
Bernd – Operation Germanenkind
D 2025, 93 min
Ein Darsteller mit Behinderung und rechten Tendenzen sprengt das Weltbild eines linken Künstlerkollektivs. Bernd ist vulgär, rassistisch, sexistisch. Doch je brutaler seine Provokationen werden, desto hemmungsloser entlarvt sich die Gruppe selbst. Was als moralische Überlegenheit beginnt, endet in Erniedrigung, Gewalt und kollektiver Entmenschlichung.
Synopsis
Bernd arbeitet als Schauspieler mit Behinderung in einem linken Berliner Künstlerkollektiv. Mit ihrem neuen Stück reisen sie nach Peenemünde, das vor allem für die Raketenentwicklung in der einst dort stationierten Heeresversuchsanstalt bekannt ist. Bernd, der zunehmend vom Dritten Reich fasziniert ist, demonstriert seine rechten Tendenzen: laut, sexistisch, rassistisch, respektlos – ein Affront gegen jede moralische Gewissheit der Gruppe. Mit jeder seiner Provokationen zerbricht zunehmend mehr von ihrer Toleranz. Aus Haltung wird Hass, aus Humanismus Gewalt. Am Ende prügeln jene, die sich für die besseren Menschen halten, wie Barbaren auf ihn ein – und aus Demokraten werden exzentrische Wutbürger.
Eine Dystopie über Moral, Macht und die dünne Haut der Demokratie.
Bernd ist ein böser Komiker, ein Anarchist mit aufgemaltem Bart, der uns seine Schelmenkappe überstülpt.
Ab 10. September im Verleih von Filmgalerie 451 im Kino.
Pressestimmen
Ein Film zum Diskutieren, zum Nachdenken, der in unsere Zeit besser passt denn je. - Urs Spörri, Filmfest München 2025
In diesem Jahr gab es eine beeindruckende Vielfalt an Darstellungen, doch eine Performance hat sich für uns besonders hervorgehoben – durch ihre große Originalität, Vorstellungskraft, Einfallsreichtum und ihren Mut. Sie war Teil eines Films, den wir als äußerst relevant für die Zeit empfinden, in der wir gerade leben. Der Preis geht daher an Verena Unbehaun für Bernd. - Indie-Lincs IFF, Pauline Lynch, Robin Laing 2026
Die Programmverantwortlichen des Indie-Lincs Filmfestivals wählten BERND zum Gewinner des Preises für den anspruchsvollsten Film. Der Film besticht durch seine gewagte Mischung aus Satire und Drama. Er verkörpert das Wesen des unabhängigen Filmemachens und fordert uns thematisch und psychologisch heraus. Er ist mitunter schwer zu ertragen, aber genau das ist die Absicht. Indie-Lincs unterstützt Filmemacher, die diesen kühnen Geist des Filmemachens verkörpern. - Indie-Lincs IFF, Mikey Murray 2026
Cornelius Schwalm erzählt die Eskalation als bitterböse Komödie: Zwischen Proben, Gruppengesprächen und ritualisiertem „Wir sind doch tolerant“ verschieben sich die Grenzen. Formal roh, kompromisslos und im Geist Christoph Schlingensiefs zeigt der Film die Mechanismen einer Gesellschaft auf, die an ihren eigenen moralischen Ansprüchen scheitert. Aus Offenheit wird Fassade, aus Widerspruch Spaltung. Ein Film, der Diskussion nicht illustriert, sondern auslöst – genau dort, wo es wehtut. - Lichter Filmfest Frankfurt International 2026
Preise und Festivals
- Filmfest München - Neues Deutsches Kino 2025
- Indie-Lincs IFF Lincoln, UK 2026 - Best Actor & Most Challenging Film
- achtung berlin Filmfestival - Wettbewerb Spielfilm 2026
- Lichter Filmfest Frankurt International 2026
Weitere Texte
Director's Note
Als ich Jana Zöll für die Rolle der Intendantin anfragte, lehnte sie zunächst ab. Sie sagte, sie wolle nicht Teil eines Films sein, in dem Menschen mit Behinderung auf die übliche Weise dargestellt oder besetzt werden. Einige Tage später rief sie mich zurück. Sie hatte das Drehbuch gelesen und lachte. „Hier kriegen ja alle auf den Sack. Endlich darf ich mal eine Figur spielen, bei der meine Behinderung kein Thema ist. Ich darf einfach die nervige Intendantin sein, ohne Botschaft, ohne irgendeinen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen zu müssen.“
BERND ist kein Film gegen Inklusion – im Gegenteil. Er ist ein Film gegen die Verklärung. Gegen die Angewohnheit, Menschen auf Eigenschaften, Zuschreibungen oder gesellschaftliche Funktionen zu reduzieren.
