DER PREIS Elke Hauck, D 2011, 83 min
"Die Zeit, in der wir Freunde waren, ist nicht mal halb so lang, wie die Jahre die seitdem vergangen sind."
Klassische Filmmusik sucht man in DER PREIS vergebens. Wie kam das Musikkonzept zustande?
Eine Ebene des Filmes spielt ja 1988/89 in der DDR und da ist die Musik ein wichtiges Mittel, um ein Zeitgefühl
wachzurufen, aber auch um die Personen, die die Musik hören, zu charakterisieren. Deshalb ist die Musik immer an konkrete Quellen gebunden wie Autoradio oder Kassettenrecorder. Nur an manchen Stellen schwingt sie sich kurz zur Filmmusik auf.Ich fand es wichtig, dass dieser Film nicht bewertend, anklagend, aber auch nicht sentimental- nostalgisch wird. Deswegen erschien es mir gut, nicht auf Musik zu setzen, die den Zuschauer emotional an die Hand nimmt und die Emotionalität von Szenen nicht durch die Klangfarbe einer Musik vorzubestimmen. Ich habe statt dessen versucht, ein wenig zurück zu treten und die Atmosphäre eher durch Geräusche lebendig und erlebbar werden zu lassen. Musik funktioniert dann an vielen Stellen selbst wie ein Geräusch, wie ein Detail unter anderen.Handelnde Personen und Environment verschmelzen dramaturgisch. Wortlose Passagen erzählen ebenso viel wie Dialoge.
Welches dramaturgische Konzept steckt dahinter?
Dramaturgisch hat mich vor allem der Umgang mit den zwei Zeitebenen beschäftigt. Es war mir wichtig, dass die Gegenwart, in der Alex in der Stadt auftaucht und versucht, mit seiner Arbeit zu beginnen, dass diese Ebene Boden unter den Füßen gewinnt, um als eigenständiger Erzählstrang zu funktionieren und nicht nur eine Plattform für die Vergangenheit zu bilden. Zugleich brauchte ich einen Raum für die Erinnerungen. Also habe ich nach Pausen gesucht, nach Bildern, die diesen Raum hergeben. Wobei für mich manchmal auch zwei sprechende Personen einfach ein Bild ergeben und nicht nur einen Dialog.Der Protagonist ist Architekt, aber sein Leben scheint nicht nach Plan verlaufen zu sein bzw. auch weiterhin nicht nach Plan zu laufen. Hier ist eine Parallele zu KARGER. Was reizt Sie an diesen Charakteren?In der Realität, als Lebenspartner, bringen mich Charaktere wie Karger und auch Alex manchmal zur Verzweiflung.
Weil sie nicht gerade auf die Dinge zu gehen, lieber dickfelliger erscheinen als sie sind und manche Sache dadurch einfach nicht gelöst bekommen. Das ist mir oft begegnet und vielleicht beschäftigen mich DER PREIS05SEITE/Presseheft DER PREISINTERVIEW MIT DER REGISSEURIN ELKE HAUCK
diese Männer deshalb in den Filmen immer wieder. Ich finde sie als Figuren in ihrer manchmal sogar unsympathischen
Verschlossenheit allerdings auch spannend. Denn im Prinzip ist es ja genau das, was Karger nicht “am Zahn seiner Zeit” sein läßt und Alex nicht schon vor vielen Jahren anders handeln ließ. Alex kommt ja auch nicht an den Heimatort, um den Selbstmord seines Freundes Michael aufzuklären sondern um überhaupt einen Schritt auf die eigene Vergangheit zugehen zu können, sich ein Stück aufzurichten und mit sich selbst zu leben – also erwachsen zu werden. Mir geht es da eher um Projektion als um Identifikation, um eine winzige glaubwürdige Veränderung, nicht um den großen kathartisch wirkenden Bogen.
