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Ghettokids

GHETTOKIDS Christian Wagner, D 2002, 88 min

Im Münchner Ghetto

Christos lebt mit seinem älteren Bruder Maikis im Münchner „Hasenbergl“, einem Viertel mit hohem Ausländeranteil. Sein eigentliches Zuhause ist der Hauptbahnhof, wo er sich als Stricher und Gelegenheitsdieb über Wasser hält. Erst durch den Einfluss der neuen Lehrerin (Barbara Rudnik) beginnen Christos und Maikis Vertrauen in ihre Zukunft zu fassen. Aber der Weg aus dem Ghetto scheint versperrt, als Maikis in eine Bandenfehde gerät ...

Kommentar des Regisseurs

GHETTO KIDS ist durchgehend mit Original-Jugendlichen aus der Szene besetzt, die den Charme dieser harten und schonungslosen Geschichte ausmachen. Ich habe das ganze letzte Jahr damit verbracht, die Kinder zu casten, sie kennenzulernen, sie auf den Film vorzubereiten. Mich hat an dem Spielfilm besonders gereizt, in der Schicki-Micki-Stadt München hinter der glänzenden Oberfläche das Schicksal dieser Kinder ungeschönt aufzuzeigen.

Der Hauptbahnhof mit der offiziell negierten Stricher- und Dealerszene ist für diese Kinder und Jugendlichen das erweiterte Wohnzimmer und somit Spielfläche ihrer klein-kriminellen Aktivitäten, die sie schon frühzeitig in den Strudel der Halbwelt hineinziehen, ohne dies bewusst zu realisieren. Gerade ihre Unmündigkeit prädestiniert sie zum Dealen, da sie “noch” nicht bestraft werden können (unter 14 Jahren). Eine auch nur annähernd geregelte oder normale Kindheit ist ihnen abhanden gekommen, gestohlen, und nicht mehr zurück zu geben. Was ihnen fehlt ist eine Art Geländer, an dem sie sich festhalten können.

Der realistisch-authentische Stil des Films wird unterstützt durch die direkte Handkamera von Jürgen Jürges, der mit einer ähnlich der DV-Videocam handhabbaren neuen und kleinen Aaton-Super-16 Kamera ganz hautnah an die Kinder und ihre schauspielerische Präsenz herangekommen ist. Hier wird nichts geschönt, wir wollten eine Lakonie des Augenblicks, weit mehr als ein aufdringliches ästehtisches Konzept. Also eher eine Freiheit für die Jugendlichen ermöglichen, deren Atem stand im Mittelpunkt.
Im Schnitt hat Patricia Rommel mit ihrer Genauigkeit und Einfühlung den Kindern jenen Raum gegeben, den sie für uns brauchten. Kein VideoClip, kein falsches Beschleunigen, wiederum der Versuch, an die Kinder in ihrer rauen Schale mit sensiblem Kern heranzukommen. Auch der Einsatz der Musik hat sich dem Thema untergeordnet, da es einfach gewesen wäre, Rap-Größen ins Boot zu holen.

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Pressestimmen

Ethnic/class isolation and prejudice are credibly depicted, sans excess pathos ... Well tooled on all levels. (Variety)

Preise und Festivals