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My Winnipeg (Arsenal Edition)

MY WINNIPEG (ARSENAL EDITION) Guy Maddin, Kanada 2007, 79 min

Guy Maddins MY WINNIPEG, eine vielschichtige Reise durch die Heimatstadt im Kopf des Regisseurs, ist ein wildes Capriccio aus Fakten und Fiktion.

My Winnipeg ist ein schlafwandlerischer Traum: Während der Arbeit an dieser Autobiografie, die eins ist mit der Biografie jenes verschneiten Ortes in der kanadischen Provinz Manitoba, fand Maddin sich im Haus seiner Kindheit wieder. Darsteller posieren als Brüder, Schwester und Familienhund im Wohnzimmer. Im Hintergrund die Mutter wie ein lebendes Bild. Die neue Bewohnerin, eine ältere Dame, bewegt sich nicht aus ihrem Sessel. Reist man in Winnipeg in die Vergangenheit, weicht einem die gealterte Gegenwart nicht von der Seite. MY WINNIPEG beweist, dass man angesichts des Gesamtwerkes von einem Maddin'schen Genre sprechen darf: tiefgründig, verstörend, und darin urkinematografisch.

Die geheimnisvolle Verbindung mit der Vergangenheit - Der Regisseur über den Film

Im Jahr 1888 begründete William Cornelius Van Horne, jener große Mann der amerikanischen Eisenbahn, der mit wenig Aussicht auf Erfolg die Canadian Pacific Railroad quer durch unser weites Land gebaut hatte, in Winnipeg eine Tradition, die bis heute lebendig ist. Am ersten Wintertag jenes Jahres veranstaltete Van Horne eine Schnitzeljagd in der Stadt. Alle Einwohner erhielten eine Schatzkarte und die Einladung mitzumachen. Der erste Preis war eine einfache Fahrkarte für den nächsten Zug, der aus der Stadt fuhr. Die heimliche Hoffnung hinter diesem Wettbewerb bestand darin, dass die Bewohner von Winnipeg, nachdem sie einen Tag lang die Ecken und Winkel der Stadt durchstöbert hatten, entdecken würden, dass der wahre Schatz, den es zu finden galt, sich überall hier befand – und dass Winnipeg selbst dieser Schatz war. Seither funktioniert Hornes Trick – besonders bei mir.

Als Filmemacher, der sein gesamtes fünfzigjähriges Leben in Winnipeg verbracht hat, bin ich bezaubert, berauscht und benebelt von meiner Geburtsstadt – sie war meine Muse schon lange bevor ich zum ersten Mal eine Kamera in die Hand genommen hatte. Ich bin verliebt in diesen Ort nicht wegen all dem, was er gewesen ist, seit ich ihn liebe, sondern auch wegen allem, was er früher einmal war und künftig wieder sein könnte! Wie ein unbeirrbarer und irrationaler Verehrer habe ich all meine Zukunftshoffnungen in diese Stadt gesetzt, nur um jetzt mit gebrochenem Herzen dazustehen angesichts des kaltherzig ‘progressiven‘ Kurses, auf den sie besteht, indem sie sich unaufhaltsam von dem Entzücken entfernt, das sie mir früher bereitet hat, und immer mehr in sanfte Vergessenheit gerät und der Mittelmäßigkeit anheimfällt, nach der sie sich sehnt. Seitdem meine Hoffnungen zerstört sind, bin ich bitter enttäuscht von meiner Heimatstadt. Aber bevor ich aus ihr flüchte, muss ich zu meinem eigenen nostalgischen Ergötzen auf all das zurückblicken, das mir so viel bedeutet hat in diesem einst verführerischen Wunderland, denn weder in Nordamerika noch anderswo gibt es einen seltsameren Ort!

Ich werde die Straßen von Winnipeg – meinem Winnipeg – ein letztes Mal aufsuchen und für den Zuschauer die magischen Plätze finden, die ich so schätze, an denen man nur mit dem Finger zeigen muss, damit die Vergangenheit hervorquillt wie Wasser aus einem artesischen Brunnen. Etwas Merkwürdiges, Traumartiges geht hier vor sich, wo Fußgänger lieber abgelegene Gassen benutzen als die normalen Straßen, wo unsere Obdachlosen sich en masse auf den Dächern leerstehender Wolkenkratzer verstecken, und wo ein seltsames Bürgerrecht von einem fordert, jeden früheren Besitzer oder Bewohner seiner eigenen aktuellen Wohnung eine Nacht lang aufzunehmen. Vielleicht kann ich die geheimnisvollen Kräfte freisetzen, die ein menschliches Herz auf geheimnisvolle Weise mit der Vergangenheit verbinden, indem ich meine Schritte durch die Geburtsorte meiner persönlichen Mythologien lenke; indem ich das wahre Wesen der Erinnerung zu verstehen versuche, selbst wenn dabei, wie sich später herausstellt, ein illusorisches Winnipeg entsteht, und indem ich mich in einer Reihe einzigartiger häuslicher Experimente der besitzergreifenden Gewalt meiner eigenen Familie stelle. Vielleicht erkenne ich endlich die wahre Bedeutung des Begriffs ‘Heimat‘ und bringe die Fesseln, die mich hier binden, dazu, einfach abzufallen. (Guy Maddin)

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Pressestimmen

Einen Film über seine kanadische Heimatstadt sollte der international gefeierte Regisseur Guy Maddin im Auftrag der Stadtoberen drehen – und schuf ein vor Fantasie überbordendes Werk in einer betörenden Mixtur aus Wahrheit und Dichtung. Ein subjektiver, mit herrlichen schwarzweißen Bildern gespickter Blick auf das, was Heimat bedeuten kann. (Zitty )

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