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Deadlock

D 1970, 85 min

Klicks psychedelische Treibjagd im Niemandsland. Akkustisch und optisch bestechend, dramaturgisch konsequent bis zum Schluss, prägt sich einem dieser Film für immer ein.

Synopsis

Die Banditen Sunshine und Kid flüchten nach einem Bankraub in die Geisterstadt Deadlock in der mexikanischen Sierra. Die einzigen Bewohner sind Charles Dump und seine Tochter Jessy. Dump versucht, den Banditen ihre Beute abzujagen...
Nach klassischer Dramaturgie wandert der Geldkoffer der demolierten Gangster von einem zum anderen, unterstützt von dem schier Beckett’schen Unvermögen der Galgenvögel, den jeweiligen Besitzer umzulegen. Mario Adorf als rührend tolpatschiger Pechvogel, Anthony Dawson als alternder Killer und Marquard Bohm, „Schwabings Understatement-Ungeheuer“, als verletzter Gangster schleichen zu dem psychedelischem Soundtrack der Avantgarde-Rockband CAN um die Beute wie die Katzen um den heißen Brei.

Aktuell

50 Jahre DEADLOCK

Seit 50 Jahre flirrt Roland Klicks legendärer Film DEADLOCK auf den Kinoleinwänden. Zwei Zeitungsartikel berichten über den Film, der am 15. Oktober 1970 seine Premiere feierte. Bis heute hat er nichts an seiner Einzigartigkeit verloren – zeitloses Kino, das sein Publikum noch immer begeistert!


Streaming-Info

Der Film ist über unseren Vimeo-Kanal zum Leihen oder Kaufen erhältlich. Weitere Anbieter siehe „Film kaufen“.
Sprache: Deutsch, Englisch (DE und EN OV)

Pressestimmen

Ein phantastischer Film. Ein surrealer Thriller, voll von archaischer Gewalt und inniger, zärtlicher Poesie. Ganz anders als alles, was man sonst aus Deutschland kennt. (New Delhi Times)

DEADLOCK ist, obwohl das ein ebenso rasanter wie schmutziger, harter wie sentimentaler Actionthriller ist, vor allem ein abstrakter Film. Weil er genau das zeigt, wie Kino, wie das Erzählen im Kino funktioniert. DEADLOCK ist ein Endspiel vom Kino, weil er das Kino bis auf die Knochen enthäutet. Weil er nichts Überflüssiges enthält, was überhaupt ein Kennzeichen der Filme von Roland Klick ist... Und gerade weil DEADLOCK nichts Überflüssiges hat, ist der Film so reich: weil man genau zusieht, aufpaßt wie ein Luchs. Denn es könnte einem etwas entgehen. Deadlock heißt Pattsituation, Stillstand. Ich denke, das ist ein wichtiges Wort für die Filme von Roland Klick. Es ist der Stillstand des Lebens, der Augenblick und der Augen-Blick, der ihn fasziniert, der Augenblick vor der Handlung, vor der Tat, vor dem unerbittlichen Fortgang der Geschichte, der Geschichte einer Gesellschaft, aber vor allem der Geschichte, die im Kino erzählt wird... (Peter W. Jansen, 1992)

Klicks frühes Meisterwerk, eine Mischung aus psychedelischem Western und absurdem Theater, zeigt zwei Gangster die sich in einem ausgestorbenen Wüstenkaff die Beute streitig machen. (...) Ein Duell, das als fortschreitendes Delirium inszeniert ist, ein fiebriger Alptraum. (Jörg Schöning, Szene Hamburg 12/97)

Ein erstaunlich guter Film des Jungfilmers Roland Klick, der sich von der esoterischen Nabelschau und dem ideologischen Geschwätz abgewandt und dem harten Action-Film zugewandt hat. (Badische Neueste Nachrichten, 13.11.1970)

Dieser Film erfüllt endlich einmal die Kunstregeln des Metiers und außerdem die Ansprüche des Publikums. Insofern bestünde durchaus Grund, an die schöpferische Potenz im deutschen Filmbetrieb aufs neue zu glauben. (Pforzheimer Zeitung, 24.10.1970)

„Deadlock“ ist ein brutaler Reißer, eine Killergeschichte; formal gut gemacht; spannend, weil die Handlung immer neue Haken schlägt; atemberaubend, weil der Regisseur mit minimalen Mitteln (sechs Personen an ein und demselben Schauplatz) Atmosphäre schafft, Charakter entwickelt. (Frankfurter Allgemeine, 26.10.1970)

Ein deutscher „Easy Rider“, ein „swinging“-Film von einem, für den das Oberhausener Manifest bereits zur Geschichte zählt. (Siegener Zeitung, 06.11.1970)

