ROLAND KLICK - THE HEART IS A HUNGRY HUNTER Sandra Prechtel, D 2013, 80 min
Roland Klick ist Legende, so ziemlich die einzige der letzten 40 deutschen Kino-Jahre. Ein Filmportrait.
In welchen Zeitraum habt ihr gedreht und geschnitten? Was hat sich von Klick, während der Dreharbeiten oder im Schnitt, am Stärksten im Film etabliert, vielleicht auch im Gegensatz zum Ansatz?
Im Januar 2011 haben Frieder Schlaich von der Filmgalerie 451, der ja Klick mit seinen VHS - und DVD - Editionen überhaupt erst wieder ins Bewusstsein geholt hat, und ich beschlossen, diesen Film zu machen. Trotz des Minimalbudgets, das wir durch den Vorab-Ankauf von 3sat hatten. Weil wir ihn einfach machen mussten!
Gedreht wurde dann zwischen Juli und September 2011.
Die große Frage im Schnitt war: Arbeiten wir eher assoziativ, thematisch? - also ausgehend vom Themenkreis, den Rolands Kinophilosophie abschreitet. Der ganze Schneideraum war zugepflastert mit Styropor-Platten, darauf Hunderte von Karteikarten mit Stichworten aus Rolands Gedankenkosmos. Der Cutter André Nier ist ganz schön bleich geworden, als er den Raum das erste Mal betreten hat. Oder arbeiten wir doch chronologisch, entlang von Rolands Biographie. Ganz schnell haben wir gemerkt, dass das ja eine Geschichte mit einem klaren Spannungsbogen ist - die hoffnungsvollen Anfänge, der kurze Höhenflug, der erste harte Dämpfer bei DEADLOCK, das Weitermachen und Kämpfen bis zur totalen Erschöpfung und dem Abschied vom Filmemachen. Rolands Filme und seine Protagonisten sind ja immer auch Spiegelbilder dessen, wo er selbst im Leben stand. Also war auch klar, dass man entlang der Filmographie arbeitet. Und darüber natürlich auch ganz viel davon erzählt, was Kino für ihn ist, wie er arbeitet, die moralischen Implikationen, die in jeder Kameraeinstellung zum tragen kommen. Und dann passiert im Schnitt oft etwas Interessantes - die Geschichte selbst entfaltet einen Sog, der so nach vorn zieht, dass man nur noch wissen will, wie es weiter geht. Und die „Denkinseln“, die Reflektionsebene hält dann zu sehr auf. Man kann sich nicht mehr so darauf einlassen wie am Anfang des Films, wo man sich neugierig in diesen Klick - Kosmos vortastet. Das tut mir jetzt noch weh, welche Roland-Lieblingssätze von mir dann doch nicht im Film sind. Das muss er dann alles live erzählen - oder man hört die Audiokommentare. Ein tolles Buch gibt es auch...
Der Dokumentarfilm (die aktuellen Aufnahmen, Dramaturgie, Musik und der Schnitt) ist im Gegensatz zu den Roland Klick Filmen „sanft“ in seiner Form. Wie kam es zu der Entscheidung den Film formal so zu „inszenieren“?
Dazu hat Roland mir selbst das schönste Kompliment gemacht: Er fände es schön, dass der Film so weiblich geworden sei. Und bei Roland gibt es ja diese weibliche, zärtliche Seite auch in seinen Figuren, trotz der wirklich krassen Gewalt. Das Komische ist - ich kann normalerweise im Kino überhaupt keine Gewalt ertragen, mir wird sofort schlecht. Ich bin schon auf allen Vieren aus Kinos heraus gekrochen...
Aber bei Rolands Filmen ertrage ich sie. Weil sie aus Menschen heraus bricht, deren Sehnsüchte und Wut und Verzweiflung ich spüre. Und an DEADLOCK mag ich dann auch Szenen wie die von Kid und Jessie mit dem Spiegel und den Sonnenstrahlen, die total abgedrehten sehr poetischen Momente am liebsten.