Während meines Studiums kam mir eines Nachts ein Mensch mit Down-Syndrom auf der Straße entgegen und gab harte rechtsradikale Parolen von sich. Diese Begegnung wurde zum Anstoß für die Figur Bernd. Ich frage mich, wo die Grenzen unserer Toleranz liegen und wie naiv wir den aktuellen gesellschaftlichen Wandlungsprozess betrachten. Wie reagieren wir, wenn wir sehen, dass selbstverständlich auch ein Mensch mit Behinderung rechtsradikal, diskriminierend und gewaltverherrlichend sein kann? In BERND untersuche ich, wo bei uns intellektuellen, aufgeschlossenen und toleranten Menschen der strukturelle Faschismus, die Abartigkeit und Brutalität verborgen liegen. BERND ist Trigger und Indikator dafür – durch seine zum Teil unerträgliche und provokante Art macht er die Schwachstellen der Gesellschaft sichtbar.
Für mich ist Bernd keine Provokation um der Provokation willen. Er ist ein Stresstest. Eine Figur, die Gewissheiten erschüttert und unsere Selbstbilder herausfordert. Durch seine Rücksichtslosigkeit, seine Grenzüberschreitungen und seine oft unerträgliche Direktheit zwingt er sein Umfeld – und vielleicht auch das Publikum – dazu, sich selbst zu hinterfragen. Wo endet unsere Offenheit? Und wie tolerant sind wir wirklich, wenn uns jemand begegnet, der sich jeder moralischen Einordnung entzieht?
Mich interessiert dabei weniger der Faschismus des Lauten und Offensichtlichen als der, der sich in den feinen Strukturen unseres Denkens verbirgt. In unseren Reflexen. In unseren Vorurteilen. In unserem Wunsch, Menschen einzuordnen und auf die richtige Seite zu stellen. Bernd macht diese Mechanismen sichtbar, indem er sie bewusst überzeichnet.
Gleichzeitig ist BERND für mich ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Freiheit der Kunst. Ich glaube, dass Kunst ein Raum sein muss, in dem alles gedacht werden darf. Ein Raum für das Schöne und das Hässliche, für das Zärtliche und das Grausame, für das Vernünftige und das Absurde. Kunst verliert ihre Kraft, wenn sie nur noch bestätigt, was wir ohnehin schon wissen. Sie beginnt dort, wo sie Fragen stellt, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
BERND ist deshalb kein Film, der Positionen vorgibt. Er ist ein Film, der Widersprüche aushält. Und vielleicht ist genau das heute wichtiger denn je.
Zum Regisseur
Cornelius Schwalm wurde 1967 in Frankfurt geboren. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und war u. a. am Schauspielhaus Bochum, Maxim-Gorki-Theater, Schauspiel Frankfurt und Staatstheater Stuttgart engagiert. Parallel begann er in der freien Theaterszene Regie zu führen und gewann mit seinem selbst entwickelten Stück „Mongoflipper“ den 1. Preis der Jury der Heidelberger Theatertage. Als Filmschauspieler wirkte er in über 50 Filmen mit, unter anderem mit Tom Tykwer, Christoph Hochhäusler, Chris Kraus und Thomas Stuber. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Rudolf Thome, mit dem er fünf Filme drehte. Sein Regiedebüt „Hotel Auschwitz“ startete 2018 in den deutschen Kinos. „BERND – Operation Germanenkind“ ist sein zweiter Film.
Credits
Buch und Regie
Cornelius Schwalm
Nach dem Theaterstück „Mongoflipper“ von Maria Kron
Mit
Verena Unbehaun, Matthias Rheinheimer, Silvina Buchbauer, Sasha Weis, Michael Benthin, Mathias Znidarec, Jana Zöll, Meike Droste, Prince Kuhlmann, Suse Wächter, Pascal Lalo u.v.a.
Dramaturgie
Clarissa Georgi
Bildgestaltung
Ute Freund, Yannick Hasse
Ton
Phillip Lehner, Irma Heinig
Musik
Philipp Haagen, Matthias Petsche, Niklas Handrich
Montage
Kai Wido Meyer
Szenenbild
Susanne Füller
Kostümbild
Tanja Jesek
Maskenbild
Nina König
SFX Maske
Oliver Schwarz
Tongestaltung
Niklas Kammertöns
VFX
Jean-Pierre Meyer-Gehrke
Color Grading
Richard Barthel
Produktions- und Herstellungsleitung
Torsten Wichner
Koproduzenten
Cornelius Schwalm, Clarissa Georgi, Kai Wido Meyer
Produzenten
Max Gleschinski, Torsten Wichner, Jean-Pierre Meyer-Gehrke
Produktion
Von Anfang Anders Filmproduktion GbR
In Koproduktion mit
Maria Kron
Uraufführung
Filmfest München - Neues Deutsches Kino, 1.7.2025
Kinostart (DE)
1.10.2026
Kinoverleih-Infos
Ab 10.9.2026 im Verleih von Filmgalerie 451 im Kino.
Verleihkopien
DCP (2K, 25fps, 5.1)
Bildformat
16:9
Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Werbematerial
A1-Poster, Flyer, Trailer
Lizenzgebiet
Deutschland, Österreich, Schweiz
FSK
Nicht geprüft (18)