Endlich wieder ein Film zum Sehen – und nicht zum Anschauen. Schier ohne künstlerische Ambitionen und dennoch von kunstvoll-peinigender Spannung. Klick versteht sein Metier. (...) Marquard Boom als junger Killer – das ist erstaunliche Sonder-Klasse. Schwabings Understatement-Ungeheuer. Und Mascha Alm Rabben – das Mädchen, das man nicht so leicht vergißt. Die „Cans“ spielen so schön wie eh und je. Das alles ist Kino. Was will das leidgeprüfte Auge mehr. (Karsten Peters, Abendzeitung, 24.12.1970)

Preise und Festivals

- Bundesfilmpreis 1971 (Filmband in Gold, Bester Regisseur)

Weitere Texte

Das Actionkino eines Deutschen: Roland Klicks DEADLOCK
Heiko R. Blum im Gespräch mit Roland Klick (erschienen in: Marler Zeitung, 09.01.1971)

Etwa eine Million DM hat ein neuer deutscher Film europäischen Stils gekostet: Roland Klicks DEADLOCK mit Mario Adorf, Anthony Dawson und Marquard Boom. Der Film, der die Geschichte vom kaputten Menschen in einer kaputten Welt erzählt, wurde in einer trostlosen Wüste am Roten Meer gedreht. Motive von Clouzot, Cayatte und Corbucci standen Pate bei dieser Geschichte um einen Koffer voller Dollar, um zwei Killer, dem alten und dem jungen und um einen schmutzigen kleinen Gauner, dem Mario Adorf unter all dem Schmutz etwas Menschliches mitgibt. Wir sprachen mit dem 28jährigen Regisseur Roland Klick, der nach seinem BÜBCHEN-Misserfolg diesmal eine ganz gute Erfolgschance hat.

Heiko R. Blum: Was ist DEADLOCK?

Roland Klick: DEADLOCK ist ein amerikanischer Ausdruck für ein Türschloss, das man nur von einer Seite öffnen kann. Und wenn man durch eine solche Tür hindurchgeht, gibt es kein Zurück. Es ist zugleich ein Synonym für eine ausweglose Gefahrensituation und für eine tödliche Falle. In diesem Sinne steht DEADLOCK für die Grundsituation dieses Films.

DEADLOCK ist ja auch ein Titel wie RINGO, WARLOCK, RIO BRAVO?

Das ist richtig. Das ist für mich ein Titel, der ein großes Abenteuer erwarten lässt. Wenn ich DEADLOCK höre, stelle ich mir einen Reißer vor und deshalb haben wir auch den Titel gewählt, weil er meiner Meinung nach den Absprung ins Abenteuer erleichtert.

Ich finde anklänge an LOHN DER ANGST, an AUGE UM AUGE oder auch an LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, um nur ein paar Titel zu nennen, würden Sie dem zustimmen?

Natürlich, ich bin ein eifriger Kinogänger und ich kann mich den Einflüssen des momentanen Kinos nicht entziehen. Ich finde es auch legitim, sich in der Tradition dieser zum Teil schon klassischen Abenteuerfilme zu bewegen. Filme wie SCHATZ DER SIERRA MADRE oder LOHN DER ANGST sind für mich ganz große Vorbilder, und die Mythen, die da verwandt werden, sind nicht neu, sondern die großen Actionmythen, die auch in diesem Film auftauchen. Ich muss dazu sagen, dass mir das Filmemachen sehr viel Spaß macht und es freut mich einfach, diese Bilder zu filmen, die ich gesehen habe, die ich empfinde und die in gewisser Hinsicht auch meine Bilder sind.

Sehen Sie generell ernsthafte Gefahren für das Kino?

Ja, die Gefahren liegen in allen Institutionen, die den Film an die Öffentlichkeit bringen, angefangen von den Autoren über die Kritik, die Kinobesitzer und so weiter. Freilich habe ich im Falle DEADLOCK gute Erfahrungen gemacht, der Verleih hat sich darum bemüht, den Film richtig rauszubringen. Gleichzeitig aber ist die ganze Kinosituation fürchterlich eingeengt, auf ein Kleinstmaß reduziert. Das fängt schon mit der Größe der Plakate an, es gibt keine „Werbeflächen“, weil das Kino die nicht bezahlen kann. Der Kinobesitzer hat berechtigte Angst vor deutschen Filmen, und überhaupt ist die ganze Situation restlos erstarrt. Es ist schwierig geworden, die Leute ans Kino heranzuführen, wie es in Italien beispielsweise möglich ist. Dort geht man durch die Stadt und sieht das Kino, hier sieht man Zigaretten- oder Waschmittelreklame. Man hat sich in Deutschland angewöhnt, das Publikum für dumm zu halten. Die einen sagen, das Publikum ist dumm und da müssen wir dumme Filme machen, die anderen sagen, wir müssen Filme drehen, die das dumme Publikum nicht akzeptiert, denn nur solche Filme können gute Filme sein. Diese fiktive Alternativsituation wird ständig von der Kritik hochgeputscht. Es wird aber nicht für möglich erkannt, dass ein guter Film auch dem Publikum gefallen kann. Ich wollte mit DEADLOCK einen engagierten Film machen, den das Publikum sehen will. Für mich gehört zum Film ein Kino mit einer Leinwand und Leute, die davor sitzen. Die Leinwand allein kann kein Kino ausmachen.

