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Wendy and Lucy

WENDY AND LUCY Kelly Reichardt, USA 2008, 80 min

Nach der nach der Kurzgeschichte «Train Choir» von Jon Raymond

Wendy (Michelle Williams) ist mit ihrem Hund Lucy auf dem Weg nach Alaska, in der Hoffnung dort einen gut bezahlten Sommer-Job zu finden. Als ihr Auto in einer Kleinstadt in Oregon seinen Geist aufgibt und das knappe Budget keine Reparatur erlaubt, sieht sich Wendy mit mehr als einem Problem konfrontiert. Denn sie wird beim Stehlen von Hundefutter erwischt, und während sie in Polizeigewahrsam ist, verschwindet auch noch Lucy.

Kelly Reichardt über Wendy and Lucy

Bei Wendy und Lucy sind Jon und ich von der in den Staaten sehr verbreiteten Idee ausgegangen, dass es an der eigenen Faulheit liegt, wenn man arm und erfolglos ist. Der Hurricane Katrina war einer der Auslöser für unser Projekt. Wir fragten uns nach den dramatischen Ereignissen, wie diese Menschen es ohne fremde Hilfe aus ihrer Armut schaffen sollten. Wie überlebt man ohne Sicherheitsnetz? (...) Wendys Geschichte bleibt dennoch dramatisch. Ich glaube, dass im Kielwasser der großen profitorientierten Gesellschaften viele Menschen untergehen. Ich hoffe, dass der Film Fragen aufwirft wie: Was können wir für andere tun? Was ist der Einzelne seinen Mitmenschen schuldig? Halten wir zusammen oder heißt es jeder für sich selbst? (..) Wendy ist eine Kämpferin. Sie kommt aus einer sozialen Schicht, der nur wenige Türen offen stehen, die nicht wirklich viele Chancen hat. Sie kommt mit wenig aus, aber als sie noch weiter in Bedrängnis gerät, findet sie keinen Ausweg aus ihrer Misere. Sie hat niemanden, die Gesellschaft bietet ihr keinerlei Unterstützung. Es ist, als wäre sie allein in der Wildnis, im Dschungel. Sie ist in einen sozialen Urzustand verfallen. Sie kann sich auf niemanden verlassen, nur auf ihren Hund.

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Pressestimmen

A pitch perfect triumph! (New York Times, Manolha Dargis)

Kelly Reichhardt protokolliert einen Beispielfall und gibt ihm Tiefe und Individualität. Wunderbar ist Michelle Williams, die die Willenskraft ihrer Figur, aber auch ihre Verzweiflung in kleinen Gesten offenbart. Gesten sind das, denen man anmerkt, dass an sie keine Energie verschwendet werden darf, weil man die für den Kampf an anderer Stelle noch braucht. Reichardt fängt in ihren Bildern die Verlorene auf. Sie erklärt ihrer Protagonistin ohne Anbiederung, ohne falsche Töne und Gesten und mit großer Beobachtungsgabe unmissverständlich ihre Solidarität. (Perlentaucher, Ekkehard Knörer)

Kelly Reichardts Film ist amerikanisches Independentkino at its best. Konzentriert in seinen Beobachtungen, ausgestattet mit einem profunden sozialen Bewusstsein und zutiefst berührend. Eine atemberaubend subtile One-Woman-Show von Michelle Williams. (Epd-Film)

Preise und Festivals