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Unten Mitte Kinn

UNTEN MITTE KINN Nicolas Wackerbarth, D 2011, 90 min

Jeder will so früh und so schnell wie möglich "nach oben", das Intendantenvorsprechen der Abteilung Schauspiel aber droht, ein Desaster zu werden. Um sich zu retten, probt die Abschlussklasse den Aufstand und wird zum Spielball von Gerüchten und Intrigen, Panikattacken und Eitelkeiten.
Eine improvisierte, bissige Komödie über eine Generation junger Schauspieler im Kampf gegen das Kunstbeamtentum.

Mit Kathleen Morgeneyer, Anne Müller, Lucie Heinze, Luise Berndt, Grit Paulussen, Konstantin Frolov, Christoph Letkowski, Ole Lagerpusch, Ursula Werner, Fritz Schediwy

UNTEN MITTE KINN REGIE-STATEMENT

Gleich der Fabel zweier Frösche, die in den Milchbottich gefallen sind, haben wir uns in dieses Projekt gestürzt. Getragen von der Annahme, dass sich die Produktionsgeschichte in dem Film einschreiben wird. Und es erging uns wie den Fröschen. Zunächst schien es keine Chance zu geben, dem Bottich zu entkommen. Dann aber fing einer an, hysterisch zu strampeln, was die anderen mit Spott kommentierten. Die Schauspieler haben die Improvisationen ohne Kenntnis der konkreten Filmhandlung entwickelt in der Absicht, sich selbst zu überraschen und den eigenen Kontrollverlust anzusteuern. Nicht nur war ihnen die Lebenswelt der Figuren vertraut, sie hatten auch die Freiheit, die eigene Distanz zu markieren und das Geschehen ironisch zu brechen. Im historischen Abstand zwischen der existentiellen Not der Figuren in Maxim Gorkis 1901 geschriebenem »Nachtasyl« und den bürgerlichen Ängsten, eitlen Hoffnungen und hysterisierten Phantasmen der Schauspielschüler in UNTEN MITTE KINN lag die Chance, Komik zu erzeugen, aber auch das Verhältnis zu untersuchen, das ein hierarchisch aufgebauter staatlicher Kulturbetrieb heute zu selbstbestimmtem Handeln unterhält. Erfüllt sich der Protest der Schauspielstudenten gegen die Selbstläufe und Irrgänge einer Institution im Ruf nach einer autoritären Projektionsfigur oder findet er zu einem eigenen Ausdruck? Schauspieler arbeiten in Abhängigkeitsverhältnissen, die als Situation auszuhalten bedeutet, nicht den Wunsch, sondern die Enttäuschung für die Zukunft fruchtbar zu machen.
Die Frösche sind nicht abgesoffen und wir hatten einen Film.

Nicolas Wackerbarth, März 2011

 

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Pressestimmen

Was wie ein interessantes behind the scenes einer Schauspielakademie beginnt, entwickelt einen überraschenden, fiktionalen Sog und geht dabei seltsam an die Nieren. Man spürt die Handlung, fast wie bei einem echten Boxkampf. (Süddeutsche Zeitung, Hanno Raichle)

Wackerbarth schaut furchtlos einem zentralen Widerspruch des Kulturbetriebs ins Auge: Man tut so, als drehe sich alles um so noble Dinge wie die Kunst, in Wirklichkeit regieren Eitelkeit und Geltungsdrang. Und das Machtstreben kann sich umso besser durchsetzen, je mehr man sich als Künstler von den Konventionen des zivilisierten Miteinanders befreit wähnt. (taz, Cristina Nord)

Eine Stadt im Sommer, wie bei Rohmer. Ausgestorben, nur hinter den Unimauern spielen junge Schauspielschülerinnen das Leben. (zitty "Tops des Jahres", Christian Petzold)

Preise und Festivals