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Moloch Tropical

Haiti/F 2009, 107 min

Pecks schärfste Kritik an der totalen Macht im Gewand des elegantesten Kammerspiels.

Synopsis

In einer Festung, die auf dem Berggipfel in Haiti thront, bereitet sich ein demokratisch gewählter Präsident im Kreis seiner engsten Mitarbeiter auf einen Staatsakt zum Unabhängigkeitstag vor. Honoratioren, Würdenträger und zahlreiche ausländische Staatsgäste werden zu den Feierlichkeiten erwartet. Doch als der Festtag gekommen ist, findet der Präsident sein Land in Aufruhr vor. Über Nacht ist eine Rebellion ausgebrochen, die den ganzen Staat erfasst hat. Doch nichts soll den Präsidenten von seinem Vorhaben abhalten.
Mit MOLOCH TROPICAL steckt Peck „die schärfste Kritik an der totalen Macht in das eleganteste Kammerspiel. Ein meisterhafter Film.“ (Toronto IFF, 2009)

Pressestimmen

So entfaltet sich die Tragödie eines lächerlichen Mannes, durchaus in shakespearischer Dimension, eine immer wieder ins Absurde kippende Fabel, die die konkreten Verhältnisse des Landes Haiti mit
dem universalen Drama der Macht verbindet. Wie überall auf der Welt werden auch hier die großen politischen Ideale durch die vielfältigen Versuchungen und Privilegien korrumpiert, nimmt die
gewählte Demokratie Züge kolonialer Diktatur an. – SZ, 17.05.2010

Unter dem Präsidenten Préval selbst Kulturminister Haitis, verarbeitet Peck in seinem Film die Verwandlung einer demokratisch gewählten Regierung in eine Schreckensherrschaft, ein Muster, das
sich seit der Französischen Revolution immer wieder reproduziert. –  epd film

Dieser Film ist gewaltig unterhaltsam und auch alptraumhaft Furcht einflössend. (MoMA, 2010)

Preise und Festivals

- Toronto International Film Festival, Special Presentation, 2009
- Festival Cinéma et Politique de Tours, France, 2009
- International Film Festival of Kerala, 2009
- Dubai International Film Festival, 2009
- MoMA – The Contenders, 2010
- Berlinale, Berlinale Special, 2010
- CinemAfrica, Stockholm, 2010
- Miami International Film Festival, 2010
- Milano Africano Film Festival, 2010 (Signis prize of World Catholic Association for Communication)
- Human Rights Watch Film Festival, London, 2010
- Diversciné, Ottawa, 2010
- Istanbul International Film Festival, 2010
- Tribeca International Film Festival, 2010
- Sydney International Film Festival, International competition, 2010

Weitere Texte

Raoul Peck zu MOLOCH TROPICAL

Mit diesem Film möchte ich die verborgene Seite der Macht erklären. Ohne Zweifel ein willkommener Anlass für mich, noch einmal auf meine politischen Erfahrungen, die ich in Haiti und anderswo gemacht habe, zurückzukommen. Wie fühlt sich der letzte Tag eines einflussreichen Mannes an, dessen Macht niemals in Frage stand und der auf einmal in einen Strudel von Ereignissen gezogen wird, die er nicht kontrollieren kann? Ich wollte erklären, was hinter verschlossenen Türen geschieht, während des erzwungenen Rückzugs in ein fremdes Land, wenn alles möglich und gleichzeitig nichts rückgängig zu machen ist – Rettung und Untergang in einem. In diesem Augenblick der Geschichte offenbart sich Menschen das wahre Wesen ihrer Existenz, ihrer Ängste und Hoffnungen – insbesondere angesichts der Einsicht, dass es keine Spielräume mehr für Tricks gibt.
Außerdem wollte ich mit diesem Film in mein Land zurückkehren. Aus Shakespeare’scher Sicht wollte ich die Tragödie und die Dummheit dieser zurückliegenden 60 Jahre politischer Wirren noch einmal erleben. Nirgendwo sonst hat die Gegenwart so viel Konfusion und so viele Ungereimtheiten hervorgerufen wie in Haiti.
Wir beschlossen MOLOCH an einem einzigartigen Platz zu drehen, der Zitadelle Henri-Christophe die von König Henri-Christophe zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gipfel eines steilen Berges gebaut wurde. Mit einer Fläche von 8000 Quadratmetern ist es die größte Festung der amerikanischen Hemisphäre, vor allem ist sie aber das unzerstörbare Symbol der einzigen Nation in der Geschichte der Menschheit, das von siegreichen Sklaven errichtet wurde. Aber für welchen Preis?

Raoul Peck in einem Interview mit „Der Tagesspiegel“

Wieso Diktator? Ich erzähle von einem gewählten Präsidenten, der seine Macht willkürlich und missbräuchlich ausübt. Leider gibt es diese Tendenz überall seit 30, 40 Jahren – bei Richard Nixon und Bill Clinton genauso wie bei Berlusconi und Sarkozy. Und dabei spreche ich noch nicht einmal von Jelzin oder Putin. Oft gibt es starke Institutionen, die ein demokratisches Gegengewicht bilden. Aber der Machtmissbrauch findet trotzdem statt. (…)
Nie hätte man gedacht, dass eine Demokratie wie die USA im 21. Jahrhundert Folter zulässt. Im Film ging es mir auch darum, diese Allmacht, diesen Unfehlbarkeitsanspruch zu demystifizieren. Man wagt
es immer weniger zu sagen: Der König ist nackt. Sogar die Medien debattieren plötzlich darüber, wann Folter gerechtfertigt ist und wann nicht. Erstaunlich ist, überhaupt über Folter zu diskutieren.

Credits

Regie
Raoul Peck
Buch
Raoul Peck, Jean-René Lemoine
Mit
Zinedine Soualem, Sonia Rolland, Mireille Metellus, Nicole Dogue
Kamera
Eric Guichard
Schnitt
Martine Barraqué
Musik
Alexei Aigui
Produzent
Raoul Peck
Produziert von
Velvet Film

DVD-Infos

Extras
Making Of (7 min), Interview mit Raoul Peck (6 min) und Booklet
Sprache
Kreol, Französisch, Englisch
Untertitel
Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch
Ländercode
Code-free
System
NTSC / Farbe
Laufzeit
107 min + 13 min Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 1), Booklet
Veröffentlichung
03.06.2016
FSK
Ab 16 Jahren