Und dann habe ich wohl doch auch eine sehr melancholische Seite. Die von Rolands Geschichte und seinem Wesen eben angesprochen wird. Die Musik ist ja auch inspiriert von Rolands eigener Filmmusik, die Gitarre bei BÜBCHEN, der Song in SUPERMARKT. Es war so, dass ich Thomas Imbachs DAY IS DONE gesehen habe und die Musik von Balz Bachmann grandios fand und sie hat auch genau diesen 70ies Touch. Ich wusste also schon von Anfang an, dass ich ihn fragen will, und auch, dass ich einen richtigen Song möchte, nicht nur Score Musik. Einen der für Roland steht, sein Wesen. Und das ist auch melancholisch, zumindest nehme ich ihn so wahr.
Gibt es etwas was Du Dir wünschst, was der Zuschauer von Klick mitnimmt?
Seine Filme! Diese starken Gefühle, die Sehnsucht nach starken Gefühlen, die Sehnsucht nach Leben, und natürlich nach Liebe.
Pressestimmen
Einer der schönsten Momente der diesjährigen Berlinale liegt gut eine Woche zurück. „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“ von der Berliner Regisseurin Sandra Prechtel feierte Premiere im ausverkauften Cinestar-Saal. Der Film porträtiert den 1939 geborenen Regisseur Roland Klick, der mit „Supermarkt“, „Deadlock“ und „Bübchen“ die brachialeren Reize des Genrekinos mit einer an Antonioni geschulten Sensibilität versöhnte. Dafür nahm er in Kauf, ein Außenseiter im deutschen Filmbetrieb zu sein. (taz, Cristina Nord)
Sandra Prechtels Dokumentarfilm ist eine großartige Gelegenheit, einen ganz zu Unrecht im Vergessen versunkenen Regisseur und einen Menschen mit Haltung wiederzuentdecken. Die Energie und der Drang nach Ehrlichkeit von Roland Klick und seinen Arbeiten waren ein kurzes Glück für den deutschen Film. The Heart Is a Hungry Hunter würdigt es. (Critic.de)
Schlaglichter auf einen übergangenen Seitenarm der deutschen Filmgeschichte: Prechtels Film ist ein schöner Parcours, der sich Ästhetik und Habitus von Klicks Filmen glücklicherweise nicht anverwandelt. Ein Gewinn ist die Nähe, die Prechtel sucht [...] Klick ist ein ansteckender Kinoenthusiast ohne Snoballüren, ein Getriebener seiner Träume. Einer, der sich, seinen Figuren nicht unähnlich, ganz und gar an eine Sache vergeudet. (taz, Thomas Groh)
Ein persönlicher Filmemacher muss Verletzungen persönlich nehmen, sonst ist er keiner. Und gleicht er nicht wirklich Mario Adorf in „Deadlock“, der einen Geldkoffer in der Wüste findet und von den anderen zu Tode gehetzt wird? Der Film, mitproduziert von der Filmgalerie 451, die auch seine DVDs herausgibt, macht solche Verbindungen sinnfällig und vor allem Lust auf Klick – immer noch am besten, das versteht sich von selbst, auf der großen Leinwand. (Berliner Zeitung, Philipp Bühler)
Eine Hommage an den "unvollendeten" Filmemacher Roland Klick. (Frankfurter Rundschau)
Die Dokumentarfilmerin Sandra Prechtel hat ihn über drei Jahre hinweg mit der Kamera begleitet, hat Weggefährten wie Hark Bohm, Otto Sander oder Eva Mattes befragt. Entstanden ist das Porträt „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“. Eine Hommage an Mann und Werk [...] Roland Klick, der große Unbeugsame des deutschen Films. (Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann)
Sehenswert. (rbb Inforadio)
In „Roland Klick – The Heart is a Hungry Hunter“ öffnet sich der humorvolle Filmemacher vor der Kamera und erzählt aus seinem Leben. Von seinen Anfängen, über seine Erfolge, bis hin zu seiner großen Niederlage und den darauf folgenden Dreharbeiten mit Dennis Hopper zu „White Star“. [...] Ein sehr positiver Punkt ist, dass vor allem auch Klicks Filme im Mittelpunkt stehen. Film für Film wird dabei aufgearbeitet und die Bilder dürfen für sich selbst sprechen. (Uncut.at)
Preise und Festivals
- 63. Internationale Filmfestspiele Berlin / Panorama (Uraufführung am 09.02.2013 im CineStar 7)




