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Die Terroristen

DIE TERRORISTEN Philip Gröning, D 1992, 93 min

Drei in einem Raum.
Jürgen, Michael, Claudia.

Sie gehen sich auf die Nerven. Sie wollen den Dicken töten. Der Plan ist gut, nur gelingt er nicht. Später stirbt durch puren Zufall ein anderer. Die Bekennerbriefe passen haargenau. Aber jetzt haben die Drei keine Lust mehr. Das Geld wird geteilt, Michael kauft sich ein Farb-Stereo-Videorecorder-TV-Set. Leider wird er dabei beschissen.

Eine Groteske, die ziemlich ernst wird.

Interview mit Philip Gröning

Angela Scheele: Du hast einen Film über Terrorismus gedreht. Warum?

Philip Gröning: Das stimmt ja nicht, dass das ein Film über Terrorismus ist. Das ist es nicht. Es ist ein Film über Leben in einer Welt, in der es keine Ideologien mehr gibt, wo es nur noch Geld gibt oder nicht Geld, und das ist das, was Politik ist. Und der Film handelt davon, dass das Geld etwas an den Leuten verändert. Der Porsche ist sozusagen der Schuss in den Kopf des Porschefahrers, auch wenn der das nicht glaubt. Aber es ist sein eigener Kopf, der in seinem Porsche aufgeht. Davon handelt der Film.

AS: Identifizierst du dich mit dem was die Terroristen machen?

PG: Es gibt so einen Gudrun Ensslin Spruch, der ist sehr schön. Und der lautet: "Der Terrorismus ist die spontane Revolte des Gefühls gegen alle Vernunft. Großherzig, aber vergeblich." Das finde ich einen interessanten Spruch, als Spruch von einer Frau, die dafür gestorben ist. Ich glaube, dass das, was die Terroristen hier im Film an Texten formulieren, dass das stimmt.
Ich glaube, dass sie recht haben in dem was sie formulieren. Ich glaube natürlich nicht, dass sie Recht haben, indem sie versuchen, jemanden umzubringen. Aber ich glaube, dass in der Groteskheit in der sie scheitern, darin haben sie wieder genauso recht, wie in dem, was sie eigentlich versucht haben. Insofern kann ich mich ziemlich mit denen identifizieren, was das Publikum interessanterweise offensichtlich auch kann. Wenn der Makler erschossen wird, lachen die Leute. Und zwar, wenn sie Michael auf dem Klo sitzen sehen: Weil sie ihn mögen.

AS: Warum verzichtest du auf das Drehbuch?

PG: Ich kann mir nicht vorstellen, wie andere Leute das machen, dass sie eine Idee entwickeln und ein Buch schreiben, und das dauert dann schon einmal eineinhalb Jahre, und dann muss das Ganze finanziert werden, das dauert wieder solange. Dann wird das produziert, und dann ist die Idee drei oder vier Jahre alt. Da hätte ich ziemliche Konzentrationsprobleme. Ich bin einfach froh, dass ich am Drehort sitzen und mit den Schauspielern arbeiten kann zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch an die Sache glaube, die ich mache. Da muss ich am Schneidetisch vielleicht für büßen, aber am Drehort kann ich wenigstens was machen, wo ich noch dahinterstehe. Ich finde es furchtbar, wenn Regisseure am Drehort stehen mit einer Idee, die sie vor vier Jahren entwickelt haben. Vielleicht haben sie sich inzwischen von ihrer Frau scheiden lassen und zwei neue Kinder bekommen und sollen plötzlich etwas verfilmen, das vor fünf Jahren ihr Leben war. Das ist sehr schwierig.

 

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Pressestimmen

EINE BITTERBÖSE GROTESKE, SCHROFF, CHAOTISCH, ABERWITZIG. (Tagesanzeiger Zürich, 14.8.92)

"Sein Film räumt radikal mit der Heile-Welt-Vorstellung nach Deutschlands Wiedervereinigung auf." (Tagesanzeiger Zürich, 14.8.92)

Philip Gröning hat mit DIE TERRORISTEN einen bitterbösen Film an der Grenze zum Zynischen gedreht. Eine aberwitzige Groteske, (Berner Zeitung, 5.8.92)

Grönings Politgroteske über drei junge Pseudoidealisten, die, ganz im Stil der neuen Zeit, den Kanzler mittels eines ferngesteuerten Bombenspielzeugs hoch-nehmen wollen, wird zu einer frappanten Studie über Biedermänner, die unbedingt Brandstifter sein wollen, und zu einer beiläufigen Reflexion der Tagespolitik als Sandkastenspiel. (TIP, 15/92)

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