WENDY AND LUCY Kelly Reichardt, USA 2008, 80 min
Nach der nach der Kurzgeschichte «Train Choir» von Jon Raymond
Kelly Reichardt über Wendy and Lucy
Bei Wendy und Lucy sind Jon und ich von der in den Staaten sehr verbreiteten Idee ausgegangen, dass es an der eigenen Faulheit liegt, wenn man arm und erfolglos ist. Der Hurricane Katrina war einer der Auslöser für unser Projekt. Wir fragten uns nach den dramatischen Ereignissen, wie diese Menschen es ohne fremde Hilfe aus ihrer Armut schaffen sollten. Wie überlebt man ohne Sicherheitsnetz? (...) Wendys Geschichte bleibt dennoch dramatisch. Ich glaube, dass im Kielwasser der großen profitorientierten Gesellschaften viele Menschen untergehen. Ich hoffe, dass der Film Fragen aufwirft wie: Was können wir für andere tun? Was ist der Einzelne seinen Mitmenschen schuldig? Halten wir zusammen oder heißt es jeder für sich selbst? (..) Wendy ist eine Kämpferin. Sie kommt aus einer sozialen Schicht, der nur wenige Türen offen stehen, die nicht wirklich viele Chancen hat. Sie kommt mit wenig aus, aber als sie noch weiter in Bedrängnis gerät, findet sie keinen Ausweg aus ihrer Misere. Sie hat niemanden, die Gesellschaft bietet ihr keinerlei Unterstützung. Es ist, als wäre sie allein in der Wildnis, im Dschungel. Sie ist in einen sozialen Urzustand verfallen. Sie kann sich auf niemanden verlassen, nur auf ihren Hund.
Pressestimmen
A pitch perfect triumph! (New York Times, Manolha Dargis)
Kelly Reichhardt protokolliert einen Beispielfall und gibt ihm Tiefe und Individualität. Wunderbar ist Michelle Williams, die die Willenskraft ihrer Figur, aber auch ihre Verzweiflung in kleinen Gesten offenbart. Gesten sind das, denen man anmerkt, dass an sie keine Energie verschwendet werden darf, weil man die für den Kampf an anderer Stelle noch braucht. Reichardt fängt in ihren Bildern die Verlorene auf. Sie erklärt ihrer Protagonistin ohne Anbiederung, ohne falsche Töne und Gesten und mit großer Beobachtungsgabe unmissverständlich ihre Solidarität. (Perlentaucher, Ekkehard Knörer)
Kelly Reichardts Film ist amerikanisches Independentkino at its best. Konzentriert in seinen Beobachtungen, ausgestattet mit einem profunden sozialen Bewusstsein und zutiefst berührend. Eine atemberaubend subtile One-Woman-Show von Michelle Williams. (Epd-Film)
Preise und Festivals
- Best Feature nominee at the 2009 Film Independent Spirit Awards
- Best Female Lead (Michelle Williams) nominee at the 2009 Film Independent Spirit Awards
- Best Picture at the 2008 Toronto Film Critics Association Awards
- Best Performance, Female (Michelle Williams) at the 2008 Toronto Film Critics Association Awards
- Film Comment's Best Film of 2008
- American Film Institute's Top 10 Movies of 2008
- National Board of Review's Top 10 Independent Films of 2008
- Russell Smith Award at the 2008 Dallas-Fort Worth Film Critics Association Awards



