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Die toten Körper der Lebenden

DIE TOTEN KÖRPER DER LEBENDEN Peter Kern, A 2007, 71 min

Nach Motiven von Jean Genets EIN LIEBESLIED (UN CHANT D'AMOUR).

Das ehemalige Wiener Kabarett und Bordell Renz, wo einst die Überlebenskünstlerin Josefine Baker begeisterte, ist letzter Zufluchtsort für eine Gesellschaft nahe am Abgrund. Das Leben beschränkt sich auf Flucht. Jeder flieht vor dem Anderen. Der Nachtclubbesitzer singt vom „Töten, den man liebt“. Die alternde Diva und ihr unterdrückter Ehemann leben mit dem Müll von gestern. So erfindet der Ehemann ein Publikum aus Illusion. Der Altstar will nicht glauben, daß sich niemand mehr ihre Rollen zurückwünscht. In diese Welt verirren sich der Sexualverbrecher Lucien, der seinen Geliebten Java sucht und in ihm seinen Mörder findet. Der Blinde verkauft nur mehr Dreck, der aus der Operettenstadt Wien übrig geblieben ist. Schwüle, Schwule, Mörder und Verbrecher und ein mysteriöser Kellner erzählen vom Sterben und vom Versuch geliebt zu werden.

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Pressestimmen

Weitergedacht und weitergespielt wird hier die Geschichte der beiden schwulen Verbrecher Java und Lucien (aus Genets Kurzfilm Un chant d’amour), die – bei Kern verkörpert von Oliver Rosskopf und Andreas Biber – einer Wiener Gefangenenanstalt entfliehen und im sinistren Separee eines genüsslich verwelkenden "Altstars" (Traute Furthner) Opfer und Täter zugleich werden. Einmal mehr frappiert die Grandezza, mit der Kern noch aus den grindigsten Aufnahmebedingungen lyrische, ja opernhafte Momente gewinnt. (DER STANDARD, Claus Philipp)

Der Regisseur arbeitet ein gewaltiges Denken über Schönheit, Hässlichkeit, das Gute und das Böse heraus, das - eingelassen in das gewohnt eklektische, stilisierte Universum des Autors - zu einer brutalen, und gerade darin bestechend klaren Beschau eines jetzigen Österreichs zwischen fremdbestimmten Lebenswegen und selbstbestimmter Xenophobie, zwischen Romantisierung des Vergessens/Verfalls und Abschaffen des Erinnerns wird. (FM4, Markus Keuschnigg)

"Mülltonnen–Meisterwerk“ – Wahrlich großes Schmerzenskino und echt kerniger Witz! (DIE PRESSE, Christoph Huber)