Was bedeutet für Sie das Engagement?

Man hat den Leuten lange Zeit immer nur den Spiegel vorgehalten und hat ihnen gesagt, wie mies sie sind. Das nannte man Sozialkritik. Man hat im Grunde nichts weiter getan, als soziale Ereignisse beschrieben. Ich glaube, das Kino muss wieder zum sozialen Ereignis werden. Es darf den Beschauer, wenn es wirken will, nicht erst in seiner dumpfen Alltagsmiesheit bestärken, sondern es muss meiner Meinung nach über ein fiktives Erlebnis den Menschen auf dem Umweg über eine andere Stimmung auf seine Situation zurückbringen.

Roland Klick zu DEADLOCK
aus „Das Kino des Roland Klick“ von Ulrich von Berg (erschienen in der edition filmwerkstatt)

Bei meiner Art, ein Filmthema anzugehen, gibt es am Anfang immer Visionen. Wenn ich beispielsweise einen Film über eine Hexenverbrennung planen würde, dann hätte ich wohl Visionen von Kathedralen, spanischen Gemäuern, Priestern, bestimmten Lichtsituationen und einer gewissen Leere in den Wandelhallen. Es entsteht so etwas wie ein optisches Klima. Das steht am Anfang. Aus diesem visionären Einstieg entwickeln sich dann Teile der Geschichte, ein Erzählstil und die Besetzung. Aber am Anfang steht die Vision der Welt, in der die Geschichte spielen wird. Bei Deadlock sollte es eine schneeweiße Wüste sein, der Film sollte Leere und Weite haben, er sollte abstrakt sein und es sollte eine Situation sein, die abgelöst ist von allen sozialen Umständen, in der die Menschen nur noch auf sich geworfen sind. Hass, Angst, Gier, Feigheit im Urbezug des Menschen. Eigentlich habe ich das immer gesucht, auch wenn meine anderen Filme von sozialen Umständen überlagert sind. Wenn ein Film das nicht hat, selbst wenn er sozial verankert ist, wenn er da nicht eintaucht in diesen Urbezug, da nicht Wurzeln schlägt, meistens interessiert er mich dann auch nicht, dann ist das nur eine Bebilderung von sozialen Umständen.

Credits

Buch und Regie
Roland Klick
Mit
Mario Adorf, Anthony Dawson, Marquard Bohm, Mascha Elm Rabben, Sigurd Fitzek, Betty Segal
Kamera
Robert van Ackeren
Kameraassistenz
Dieter Milster
Schnitt
Jane Sperr
Musik
CAN
Ausstattung
Kuly Sander
Requisite
Walter Mayr
Maske
Heinz Auditor
Ton
Jürgen Koppers
Geräusche
Hans Walter Kramski, Karl-Heinz Reiber
Mischung
Hans-Dieter Schwarz
Regieassistenz
Stefan Abendroth
Aufnahmeleitung
Jakob Hameiri
Produktionsleitung
Dieter Schönemann
Produzent
Roland Klick
Produziert von
Roland Klick Filmproduktion
Uraufführung (DE)
15.10.1970
Kinostart
15.10.1970

DVD-Infos

Extras
Soundtrack von CAN, Interview mit Roland Klick (1997, 8 min), Dokumentation DIE CHANCE über das Casting der Hauptdarstellerin (45 min), Original Kinotrailer, Klick Portrait von Peter W. Jansen (1984, 13 min), Audiokommentar mit Roland Klick und Ulrich von Berg
Sprachen
Deutsche und englische Originalfassung
Ländercode
Code-free
System
PAL / Farbe
Laufzeit
88 min + 66 min Extras
Bildformat
16:9
Tonformat
DD 2.0
Inhalt
Softbox (Set Inhalt: 1)
Veröffentlichung
06.03.2009
FSK
Ab 16 Jahren

Hinweis: Die in unserer DVD-Collection „Das Kino des Roland Klick“ enthaltene DVD von DEADLOCK ist technisch besser, als die Einzel-DVD. Sie stammt vom restaurierten 2K-Kinomaster.

Kinoverleih-Infos

Verleihkopien
DCP (2K, 25 fps, 5.1)
Blu-ray Disc
35mm (über Deutsche Kinemathek)
Bildformat
35mm (1:1,66), Breitwand 
Sprache
Deutsche und englische Originalfassung
Werbematerial
A1-Poster
Lizenzgebiet
Weltweit
FSK
Ab 16 Jahren