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Hitler, ein Film aus Deutschland - 2 DVDs

HITLER, EIN FILM AUS DEUTSCHLAND - 2 DVDS Hans Jürgen Syberberg, D/F/GB 1977

Das Sieben-Stunden-Werk von Hans Jürgen Syberberg, 30 Jahre nach der Uraufführung in London, erstmals auf DVD!

DVD 1:
1. Von der Weltesche bis zur Goethe-Eiche von Buchenwald
2. Ein deutscher Traum... bis ans Ende der Welt
DVD 2:
3. Das Ende eines Wintermärchens und der Endsieg des Fortschritts
4. Wir Kinder der Hölle erinnern uns an das Zeitalter des Grals

Auszüge aus dem Essay “Syberberg's Hitler“ von Susan Sontag (1980)

Daß sowohl seine Kunst (die Kunstform des zwanzigsten Jahrhunderts: der Film) wie sein Thema (das Thema des zwanzigsten Jahrhunderts: Hitler) von Wichtigkeit sind, setzt Syberberg voraus. Eine gängige, schlichte, einleuchtende Voraussetzung. Sie läßt freilich kaum ahnen, in welchem Umfang und mit welchem Kunstaufwand er letzte Dinge beschwört: die Hölle, das verlorene Paradies, die Apokalypse, die letzten Tage der Menschheit. Indem er romantische Grandiosität mit der Hefe modernistischer Ironie durchsetzt, gibt er ein Spektakel vom Spektakel, inszeniert er die »show of the shows«, Geschichte, in einer Vielzahl dramatischer Stile - Märchenspiel, Zirkus, Moralität, Allegorie, magische Zeremonie, philosophischer Dialog, Totentanz -, mit einer nach Millionen und Abermillionen zählenden imaginären Besetzung und mit dem Teufel persönlich als Hauptfigur. Die Syberbergs Denken so artverwandten romantischen Maximalvorstellungen, etwa vom grenzenlosen Genie, vom absoluten Sujet oder von der einen allumfassenden Kunstform - derlei Ideen schaffen ein quälendes Möglichkeitsbewußtsein. Syberbergs Zuversicht, daß seine Kunst der Bedeutung seines Sujets angemessen sei, entspringt seiner Vorstellung vom Kino als einer Erkenntnisweise, die das Denken zur Selbstreflexion anregt. Hitler wird dargestellt anhand einer Untersuchung unseres Verhältnisses zu ihm (das Thema lautet »unser Hitler« oder »Hitler in uns«), so wie die aus gutem Grund nicht assimilierbaren NS-Greuel in Syberbergs Film als Bilder oder Zeichen vergegenwärtigt sind. (Der Titel lautet nicht Hitler, sondern eben Hitler - ein Film ... ) Mit der überzeugenden Nachstellung von Greueltaten läuft man Gefahr, das Publikum abzustumpfen, gedankenlose Stereotypen zu nähren, Distanz zu schaffen oder Faszination zu bewirken. Seine Überzeugung, daß der Filmemacher sich auf moralisch (wie ästhetisch) stimmige Art und Weise mit dem Nazismus auseinanderzusetzen habe, verbietet es Syberberg, sich irgendeiner der stilistischen Konventionen der Fiktion zu bedienen, die gemeinhin als Realismus gelten. Ebensowenig kann er auf dokumentarisches Material zurückgreifen, um etwa zeigen zu wollen, wie es »wirklich« war. Wie mit deren Nachbildung in der Fiktion läuft man auch mit der Zurschaustellung von Greueltaten auf authentischem Filmmaterial Gefahr, heimliche Pornographie zu treiben. Überdies vermittelt solches Material unkommentiert nur dürftige Wahrheiten über die Vergangenheit. Filmausschnitte aus der NS-Zeit können nicht für sich sprechen; man muß ihnen eine - erläuternde, kommentierende, deutende - Stimme leihen. Doch der Zusammenhang zwischen Filmdokument und Kommentar ist, wie der zwischen Bildunterschrift und Fotografie, ein äußerlicher: eins ist dem andern nur angehängt. Im Gegensatz zur Pseudoobjektivität der Sprecherstimmen in den meisten Dokumentarfilmen bringen die beiden Stimmen, die grübelnd, meditierend, sinnierend Syberbergs Film untermalen, unentwegt Qual, Bedrückung und Entsetzen zum Ausdruck. (Das vollständige Essay ist im Booklet zur "Deutschen Trilogie" enthalten.)

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Zitate

Pressestimmen

Syberberg hatte mit seinem Sieben-Stunden-Werk nicht weniger vor, als in Deutschland den schöpferischen Irrationalismus neu zu etablieren und gegen den kritischen Rationalismus zu setzen. (...) Doch sprechen wir nicht davon, was der Film intendierte, sondern was der Film bewirkte: Er kitzelte den Nazi heraus, der in dir steckt. Schon bald gab es ein Schlagwort dafür: "Der-Hitler-in-mir". (Dietrich Kuhlbrodt)

Hans Jürgen Syberbergs 'Hitler, a Film from Germany' is not only daunting because of the extremity of its achievement, but discomfiting, like an unwanted baby in the era of zero population growth. (The New York Review of Books, 21.02.1980, Susan Sontag)