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Supermarkt

SUPERMARKT Roland Klick, D 1973, 84 min

Willi plant das ganz große Ding – Der Kultfilm von Roland Klick!

Willi ist 18 und lebt auf der Straße. Ohne Orientierung lässt er sich durch die Stadt treiben, immer auf dem Sprung. Er begegnet Menschen wie dem Journalisten Frank, der ihm helfen möchte, oder dem schmierigen Kleinganoven Theo, der ihn auf den Strich schicken will. Als Willi Monika trifft, der es noch schlechter geht als ihm, will er ihr helfen, denn sie will nichts von ihm und er kann ihr was geben ...


Hinter der Kamera der noch unbekannte Jost Vacano, der später für die spektakulären Kamerafahrten in Wolfgang Petersens DAS BOOT verantwortlich zeichnen und dann mit Paul Verhoeven in Hollywood Karriere machen sollte.
Mit Marius Müller Westernhagens erster Single als Titelsong!

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Pressestimmen

Klicks rasantestes, rührendstes, ausweglosestes Stück Kino, ein rauer Großstadtfilm ohne Milieu-Romantik oder -Mythos, starr vor Dreck und trotzdem herzlich. (Splatting Image, Andreas Busche)

Was man dem Film ansieht, von der ersten Einstellung an, ist die sehr genaue Kenntnis des Milieus, von Szene-spezifischen Bewusstseinslagen und Verhaltensweisen. Willi (Charly Wierzejewski) ist von Beginn an auf der Flucht vor seiner Herkunft, vor der Polizei, auf der Suche nach einem anderen Leben, vor dem er, sobald eine Möglichkeit aufscheint, wieder davonläuft. Jost Vacanos bewegliche Kamera eilt in von Klick präzise choreografierten Szenen hinter Charly her, durch die Hinterhöfe eines schmutzigen Hamburg, durch Kaschemmen und Brachland mit brennenden Autos, bis hin zu dem Überfall auf einen Supermarkt, der sein Triumph wird und sein Ende. Der Film kommentiert nichts, denunziert seinen Helden nicht und heroisiert ihn nicht. Beschreibung wie Analyse stecken in der Beobachtung von Gesten, Fluchtbewegungen und Bildhintergründen. Klicks vorrangiges Bestreben ist es, die Welt erzählförmig zu machen, jene Einheit von Form und Inhalt zu finden, die er klassisch nennt. Ihm ist die Nabelschau genauso zuwider wie aufdringliches Engagement und Formexperimente um ihrer selbst willen. Er ist ein präziser Handwerker mit einer kompromisslosen Vision vom Kino. Die Kunst des Kinos soll "kunstlose Kunst" sein, so Klick, eine Kunst, die sich nicht ausstellt, sondern in Dienst nehmen lässt von einer fesselnden Geschichte, die das Publikum bewegt und trifft. Die Filme, die unter dieser Prämisse entstanden sind, beeindrucken bis heute. (taz, Ekkehard Knörer)

Die Willis dieser Welt Roland Klick zeigt in Supermarkt das bundesdeutsche Lebensgefühl der siebziger Jahre. Wir müssen die Filme den Leute wieder geben, von denen sie handeln, sagt der heute leider in der Versenkung verschwundene Regisseur Roland Klick im Interview. Für ihn war die bundesdeutsche Wirklichkeit der sechziger und siebziger Jahre eben nicht Schauplatz abgehobener soziologischer Betrachtungen. Anders als die meisten seiner Kollegen des jungen deutschen Films machte er Kino, mit allem, was dazugehört. Er drehte deutsche Western und Genrefilme und blieb mit der Kamera dennoch immer auf Augenhöhe seiner Helden. Nie hat Hamburg auf der Leinwand trostloser und grauer ausgesehen als in Klicks 1973 entstandenem Film Supermarkt. Schon nach wenigen Einstellungen ist klar, dass es hier um einen Typen geht, mit dem es das Leben nicht gerade gut meint. Einsam zieht der halbwüchsige Willi durch abgerissene Hinterhöfe, schäbige Gassen und ranzige Kneipen. Weil er selbst nichts hat, klaut er der armen Toilettenfrau die wenigen Groschen vom Teller. Wir befinden uns in einem trostlosen Deutschland der siebziger Jahre - und sind dennoch im Kino. Im großen Kino. Denn bei Klick wird Willi nicht zum Sozialfall, sondern zum Helden. Den traurigen Kerl in abgerissener Lederjacke umgibt ein Rebellentum, wie wir es von James Dean und anderen Outlaws der Filmgeschichte kennen. Aus der Melancholie seines Straßenjungen extrahiert Klick das große, universelle Grundgefühl einer Jugend, die sich unverstanden und ungewollt fühlt. Gerade ist Willi wieder einmal auf dem Polizeirevier gelandet. Statt sich von einem schrecklich wohlmeinenden Sozialarbeiter im üblichen Jargon vollquatschen zu lassen, haut er ab - und der Moment absoluter Einsamkeit wird zum romantischen Tableau: Willi hat uns den Rücken zugewandt, die Kamera heftet sich an seine Fersen, die Lichter der Reeperbahn funkeln, und Marius Müller-Westernhagens bitterschöner Song Celebration hebt an. Trotz solcher großen Momente lässt Klick keinen Zweifel daran, dass es nicht nur das Kino, sondern auch das Leben ist, das für diesen Helden nichts bereithält. Supermarkt ist ein wunderbar dreckiges Stück Kino, gefunden auf der Straße, mit einem Helden, der erfahren muss, dass die Wirklichkeit kein Supermarkt ist, in dem sich die Willis dieser Welt bedienen können. (Anke Leweke)

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