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Dieste [Uruguay]

DIESTE [URUGUAY] Heinz Emigholz , D 2017, 95 min

Streetscapes – Kapitel IV / Photographie und jenseits – Teil 27 / Architektur als Autobiographie / Eladio Dieste (1917–2000)

Weltpremiere: Mittwoch, 15. Februar 2017: 19:00 h in der Akademie der Künste
Wiederholung: Sonntag, 19. Februar 2017: 14:15 h im CineStar 8

Über den Film

Eine filmische Dokumentation von 29 Bauwerken des uruguayanischen Architekten und Schalenbaumeisters Eladio Dieste (1917-2000). Der Film wurde im November 2015 in Uruguay und Spanien gedreht. Als Prolog drei Bauwerke von Julio Vilamajó (1894-1948).
Der Film zeigt folgende Bauwerke:

Prolog:
Three buildings by JulioVilamajó in Montevideo, Uruguay
Casa Vilamajó
(1930)
Garage Building
(1931)
Facultad Ingenieria (1937)

Hauptteil (Buildings by Eladio Dieste in Uruguay):
Church of Christ the Worker
(1955-60), Atlántida
Casa Dieste
(1959-63), Montevideo
Autopalace
(1964), Montevideo
Lanas Wool Industry Complex
(1964-89), Trinidad
Church of Our Lady of Lourdes Parish House
(1965-68), Malvín
Church of Saint Peter
(1967-71), Durazno
Municipal Bus Terminal
(1971-74), Salto
Gymnasium
(1973-75), Durazno
Service Station
(1976), Salto
Cítricos Caputto Fruit Packing Plant
(1971-77), Salto
Ayui Parador Café
(1977), Salto
Cooperativa Agrícola
(1976-78), Young
Carugatti Construction Equipment Garage
(1979), Montevideo
Agroindustries Fruit Processing Plant
(1976-80), Juanicó
Refrescos del Norte
(1976-80), Salto
Club Romeros
(1980), Salto
Turlit Bus Station
(1980), Salto
Lanera Uruguaya Wool Warehouse
(1980-82), Montevideo
Don Bosco School Gymnasium
(1984), Montevideo
Navíos Horizontal Silos
(1981-90, Nueva Palmira
Shopping Center
(1984-88), Montevideo
Television Tower
(1986), Maldonado
Wool Warehouse
(1992-94), Juanicó
Solsire Salt Silo
(1992-94), Montevideo

Appendix (Buildings by Eladio Dieste in Spain):
Church and Parish Center Nuestra Madre del Rosario
(1995-97), Mejorada del Campo
Church and Parish Center San Juan de Ávila
(1997), Alcalá de Henares
Student’s Street Camino de los Estudiantes
(1996-98), Alcalá de Henares
Church of the Holy Family
(1998), Alcalá de Henares
Church of Santa Cruz de Coslada
(1998), Coslada

Eladio Dieste

Eladio Dieste wurde 1917 in Artigas, Uruguay, geboren und machte 1943 seinen Bauingenieursabschluß an der Universität in Montevideo. Mit seiner Frau Elizabeth Friedheim, einer deutsch-jüdischen Immigrantin, hatte er zwölf Kinder. Ab 1945 lehrte er an der Ingenieursfakultät in Montevideo. Praktische Erfahrungen sammelte er im Brückenbau und als Architekt für verschiedene Firmen. 1946 baute Dieste die erste armierte Ziegelschale  für den Architekten Antoni Bonet in Maldonado. Ein spektakulärer Belastungsversuch bewies die Überlegenheit armierter, doppelt gekrümmter Ziegelschalen gegenüber Stahlbeton. 1956 gründete er mit seinem Studienkollegen Eugenio Montañez eine Firma, mit der er diese Konstruktionsweise weiterentwickelte und die meisten seiner Bauwerke entwarf. Die große Handwerkskunst einer von ihm geleiteten Gruppe von Maurern, Beton-und Keramikarbeitern machte ihre Ausführung möglich. Seine Innovationen und alternativen Bautechniken waren lange Zeit in ihrer Effizienz herkömmlichen Bauarten überlegen und erlaubten große Spannweiten in einer zuvor nie gesehenen Anmutung. Als herausragender Ingenieursbaukünstler sieht man ihn jetzt in einer Reihe mit Eugène Freyssinet, Robert Maillart und Heinz Isler. Seine Schriften zu Architektur und Konstruktion, seine Überlegungen zur Formgebung und zum Verhältnis von Architektur und Kunst weisen ihn als profunden Denker einer sozialen architektonischen Praxis aus. Dieste starb 2000 in Montevideo.      

Das Gegenteil von Nachlässigkeit

Wenn man feinsinnige Menschen mit etwas wirklich erreichen möchte, dann braucht es dafür eine Leichtigkeit, eine mysteriöse Ungezwungenheit, eine prägnante Schlichtheit, etwas Tänzerisches, Müheloses. Solche Menschen lassen sich – und zwar zu Recht – nicht zufriedenstellen, indem Schwierigkeiten mit blinder Gewalt oder mit Geld gelöst werden. Sie möchten, dass ein Problem mit derselben Unangestrengtheit gelöst wird, mit der der Buntfalke durch die Lüfte gleitet und mit der jede einzelne Blume auf einer Wiese, wenn wir sie wirklich sehen, das Zentrum einer geheimnisvollen Landschaft ist; „selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen“ (Matthäus 6,28–29). Etwas auf diese Weise wahrzunehmen, zeugt von einer Durchdringung der Dinge, die so zart ist wie die gröbsten Hände es werden, wenn sie den Kopf eines Kindes liebkosen.

Denjenigen, die allem, was mit Gefühlen zu tun hat, mit Misstrauen begegnen, möchte ich etwas erklären: Wie alle menschlichen Handlungen, in denen viel emotionale Kraft liegt, ist auch das, was ich oben beschrieben habe, letztlich das Ergebnis einer rational nachvollziehbaren Abfolge von Ereignissen: Hinter der Auflösung eines Problems mit Gewalt oder Geld steht immer eine Haltung der Missachtung, und hinter dieser wiederum die Geringschätzung bzw. Gedankenlosigkeit und Oberflächlichkeit (Varianten der Missachtung) desjenigen, der sich nicht selbst prüft. Diese Missachtung ist nichts anderes als eine Verachtung menschlichen Bemühens und der Menschheit selbst; damit haben wir, denke ich, eine gemeinsame Grundlage gefunden, etwas, worüber wir uns alle einig sind: den Wert des Menschlichen. Die Anmut, die wir von der Kunst fordern, ist wie eine Blüte aus Bemühen und Energie – das Gegenteil von Nachlässigkeit.

Eladio Dieste, ‘Art, People. Technocracy’, in Stanford Anderson (ed.), Eladio Dieste: Innovation in Structural Art, (Princeton: Princeton Architectural Press, 2004), 194-198

Streetscapes - Vier Filme von Heinz Emigholz

Kapitel I:  2+2=22 [The Alphabet]
Kapitel II:  Bickels [Socialism]
Kapitel III:  Streetscapes [Dialogue]
Kapitel IV:  Dieste [Uruguay]