Navigation überspringen

 
Die 120 Tage von Bottrop (Christoph Schlingensief - DVD Edition)

DIE 120 TAGE VON BOTTROP (CHRISTOPH SCHLINGENSIEF - DVD EDITION) Christoph Schlingensief, D 1997, 200 min

Der letzte Neue Deutsche Film

"Ich finde, dass Fassbinder falsch eingestuft wird, daß er ein Zyniker war und die ganzen Genres noch mal abgeklopft hat, um zu sehen, was drin ist, und sich dann ins All katapultiert hat.“  Christoph Schlingensief 

Mit seinen Theater- und Kunstaktionen, als Film- und Opernregisseur hat Christoph Schlingensief über zwei Dekaden den kulturellen und politischen Diskurs in Deutschland geprägt. Sein neunter Spielfilm, “Die 120 Tage von Bottrop”, ist Hommage und Abgesang an Fassbinder – und zugleich ein harter Schlag gegen die deutsche Filmkunst.

Die Überlebenden der Fassbinder-Familie finden sich noch einmal zusammen, um auf der Großbaustelle Potsdamer Platz den letzten Neuen Deutschen Film zu drehen, ein Remake von Pasolinis “Die 120 Tage von Sodom”. Alles geht schief: Regisseur Schlingensief wird zum Aufnahmeleiter degradiert und durch einen gewissen Sönke Buckmann ersetzt, dem Katja Riemann prompt den Bundesfilmpreis überreicht. Film als Albtraum – oder umgekehrt.

DVD-Inhalt:

  • “Die 120 Tage von Bottrop”** (1997, 16mm, 60 min. – Restaurierter Film, 2K Scan)
  • Alexander Kluge im Gespräch mit Christoph Schlingensief * (1997, 11 min.)
  • Christoph Schlingensief – Interview* (2004, 2 min.)
  • Bewerbungsvideo für die Filmförderung (1997, 5 min.)
  • Making-of (1997, 70 min.)
  • Outtakes (1997, 31 min.)
  • Christoph Schlingensief im Gespräch mit Filmkritikern (1998, 21 min.)
  • Schlingensief – Filmtrailer

Deutscher Kinostart: 06.11.1997

CHRISTOPH SCHLINGENSIEF – DVD EDITION

to be continued

Christoph Schlingensief bei Filmgalerie 451

Statements von Christoph Schlingensief zum deutschen Kinostart von DIE 120 TAGE VON BOTTROP, November 1997

Mein Lieblingssatz kommt von Helmut Berger: "Es ist nie zu spät, das Unmögliche zu wollen, auch wenn man weiß, dass man es nie erreichen kann. Wir mussten zehnmal schneiden, weil er so hackedicht war, dass er sich nur nur Teile merken konnte. Also, es ist wirklich ein schöner Film.

Herr Schlingensief. Sie sind derzeit auf allen Kanälen präsent. Erst haben sie bei der Kasseler documenta "48 Stunden Überleben für Deutschland" veranstaltet und sind dabei verhaftet worden dann machten sie mit Ihrer Talkshow auf RTL Schlagzeilen und nach Ihrer "Bahnhofsmission" am Hamburger Schauspielhaus steht jetzt die Premiere Ihres neuen Films an. Warum diese Produktionswut?

Für mich ist das eine Teststrecke. Wir haben noch etwas mehr als zwei Jahre Zeit zur Jahrtausendwende. Ab 2000 wird ja alles anders, dann können die Autos fliegen, und wir ernähren uns von Tabletten. Aber bis dahin kann man's doch machen, einfach mal tun. Ich mache das aus einer totalen Lust heraus.

Und was kommt nach dem letzten Neuen Deutschen Film?

Wenn man mir das Vier Jahreszeiten gibt, dann will ich Hotelbesitzer werden und das ein halbes Jahr leiten. Oder ich werde Busunternehmer, so einer, der mit Mikrofon in der Hand mit den Leuten durch die Gegend fährt und ihnen die Welt zeigt. Ich bin nicht gern auf der Welt, und wenn ich schon da bin, dann möchte ich zumindest ein paar Sachen erlebt haben.

Was bedeutet Fassbinder für Sie?

Dass einer soviel Sachen macht finde ich toll. Ich finde, dass er falsch eingestuft wird, dass er ein Zyniker war und die ganzen Genres noch mal abgeklopft hat, um zu sehen, was drin ist, und sich dann ins All katapultiert hat.

Wenn es ietzt aus ist mit dem Autorenfilm ... Sie sind doch ein Autorenfilmer?

Man müßte ein Schloß in Schottland haben, Freunde einladen, filmen und ihnen dann die Kassetten schicken. Aber wenn das nicht geht, denke ich, man packt die Schauspieler mal drei Wochen in irgend ein Dorf und macht dort vor Ort was, ohne Drehbuch. Wir müssen uns nicht perfektionieren. Wir müssen die Fehlerquote im Film erhöhen. Fehler machen.

Ihre Meinung über das Medium Fernsehen ist äußerst dezidiert ...

Wäre ich Bundeskanzler, würde ich ein paar Fernseh-Redakteure hier in Berlin ins Grand Hotel bringen, ließe sie hinter Stacheldraht und Wachtürmen festsetzen. Die würden immer nur Hummer und Kaviar kriegen und im Fernsehen laufen ihre eigene Produktionen, die sie sich den ganzen Tag angucken müssen. Da wäre der Selbstmord sicher in Sicht. Ich würde ihnen irgendwo eine Pistole verstecken.

Waren Sie mal beim Psychiater?

Einmal. Aber da ich mich nicht ändern will, brauche ich da auch nicht mehr hin. Mir geht's hervorragend.

mehr... weniger...

Preise und Festivals