ist entdeckt! (Rüdiger Suchsland, Artechoc)

Ein sehr starkes Erlebnis war der Spielfilm „Totem“ von Jessica Krummacher. Von der ersten Minute an entwickelte die Geschichte um ein rätselhaftes Hausmädchen in einer deutschen Mittelschichtsfamilie einen ganz unwiderstehlichen Sog subtilen Horrors. Gespannt und voll dunkler Ahnungen folgte man Fiona bei ihrem Umgang mit den einzelnen Familienmitgliedern, zu denen auch zwei Babypuppen gehörten, um erst zum Schluss ihre wahre Rolle in einem gar nicht so sehr sie betreffenden Drama zu erkennen. (Andrea Winklbauer, artmagazine)

„Totem“ dreht die vermeintlich abgenutzten Schrauben des Erzählmusters mit überraschendem Sinn für den magischen Horror ungelöster Familienbeziehungen weiter. (...) Auf den ersten Blick eine schauspielerisch präzise improvisierte Studie über die Ausbeutung moderner Haushaltssklaven, gleitet der Film beiläufig in den Modus eines surrealen Albtraums über. Die junge Frau, die fremd in das Haus des Bauers kommt, scheint deren Bann unter Frustrationen, Verletzungen und Tabus nicht nur vergrößernd zu spiegeln, sondern selbst darin aufzugehen. (...) Statt auf küchenpsychologischen Mainstream vertraut Jessica Krummacher auf die Verschmelzung von realistischem Körperkino und vieldeutigen mythischen Referenzen. Stillgestellte Tableaus zeigen das Ruhrgebiet als böses Totenreich, subjektive Bewegungsbilder öffnen zwar immer wieder Fluchtwege, doch die Protagonistin verläuft sich in ihnen wie im Labyrinth. "Totem" stellt radikal die Frage nach dem Erwachsenwerden. (Claudia Lenssen, taz, 18.04.2012)

Weil Krummacher filmische Konventionen des Realismus mit solchen des Fantastischen kreuzt und so zu einer sehr mehrdeutigen Sprache findet, ist „Totem“ nicht zuletzt auch eine originell formulierte Frage nach dem Verhältnis zwischen Film und Wirklichkeit. Wer hier Antworten will, wird in diesem Falle ganz auf das Kino vertrauen müssen. (Christian Blumberg, de:bug, 24.04.2012)

Jessica Krummacher zeichnet mit ihrem Regiedebüt Totem ein vordergründig empathischeres Bild der Mittelklasse, das auf denunziatorische Untertöne verzichtet. Die Lüge, die hier im Raum und zwischen den Menschen steht, ist allerdings so gewaltig, dass jede Kommunikation de facto eingestellt wurde. Die Gefühle liegen verschüttet. In dieses lähmende Schweigen platzt das neue Kindermädchen Fiona (Marina Frenk) hinein. (...) Fiona fungiert in diesem dysfunktionalen Familiengefüge als eine Art Blitzableiter. Auf sie beginnen die einzelnen Mitglieder zu projizieren, was sie untereinander nicht mehr verhandeln können: Enttäuschungen, Aggressionen, Aufmerksamkeit, Zuneigung. So entstehen regelrechte sado-masochistische Abhängigkeitsverhältnisse, die Krummacher jedoch bewusst im Vagen hält. Denn auch Fiona ist eine undurchsichtige, verstockte Figur. Wie ein Schatten bewegt sie sich durch das Haus... (Andreas Busche, 23.04.2012)

Credits

Buch und Regie 
Jessica Krummacher
Mit
Marina Frenk, Natja Brunckhorst, Benno Ifland, Alissa Wilms, Cedric Koch, Fritz Fenne, Dominik Buch, Irmgard Pethke
Kamera
Björn Siepmann
Schnitt
Jessica Krummacher, Heike Parplies
Musik
Marina Frenk
Maske
Katharina Bondzin, Angelika Maria Garus
Kostüm
Anna Wübber, Sarah Bernardy
Originalton
Daniel Schäkermann
Sounddesign
Jochen Jesuzzek
Mischung
Gerhard Auer, Andreas Goldbrunner
Produzent_innen
Martin Blankemeyer, Jessica Krummacher, Philipp Budweg, Timo Müller
Produziert von
Arepo Media, Münchner Filmwerkstatt, kLAPPbOXfILME, Lieblingsfilm
In Zusammenarbeit mit
der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF)
Uraufführung (DE):
17.01.2012, Saarbrücken, Filmfestival Max Ophüls Preis
Kinostart (DE):
26.04.2012

DVD-Infos

Extras
Audiokommentar der Regisseurin, Prosavorlage zum Drehbuch von Jessica Krummacher, gelesen von Marina Frenk, Kino-Trailer
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
86 min + Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0 + 5.1
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 1), Original-Presseheft zu den 68. Filmfestspielen von Venedig 2011 (Einleger)
Veröffentlichung
26.10.2012
FSK
Ab 12 Jahren

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (5.1)
Bildformat
1:1,85
Sprache
Deutsche Originalfassung
Werbematerial
A1 Plakat, Trailer
Lizenzgebiet
Deutschland, Österreich, Schweiz
FSK
Ab 12 Jahren