Publikumsgespräche mit Regisseurin Elke Hauck & Hauptdarsteller Florian Panzner:
22.03. | UCI Gera - Kinostart Premiere | Filmbeginn: 19:30 Uhr
23.03. | PUSCHKINo (Halle) - Einführung in den Film | Filmbeginn: 19:00 Uhr
23.03. | Schaubühne Lindenfels (Leipzig) | Filmbeginn: 19:00 Uhr
24.03. | Kino Casablanca (Dresden) | Filmbeginn: 20:00 Uhr
25.03. | Capitol Filmpalast (Riesa) | Film läuft in der Matinee um 10:30 Uhr
25.03. | fsk - Kino am Oranienplatz (Berlin) | Filmbeginn: 18:00 Uhr
25.03. | Zukunft - Programmkino am Ostkreuz (Berlin) | Filmbeginn: 20:00 Uhr
26.03. | Lichtspieltheater Wundervoll (Rostock) | Filmbeginn: 19:00 Uhr
Zitate
- Alexander ist erfolgreicher Architekt. Nachdem er für einen Gebäudeentwurf einen Preis erhalten hat, wird er von seiner Firma in den Osten geschickt, um dort ein Umbauprojekt von Plattenbauten zu überwachen. Doch für Alexander ist diese Reise mehr als ein Auftrag. Denn da, wo er jetzt hingeht, ist sein ursprüngliches Zuhause. Dort leben Menschen, die zu seiner Vergangenheit gehören. Eine Vergangenheit, die er verdrängen will, die ihn aber Stück für Stück einholt. Was haben die staatlichen Regeln der DDR mit den jungen Leuten gemacht, die sich irgendwann entscheiden mussten, für oder gegen das System? Welchen Einfluss hatten diese Entscheidungen auf persönliche Freundschaften? Solchen Fragen geht der Film von Elke Hauck nach, auf konsequente, aber doch sehr sensible Weise. In Rückblicken wird die Geschichte Alexanders und seiner Jugendfreunde erzählt, dabei überzeugt vor allem die authentische Darstellung der DDR in den späten Achtziger Jahren. Die Figuren wirken jedoch ebenso glaubhaft in ihrem Geflecht aus Freundschaft, Liebe, Verrat und Enttäuschung. Am Ende steht eine grausame Wahrheit, der sich Alexander stellen muss. Was er daraus macht, lässt der Film offen. Realistisch, beeindruckend, komplex. (FBW-Begründung zum Prädikat „besonders wertvoll“)
Pressestimmen
Ein Film über die Aufarbeitung einer DDR-Vergangenheit auf kleinster, persönlicher Ebene mit schöner 80er-Punkrock-Musik. (Zitty Berlin, 21.3.2012, Ivo Hänisch)
Elke Hauck erzählt in konzentrierten Bildern. Besonnen und mit großer Beharrlichkeit erkundet sie das Gefühlsleben der Figuren. Ihr Film will nichts erklären und nichts entschuldigen. Er will einfach zeigen, wie es war. Und wie wichtig es ist, sich der eigenen Geschichte zu stellen. (Cinema.de, 21.3.2012)
Das Zerwürfnis mit dem nonkonformistischen Micha, die Jugendliebe zu dessen Schwester Nicole und das Dilemma eines Heranwachsenden in der DDR zwischen Anpassung und Auflehnung formen sich zu einer spannenden Erzählung. [...] Ein gelungener Film über einen Aufarbeitungsprozess mit aufmüpfiger Punkmusik. (Der Tagesspiegel, 22.3.2012)
Mit einer behutsamen, unaufgeregten Erzählweise zeigt "Der Preis", dass die Vergangenheit noch lange nicht bewältigt ist, sondern vielmehr durch Verdrängungen gekennzeichnet ist. (Hamburger Abendblatt, 22.3.2012)
Drama auf zwei Zeitebenen, das die persönliche und gesellschaftliche Geschichte eines jungen Mannes miteinander verbindet - zurückhaltend erzählt und ästhetisch bebildert. (Berliner Zeitung, 22.3.2012)
Mit dem Spuk der Erinnerungen zeichnet "Der Preis" ein eindrucksvolles Bild von den alltäglichen Orientierungsproblemen in der Endphase der DDR, in einer Zeit, als die Hoffnungen und die Möglichkeiten der Jungen ganz weit auseinanderklafften. [...] Mit dem "Preis" hat er [Filmtheater 451 - Betreiber Marcus Hug] zum Auftakt ein schönes Beispiel dafür gefunden, welche Art Filme in den letzten Jahren an Stuttgart vorbeigegangen ist. (Stuttgarter Zeitung, 24.3.2012, Thomas Klingenmaier)
Autorin Peggy Lehmann hat einen großartigen Stoff entwickelt. Das archaische Motiv des Rückkehrers ist gekoppelt mit einer Geschichte über die DDR und das wiedervereinte Deutschland, die Figuren sind lebensnah. Regisseurin Elke Hauck entwickelt daraus einen dramaturgisch selbstbewussten Film, der sich auf hervorragende Darsteller verlassen kann. (Critic.de, Sascha Keilholz)
Anders als viele Filme, die sich vordergründig mit der ostdeutschen Geschichte beschäftigen, erzählt Der Preis vor allem vom Zerbrechen einer Freundschaft. Die soziale Dynamik der DDR spielt, wie beiläufig erfasst zwischen Plattenbauten, nur eine Nebenrolle. Das große Thema des Verrats wird in der Enge der Kleinstadt behandelt, das Politische also bewusst auf eine psychologische, private Ebene gebracht. So passiert es, dass uns allen, feinfühlig und unauffällig, eine entscheidende Frage gestellt wird: Was hat uns zu dem gemacht, was wir sind? Ein komplexer Film, der ohne belehrende Pauschalanklagen zur Selbstreflexion anregt und die heutige Isolation jener Kinder und Jugendlicher beleuchtet, die nach der Wende ausgebrochen sind und dann nicht mehr zurückgeschaut haben. Ein Film, der ebenso zögerlich voranschreitet wie eine ganze Generation von Deutschen, die sich erst jetzt ihrer Geschichte in der DDR zuwendet, aber vor allem: endlich zu sich selbst findet. (ZEIT-ONLINE, 29.03.2012, Julia Daumann)
Preise und Festivals
- Internationale Filmfestspiele Berlin 2011 - Perspektive Deutsches Kino
- Lubuskie Lato Filmowe Lagów - Preis der Deutsch-Polnischen Jugendjury – Bester Deutscher Film
- Vancouver International Film Festival
- Internationales Filmfest Braunschweig
- Dhaka International Film Festival
- Deutscher Kinostart: 22. März 2012



