PIER PAOLO PASOLINI COLLECTION
Pier Paolo Pasolini,
IT 1961-67
4 Meisterwerke Pier Paolo Pasolinis aus den 60er Jahren, von seinem ersten Spielfilm Accatone (1961) bis Edipo Re (1967), dem Beginn seiner mythischen Phase.
Die Geschichte eines jungen Mannes in einem
römischen Vorstadtviertel, der sich als Zuhälter betätigt und zum Dieb
wird. Eine moderne Passionsgeschichte.
Über den Film "Indem Pasolini seine Figuren nicht aus der
Vogelperspektive des sozialen Mitleids zeigt, sondern sich an ihre
StelIe versetzt, sich mit ihnen identifiziert, macht er sich zu ihrem
„Seismographen“ und damit mittelbar zum Ankläger der GeselIschaft: Er
formuliert ihr Elend, ihren stummen Schmerz. Pasolini selber bezeichnet
den Stil seines Films als „kritischen Realismus“ – aber auch das
erklärt noch nicht, warum hier Häßlichkeit, Hoffnungslosigkeit und
Schmutz plötzlich in Schönheit verwandelt erscheinen. Ein Kunstwerk ist
eben nicht restlos aufklärbar. Hoffen wir, daß Accattone bei uns die
Beachtung und – neben der begreiflichen Verwirrung – auch die
Bewunderung erfährt, die er verdient." Hans Dieter Roos zum Kinostart
1963 in der Süddeutschen Zeitung.
Ein Dokumentarfilm über das
Verhältnis zu Liebe, Erotik, Prostitution und Homosexualität, und der
Frage nach Konventionen und Moral eines Landes – quer durch die
sozialen Schichten und Generationen.
Über den Film "Eine dokumentarische Recherche, die stärker als
alle seine Arbeiten für das Kino zuvor und danach den Dokumentaristen,
Publizisten, Essayisten Pasolini als Filmemacher zeigt. Ein Film,
montiert und kommentiert wie eine Stretta, in diesem Sommer unseres
Mißvergnügens eine glorreiche Sonne Pasolinischen Geistes." Wolfram
Schütte zum deutschen Kinostart 1982 in der Frankfurter Rundschau.
Diese und weitere Kritiken in voller Länge im Booklet!
Ein Vater wandert mit
seinem Sohn unbekümmert durch Italien. Ein sprechender Rabe gesellt
sich zu den beiden und versucht sie mit philosophischen Fragen über den
Sinn des Lebens aufzuklären.
Über den Film "Große Vögel, Kleine Vögel ist gewiß sein
persönlichster Film und vielleicht sein heiterster, glücklichster, weil
Pasolini sich da am unbefangensten (oder im Widerspruch am
konsequentesten) dem Vergnügen am reinen Augenblick, am reinen Ereignis
ergeben hat: Heimlich angesteckt von der Fröhlichkeit seine Figuren,
die unbesonnen von Augenblick zu Augenblick leben, quasi geschichtslos,
und allem vernünftigen Zureden zum trotz die Welt und ihre eigene Lage
nicht begreifen wollen. Dieser Film hat etwas von einem Liedchen mit
vielen Strophen, etwas von einem Schelmenroman, etwas von Chaplin,
etwas von einem Märchen für große Kinder." Urs Jenny zum deutschen
Kinostart 1970 in der Süddeutschen ZeitungDiese und weitere Kritiken in
voller Länge im Booklet
Deutsche Kinofassung
Moderne Verfilmung der Sophokles-Tragödie Ödipus, in der dieser
unwissend seinen leiblichen Vater tötet und seine Mutter heiratet.
Pasolini erzählt antike griechische Mythologie in archaischer
nordafrikanischer Landschaft.
Die deutsche Kinofassung ist nicht nur wegen der sehr guten
Synchronfassung auf einer Extra-DVD, sondern auch, weil sich der
Vergleich mit der neuen digitalen Abtastung lohnt. Bei aller Brillanz
verliert die restaurierte Fassung leider auch an Geheimnis.
