MAKING OF - KAMIKAZE Nouri Bouzid, TND/MAD/F/D 2006, 115 min
Nouri Bouzids preisgekrönter Film über das Making Of eines Terroristen!
Nouri Bouzid über seinen Film MAKING OF - KAMIKAZE:
Nach dem 11. September habe ich die innere Notwendigkeit verspürt der Frage nachzugehen: Warum Terrorismus? Jedes Mal wenn eine Terroranschlag verübt wird, insbesondere seit dem 11. September, tauchen in den westlichen Medien die immer gleichen Fragen auf: Warum tun sie das? Was treibt sie dazu? Was ist ihr Ziel? Was sind ihre Motivationen? Die wenigen Antworten haben oft einen rassistischen oder anti-islamischen Unterton. Ich dachte, es sei an der Zeit, diese Lücke und dieses Defizit zu schließen, indem man Erklärungen findet. Und es war wichtig und notwendig, dass dies von Menschen aus der moslemischen Kultur getan wird! Diese Fragen müssen intern beantwortet werden!
Der Film behandelt nur eine von mehreren Erklärungen und gibt eine Antwort, die tief in eine Ideologie eintaucht deren Methode die Gehirnwäsche ist. Ich habe versucht jede Art von Karikatur zu vermeiden und zu zeigen, wie die Fundamentalisten wirklich sind: Beängstigend ruhig und stark durch ihre Überzeugungen und ihre Absicht Angst zu verbreiten. Der Film gibt ihnen das Wort, bis erkennbar wird, dass sie nur blinde Gewalt hegen und organisieren. Meine Art sie zu denunzieren ist, ihre Methoden zu erforschen.
Nachdem das Thema aber ein Tabu in unserem Land war, quälte mich die Frage: Habe ich überhaupt das Recht über all das zu sprechen? Durch das „Making Of“ beantwortet der Film einige dieser Fragen und die Antworten sind sehr wichtig für uns alle. Gegen Terrorismus sollten nicht nur Soldaten und Polizisten kämpfen, es geht unsere ganze Gesellschaft an. Man kann nicht gegen den Terrorismus ankämpfen, indem man die jungen Opfer verspottet. Unsere Aufgabe ist es zwar sie zu verurteilen, aber sie auch vor dem Bösen zu retten, bevor es sie erreicht. Der Film erstellt eine ziemlich rigorose aber verantwortungsvolle Diagnose.
Kurzbiographie Nouri Bouzid:
Nouri Bouzid wird 1946 in Sfax, Tunesien, geboren. Nach einem Regiestudium am INSAS (Institut National Superieur des Arts du Spectacle) in Brüssel arbeitet er als Volontär beim tunesischen Fernsehen, danach als Assistent u.a. bei Steven Spielberg und Abdellatif Ben Ammar. Von 1973-79 wird er wegen seiner Mitgliedschaft in der oppositionellen Gruppe Perspectives inhaftiert. Mit „L’homme de cendres“ (Mann aus Asche), seinem ersten Langfilm, sorgt er für einen Skandal in Tunesien und macht international auf sein Talent aufmerksam. Nouri Bouzid zählt seither zu den profiliertesten Regisseuren Tunesiens.
Pressestimmen
Nouri Bouzid versucht in "Making of - Kamikaze" herauszufinden, wie muslimische Männer zu Mördern werden. Er bedient sich dazu einer selbstreflexiven Methode, denn der Filmtitel ist doppeldeutig zu verstehen: Hier wird nicht nur gezeigt, wie ein Selbstmordattentäter "gemacht" wird, sondern der Film selbst bezieht seine eigene Entstehung mit ein. (Bert Rebhandl)
Der Film tritt mutig für arabisch-islamische Werte ein, bietet aber zugleich deren Missbrauch vehement die Stirn und spricht sich gegen eine Vermischung von Religion und Politik aus – eine klare Absage an Fanatismus jedweder Art, nicht nur im arabischen Raum, nicht nur in Bezug auf den Islam (Film Dienst, Juni 2009, Hans Messias)
Preise und Festivals
- Kartago Filmfestival 2007 (Tunesien): Bester Film “Golden Tanit”, bester Schauspieler, beste Schauspielerin
- FESPACO 2007 (Burkina Faso): Preis der COE und bester Schauspieler
- Tribeca Film Festival 2007 (New York): Bestes Drehbuch, bester Schauspieler
- Taormina Film Festival 2007 (Italien): Bester Film „Tauro d’Oro“, bester Schauspieler
- Oran International Film Festival 2007 (Algerien): Bester Film: “Golden Hoggar”
- Französische Filmtage Tübingen 2007
- Filmfest Hamburg 2007
- Jenseits von Europa X, Köln 2008



