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United Trash

Fischer Film Almanach

Mit Kitten Natividad, dem Busenstar aus Russ-Meyer-Filmen, erfüllt sich der Regisseur einen Jugendtraum. Beneidenswert.

TIP 5/96, Peter W. Jansen

Ideen- und Bildersalat, Geräusche- und Musiktortur lassen keine Hoffnung mehr zu, weder auf die einer politischen noch auf die einer ästhetischen Aussicht ... Vergnügen bereitet UNITED TRASH nicht, und vergleichen lässt er sich mit nichts, was es sonst im Kino geben mag.

Ideen- und Bildersalat, Geräusche- und Musiktortur lassen keine Hoffnung mehr zu, weder auf die einer politischen noch auf die einer ästhetischen Aussicht. Und doch kann man UNITED TRASH ganz anders lesen. Als einen Abgesang auf Europas Talent, noch immer wieder ein moralisches (oder ästhetisches) Rezept gegen die Verelendung der eigenen Wertvorstellungen zu finden. Als Antwort auf die unfaßliche Serbenliebe Handkes, die man auch eine Affenliebe nennen könnte. Als den Schrei der Cassandra im Disco-Sound, unerträglich für Bach- oder Beethoven-Ohren. Als Film, der vor allem Gehörlosen zu empfehlen wäre. Oder Blinden, die durch kein Bild mehr zu beleidigen sind. Denn "bewerten" kann man ihn nicht, diesen Film. Man kann ihn nur sehen oder es besser bleiben lassen. Vergnügen bereitet er nicht, und vergleichen läßt er sich mit nichts, was es sonst so im Kino geben mag. Und das ist vielleicht das Beste, was sich von ihm sagen läßt.

epd-Film, 3/96, Stefan Reinecke

Das ganze Unternehmen ähnelt aber eher der Frontseite der Bild-Zeitung als einem irgendwie gearteten Versuch, aus greller Überzeichnung Erkenntnis zu gewinnen. (...)

So arbeitet Schlingensief unverzagt weiter an seiner Selbstinszenierung und kämpft gegen Bürgertum, Katholizismus, Linke und den Humanismus sowieso. Er dreht einer imaginäre heilen Welt eine lange Nase und gibt den bösen Buben. Immer wieder. Immer weiter. Eine titanische Aufgabe. Wenn er so weitermacht, wird er als Harald Schmidt des deutschen Kinos enden.

Konkret, 3/96, Dietrich Kuhlbrodt

Von den Dreharbeiten habe ich in Konkret 2/95 noch berichtet, für den fertigen Film fehlen mir jetzt die Worte. (...)

Ich bin stolz auf meinen Part. Die Hauptrollen in der Schlingensiefiade spielen freilich die herzliche Russ Meyer-Vollfrau Kitten Natividad (BENEATH THE VALLEY OF THE ULTRA VIXENS) und der ebenso herzliche, aber mißgestaltete schwarze Zwerg Thomas Chibwe. Auch wenn diesem eine ekelhafte, aber ejakulierende Scheide auf dem Kopf gewachsen ist: Das Heldenpaar übersteht nicht nur den deutschen United Trash unbeschadet, und zwar als einzige Überlebende einer deutschen Unoaktion, die beiden sind außerdem richtig glücklich, sie heiraten, ficken in Venedig und setzen etwas Virulent-Fleischliches in die Welt, vor dem Präsident, Papst, Bischof (Jochen Tomaschewski von der Volksbühne Ost. Applaus!) sowie jeder, der als Repräsentant für andere spricht, bloß Angst hat, tut mir leid. Dann lieber doch Mut zur Wutlust. Theweleit, sag doch was.

Harald Martenstein, 02.11.1995

(...) Anstelle des Films könnte man auch einen Eimer Blut, Urin und Sperma über dem Publikum ausgießen. (...) Der denkbarste Reflex auf die Betulichkeit des deutschen Films. Das Oberhausener Manifest als Farce!

Katja Nicodemus, 30.10.1995

(...) zieht keinen Hering vom Teller. Anderthalb Stunden Kindergeburtstag mit Papa Schlingensief. Es helfen weder Udo Kiers Bananenröckchen noch die Riesentitten der Kitten Natividad. Warum eigentlich mußte in Afrika gedreht werden? In Hof beginnt der Abgrund an der Haltestelle vor der Tür: Buslinie 1, Richtung: Ober- oder Unterkotzau.

The Daily Gazette, "Relations with Germany turn sour", 22.12.1994

Relations between Zimbabwe and Germany have become strained after a raid by police on a German film crew following allegations that they were shooting a pornographic film.

It is understood by The Daily Gazette that the incident has damaged relations between Harare and Bonn which had given Zimbabwe over 1.000 Mio Deutschmarks aid in the past ten years. The incident has resulted in the postponement of an aid agreement which was to be signed last Friday beween the two countries. The German ambassador to Zimbabwe, Count Norvin Von Leutrum, told German news organisations that he had received an apology from he police and the Ministry of Foreing Affairs who returned the film crew's passports.

Mülheimer Wochen, "Nacht in Haft", 22.12.2006

Christoph Schlingensief, Mülheimer Filmemacher (DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER, TERROR 2000) ist mit Mitgliedern seines Filmteams in Simbabwe vorübergehend festgenommen worden, denn ihm wurde vorgeworfen, einen "rassistischen und pornographischen Film" zu drehen.

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