Über den Film "Als Urmythos, als vor- und übergeschichtliche
Menschheitserfahrung, ist die Ödipus-Geschichte rekonstruiert. Dabei
gelingt ihm eine faszinierende poetisch fiktive Welt mit Versatzstücken
zahlreicher Mythen und Kulte, ein elementarer kraftvoller Bilderbogen
von überwältigend suggestiver Sinnlichkeit in leuchtenden Farben."
Rudolf Steinbeck zum deutschen Kinostart 1969 im Tagesspiegel.
Diese und weitere Kritiken in voller Länge im Booklet!
Restaurierte Originalfassung
Die
ungekürzte, in Bild und Ton restaurierte italienische Originalfassung
mit deutschen Untertiteln in neuer digitaler Abtastung. (Diese Fassung
ist um circa 4 Minuten länger als die deutsche Kinofassung und hat
Zwischentitel.)
Bonusfilm
Der sanfte Radikale (D 2005,
ZDF/3sat, 35min.), ein Dokumentarfilm von Hennig Burk, Bettina
Oberhause und Boris von Brauchitsch über Pier Paolo Pasolini. Am Strand
von Ostia wird am 2. November 1975 ein Mann mit Stockschlägen bis zur
Unkenntlichkeit misshandelt und anschließend mehrfach überfahren. Es
ist eines der brutalsten Gewaltverbrechen im Italien der 70er Jahre.
Das Opfer: der ungeliebte Gesellschaftskritiker, Schriftsteller und
Regisseur Pier Paolo Pasolini. Die Reaktionen auf seinen Tod waren
gespalten: Bestürzung, Trauer, Befriedigung, Häme. 30 Jahre nach seinem
Tod sprechen die Filmemacher mit Freunden, Weggefährten und Kritikern
des Visionärs. Hat er die globalisierte Welt voraus gesehen? Was ist
von seinen Utopien geblieben? Eine Spurensuche.
DREI FRAGEN AN PASOLINI
Interview aus dem Jahre 1970 von Robert Schär
Welche Funktionen schreiben Sie dem Cineasten in der heutigen Gesellschaft zu?
Die Funktion des Cineasten in der heutigen Gesellschaft ist diejenige, bis ins letzte Cineast zu sein. Die Funktion des Cineasten besteht in seiner Strenge; und seine Strenge ist formal. Der Cineast, der sich einbildet, das Kino sei Aktion, kommt dazu, Propaganda, Pädagogik oder Kommerz zu machen. Das Kino ist immer politisch. Aber wenn der Cineast direkte Politik machen will, soll er verzichten, Filme zu drehen. Oder dann soll er klar zugeben, daß er auf seine Strenge verzichtet, um einen Komprorniß einzugehen, den nur der Eifer rechtfertigt.
Ist es möglich, die von Ihnen umschriebene Funktion des Cineasten innerhalb der bestehenden Struktur des Filmmarktes auszufüllen, oder muß man andere Wege suchen?
In den finstersten Augenblicken der feudalen oder monarchistischen Herrschaft wurden die großartigsten romanischen Kirchen gebaut. In den finstersten Augenblicken der kapitalistischen Herrschaft kann man großartige Filme machen, so wie die großartigsten Gedichte geschrieben wurden. Leider könnte man nicht einen ‚großartigen‘ Film über die Polizei, das Richteramt, die Armee oder die Kirche drehen; die Gründe dafür sind objektiv. Also besteht auch für den strengsten aller Cineasten das Bedürfnis, andere Wege zu suchen – revolutionäre Wege –, um für sich eine vollständigere und realere Freiheit zu erreichen.
Der „Neue Film“ teilt sich stets in einer neuen Sprache mit, die oft hohe Anforderungen an das Erfassungsvermögen des Zuschauers stellt. Besteht hier nicht eine Gefahr, daß dieser Film elitär wird?
Filme für eine Elite zu drehen (die neuen Eliten, die sich in Europa in den vergangenen Jahren gebildet haben), ist nicht ein Risiko, sondern eine Pflicht. Die wahre Antidemokratie ist die Massenkultur: Ein Autor ist also demokratisch, wenn er sich weigert, für die Massenkultur zu arbeiten, und wenn er sich ‚absondert‘, indem er für Menschen aus Fleisch und Blut arbeitet.
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