
Aus dem Zeitalter des Übermuts
D 1994, 80 min
Mit eigenen Gedichten, Musik und Bildern aus 13 Jahren hat Klaus Wyborny eine / seine Biographie als Film komponiert: Texte und Wahrnehmungen, die weniger Erinnerungen sind als bildliche Codierungen von Erinnerung.
Synopsis
Dichtung und Wahrheit lautet der Untertitel dieses Films über „erlebte europäische Geistesgeschichte“. Als „Komödie einer Biographie / Biographie einer Komödie“ bezeichnet Wyborny sein Projekt. Objekt ist der Aufstand des westlichen Individuums in die Beschreibung seiner Zustände. Nicht erst seit unsere ernsten Dichter den Bereich der unfreiwilligen Komik so exclusiv besetzt halten, siedelt sich die eigentliche Intelligenz dort an, wo sie über sich selbst lachen kann. Zwei weiße Matrosen sitzen an den Gestaden Afrikas und deklamieren: „Ja, sieben Jahre haben wir die Ozeane befahren, seekranke Seemänner auf seegängigem Schiff, aber gesehen - gesehen haben wir nichts.“ In den Bildern dazu die Wahrheit einer verbrauchten Welt. - Heinz Emigholz, Programnotiz zu einer Vorführung im Arsenal Berlin am 2.5.1995
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Pressestimmen
In From the Age of Lightheartedness, German filmmaker Klaus Wyborny takes as his ostensible point of departure the idea that a man’s "real story" begins when he leaves his mother – a point of departure that’s soon turned on ist headin this droll overly leisurely meditation on the very assumptions that come into play with the words real story. Part autobiogrphy, part tralogue, From the Age of Lightheartedness begins with an anecdote about a woman named Luise. In voice-over, a man (presumably Wyborny) recalls how Luise offered to pay for a trip to Egypt if he would screw her on top of the pyramids. He agrees (he’s looking for human connection, or so he says), but their plans are routinely frustrated: At one pyramid there are too many visitors, at another they are foiled by a guard. Other stories follow – the narrator recalls one summer peeking up his aunts skirt, along with a grim zipless fuck – accompanied by a series of blurred, tinted, frequently ambiguous and fleeting images of trees, ruins, city streets, harbors, an occasional woman, the sea. The images don’t neccessarily align with the narration, which is to Wyborny’s point. Memory has its own exquisite logic – why shouldn’t film? "I’m not sad," explains the narrator, "because my longing has grown more perfect." And in longing begin stories – perfect and not. - Manohla Dargis, Los Angeles Weekly, 1997
Weitere Texte
Heinz Emigholz über den Film
Programmnotiz zu einer Vorführung im Arsenal Berlin am 02.05.1995
Lyrischer Film, der, in Anlehnung an Goethes Darstellung seiner Jugendjahre, einer Geisteshaltung zum Ausdruck verhelfen möchte, in der das zum autonomen Beobachter erhöhte Individuum die Welt als eine Art Jahrmarkt betrachtet, der vor allem dazu dient, die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zu versorgen. Diese Weltansicht begann mit Baudelaire und Rimbaud, verfeinerte sich bei den Snobs der Jahrhundertwende zur Lebensart und wurde durch die Beatniks zu voller Blüte gebracht, um sich gleich danach in der Hippiebewegung zu Tode zu vulgarisieren. Es ist klar, dass Wichtiges da beginnt, wo sich die Hülle um den Begriff des „Dieser da“ auflöst und beim Betrachten etwas entsteht, das eine Mixtur aus dem „Ich selbst“ des Betrachters und dem „Ich selbst“ des Filmmachers ist. Und das geht weit über den netten Satz hinaus, dass man sich bei einer gewissen Bereitwilligkeit als Zuschauer in dem Produkt zum Teil wiederentdecken kann. Tatsächlich findet eine Art Kannibalismus statt, bei der man als Betrachter das Produkt sozusagen frisst und damit beginnt, die Ansichten des Autors für die eigenen zu halten, um ihn sich schließlich ganz einzuverleiben. Gelingt einem das mühelos von Anfang bis Ende, so redet man von gut gemachtem Schund. Interessant ist der Zwischenbereich, dort wo sich die Fremdheit aufzulösen beginnt, andererseits aber die Einverleibung noch nicht vollständig ist. Dieser Bereich ist nicht nur abhängig von der Struktur des Produktes, sondern auch von der des Betrachters. Banal ist die Feststellung, dass man fressen können muss, um sich etwas einzuverleiben; geheimnisvoller ist der Respekt vor der anderen Grenze. Dort geht es um das Erkennen, dass da etwas ist, was nicht die eigene Ansicht ist, ein Bereich von Fremdheit, den man nicht einfach verschlingen und zum Teil seiner selbst machen kann. Die Fähigkeit, beim Auftauchen einer solchen Fremdheit über die primären Ablehnungs- oder Abwertungsreflexe hinauszugehen, macht den akzeptablen Betrachter aus. Ohne ihn gibt es kein Kunstwerk. (Klaus Wyborny) Nicht erst seit unsere ernsten Dichter den Bereich der unfreiwilligen Komik so exklusiv besetzt halten, siedelt sich die eigentliche Intelligenz dort an, wo sie über sich selbst lachen kann. Zwei weiße Matrosen sitzen an den Gestaden Afrikas und deklamieren: „Ja, sieben Jahre haben wir die Ozeane befahren, seekranke Seemänner auf seegängigem Schiff, aber gesehen gesehen haben wir nichts.“ In den Bildern dazu die Wahrheit einer verbrauchten Welt.
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Credits
Buch, Regie, Kamera, Ton, Musik und Schnitt
Klaus Wyborny
Mit
mit Tanja O`Brian, Patricia Hightower, Rosalie van Dülmen, Gabriele Leidloff, Carola Regnier, Veronika Trissenahr, Martin Kukulla, Martin Frank
Uraufführung
Berlinale Forum, 11.02.1994







