Navigation überspringen


Edipo Re

Filmkritik, Juli 1969, Harald Greve

Statt über Bedeutungen zu sprechen, denen die antike Schicksalstragödie selbst die hochtönenden, von Kulturtradition zum Hohlklang entleerten Begriffe vorspricht, ist man vor diesem Film versucht, Bilder zu beschreiben, sie durch Sprache noch einmal hervorrufen und wahrnehmen zu wollen. Wenn EDIPO RE an Bedeutungen reich ist, dann sind es die Bilder, an denen die Bedeutungen ihrerseits reich sind.

(...) Sind die Bedeutungen darauf gerichtet, den Mythos zu erkennen, so zeigt Pasolini grade, wie der Mythos sie verändert, wieder verdunkelt und zerstört. Mit der gegenläufigen Bewegung von aufklärender Intention und den irrationalen Kräften des Mythos aber ist die Wahrheit des Mythos selbst als eines Prozesses der Wahrheitsfindung dargestellt, den der Film insgesamt als den schmerzlichen Weg der Selbsterkenntnis beschreibt. Erstaunlich bleibt dabei, wie es Pasolini gelingt, die irrationale Gewalt des Mythos durch die Bilder selbst auszudrücken, in ihnen ein eigenes, sinnlich-halluzinatorisches Leben zu entfachen.

Filmkritik, Martin Ripkens

Das filmische Ereignis liegt hier darin, wie sich Reflexion und Darstellung durchdringen, wie intellektuelles Raffinement und eine fast naive Gestaltungskraft (ein deutlich an Picasso orientiertes Mutterbild steht neben einer nie dagewesenenen Darstellung etwa der Sphinx) Hand in Hand gehen.

Rudolf Steinbeck

Als Urmythos, als vor- und übergeschichtliche Menschheitserfahrung, ist die Ödipus-Geschichte rekonstruiert. Dabei gelingt ihm eine faszinierende poetisch fiktive Welt mit Versatzstücken zahlreicher Mythen und Kulte, ein elementarer kraftvoller Bilderbogen von überwältigend suggestiver Sinnlichkeit in leuchtenden Farben.

Wolfram Schütte

Pasolini hielt EDIPO RE, der im Schatten der ein Jahr später entstandenen großen Parabel Teorema (1968) steht, für den „cinematografischsten meiner bisherigen Filme“; das ist richtig: Er besitzt große sinnliche Schönheiten, Augenblicke entflammten physischen Kinos – wo er weitgehend stumm ist und sich auf Landschaft und Menschen einläßt, die er (wie einst Werner Herzog in Lebenszeichen und Fata Morgana) als Fremde entdeckt. (...) Die Eingangssequenz, wie ein Vorspiel, ist fast wortloses, schwebendes Stimmungsbild; eine der schönsten Arbeiten Pasolinis.

Zurück