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Mutters Maske

Spex

Helges Musik ist göttlich. Der Film teuflisch. Das passt und bringt eine Menge Spaß.

P. W. Jansen, 02.11.1988

(...) ein Stück LINDENSTRASSE und DALLAS in einem aber in entschiedener und entscheidender Schieflage.

Helma Sanders-Brahms beklagte auf der Bühne von Hof den Mangel an Geld für diesen Film [MANÖVER]. Was aber tatsächlich zu beklagen wäre, ist der Mangel an Mut, der gratis zu haben ist, der Mut zur rigorosen Exzentrik. Dass man die Dinge zum Äußersten treiben muss, damit sie platzen, zeigt im sehr viel kleineren Kino nebenan der 28jährige Christoph Schlingensief, der auch seinen vierten langen spielfilm unter dem Existenzminimum gedreht hat. MUTTERS MASKE ist ein exaltiertes Melodram um die
zerstrittenen Erben eines Schlotbarons von der Ruhr, ein Stück LINDENSTRASSE und DALLAS in einem aber in entschiedener und entscheidender Schieflage.

Helmut Schödel, 04.11.1988

... Udo Kier spielt den Herrn vom Jugendamt, der sich um Älsens Tochter Maria kümmert, als wahren Harlan-Dämonen. Schlingensief treibt den verdrängten Expressionismus des Deutschen Films ad absurdum. Wahrhaft eine schwarze Komödie.

... von Christoph Schlingensief, Deutschlands unterschätztestem Filmemacher, hätte sie längst lernen können, dass EGOMANIA eine "Insel ohne Hoffnung" ist. Das war der Titel seines vorletzten Films. Jetzt
zeigte er in Hof MUTTERS MASKE, Exkurs in deutsche (Film-)Geschichte und Komödie in einem. Schlingensief erzählt seine Version von Veit Harlans Film OPFERGANG: eine Geschichte jenseits von Gut und Böse und von der sterbenskranken Äls, deren Lieblingspferd Susi sich beide Vorderläufe brach und erschossen werden musste. Jetzt liegt ein totes Pferd im Garten vor dem Schloss. Dabei ist es doch so: "Das größte Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde."
Im Schloss wohnt Mutter ("Dämmerung, zeig mir den schwarzen Weg zum Tod") und wartet darauf, ihrem Sohn ihre Liebe zu beweisen. Aber Willy hat sich bei Äls infiziert - mit einer leicht übertragbaren Seuche. Udo Kier spielt den Herrn vom Jugendamt, der sich um Älsens Tochter Maria kümmert, als wahren Harlan-Dämonen. Schlingensief treibt den verdrängten Expressionismus des Deutschen Films ad absurdum. Wahrhaft eine schwarze Komödie.

Michael Althen, 17.01.1989

MUTTERS MASKE sprudelt also drauflos, ein bißchen romantisch und sehr todesverliebt. (...) Die frohen Toten von Baudelaire haben sich ins Erbe der Guldenburgs verirrt, der Frauenarzt von Bischofsbrück hat sich an den Verdammten von Visconti vergriffen. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Material gleicht dabei in etwa dem der Oper zur Realität. (...)

MUTTERS MASKE sprudelt also drauflos, ein bißchen romantisch und sehr todesverliebt. Von der Heimkehr Willy von Mühlenbecks wird erzählt und davon, wie Willy im nicht mehr ganz hochherrschaftlichen Haushalt mit seinem Bruder um die Zuneigung der wunderlichen Mutter und mit den Erbschleichern um die Liebe der unheilbar kranken Nachbarin Äls kämpft. Die frohen Toten von Baudelaire haben sich ins Erbe der Guldenburgs verirrt, der Frauenarzt von Bischofsbrück hat sich an den Verdammten von Visconti vergriffen. Das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Material gleicht dabei in etwa dem der Oper zur Realität. Nur daß bei MUTTERS MASKE in dieser Kluft das ganze komische
Potential des Films liegt. Wie da Allerweltsfiguren mit heiligem Ernst die zu Floskeln vertrockneten großen Gefühle deklamieren, ist schon ziemlich witzig und von Schlingensief mit angemessener Sorgfalt ins Bild gesetzt. Daß die Einstellungen ungeniert aus zweiter Hand stammen, kümmert Schlingensief wenig, denn
seine Methode lautet wie der Titel seines ersten Spielfilms von 1986: MENU TOTAL Der 1960 geborene Oberhausener macht Verdauungskino, indem er sich gnadenlos einverleibt, was ihm an Bildern und Vorbildern in die Hände fällt. Im Grunde macht er es wie Greenaway, nur daß bei ihm die Konstruktion nichts und das Spiel alles ist.

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