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Der Preis

DER PREIS Elke Hauck, D 2011, 83 min

"Die Zeit, in der wir Freunde waren, ist nicht mal halb so lang, wie die Jahre die seitdem vergangen sind."

Der Architekt Alexander Beck hat einen Preis gewonnen. Nach seinem Plan sollen Plattenbauten in Thüringen modernisiert werden. Er reist von Frankfurt am Main in die ostdeutsche Provinz – und gleichzeitig zurück in seine Vergangenheit, denn die Kleinstadt in Thüringen ist seine Heimatstadt, und die Wohnblocks, an die er jetzt Hand anlegt, sind genau jene, in denen er aufgewachsen ist und wo ihn einige Bewohner noch als Alex kennen, Alex von der FDJ.

Alex wird mit einer Zeit seines Lebens konfrontiert, die er lange verdrängt hatte. Er wird an seine erste große Liebe erinnert und das bittere Ende einer Freundschaft. Langsam nähert er sich jetzt erneut seiner Vergangenheit und versucht im Wiedersehen mit Nicole zu begreifen, was damals, 1988, wirklich geschah.

DER PREIS ist ein Film über Schuld und Verantwortung im Kleinen, im Persönlichen. Seine Hauptfigur Alexander steht für eine Generation, die aufgebrochen ist in die neue offene Nachwendewelt, ohne Blick und Sehnsucht zurück. Eine Generation, die jetzt – 20 Jahre später – allmählich beginnt, erwachsen zu werden, indem sie mit zwiespältigen Gefühlen wagt, zuzugeben, wo ihr Anfang lag.


Interview mit Regisseurin Elke Hauck

Wie kamen Sie zu dem Stoff DER PREIS?
Was mich besonders gereizt hat, war die Hauptfigur, in der ich mich selbst ein wenig wiederfinde. Denn so wie ich in meine Heimatstadt gegangen bin, um dort einen Film zu drehen (KARGER)
und dabei noch einmal zu sehen, woher ich komme, geht Alex, der Architekt, mit einem Umbauprojekt an den Ort seiner Herkunft. Mir ging es um diese, meine Generation, die nach der Wende erst einmal nicht zurück geschaut hat, weil das Neue viel spannender war und jetzt, zwanzig Jahre später, spürt, dass es an der Zeit ist, sich zu seinen Wurzeln zu bekennen, um einfach fester auf den eigenen Füßen zu stehen.

Ihr Debüt KARGER war mit Laien besetzt, jetzt haben Sie mit professionellen Schauspielern gearbeitet. Was hat die Entscheidung beeinflusst?
Bei KARGER spielte der ganze Film in der Kleinstadt, alle kamen von dort und sprachen sächsischen Dialekt, den ich glaubwürdig darstellen wollte. Das war damals ein wichtiger Grund für die Besetzung von Laien. In DER PREIS ist die Hauptfigur jemand, der seine Herkunft nicht zur Schau getragen hat, sie im Gegenteil eher verleugnet, und deshalb keinen Dialekt sprechen sollte. Alex kommt von außen in die Stadt, aber ich wollte ihn nicht über die anderen Figuren stellen, nicht Schauspieler und Laien mischen. Daraus kann sehr schnell eine Bewertung entstehen, denn es ist extrem schwierig, ein großes Ensemble in den Sprachfärbungen ganz genau zu inszenieren. Aus diesem Grund habe ich mich hier für eine filmische Hochsprache für alle und damit für professionelle Schauspieler entschieden.

Klassische Filmmusik sucht man in DER PREIS vergebens. Wie kam das Musikkonzept zustande?
Eine Ebene des Filmes spielt ja 1988/89 in der DDR und da ist die Musik ein wichtiges Mittel, um ein Zeitgefühl
wachzurufen, aber auch um die Personen, die die Musik hören, zu charakterisieren. Deshalb ist die Musik immer an konkrete Quellen gebunden wie Autoradio oder Kassettenrecorder. Nur an manchen Stellen schwingt sie sich kurz zur Filmmusik auf.Ich fand es wichtig, dass dieser Film nicht bewertend, anklagend, aber auch nicht sentimental- nostalgisch wird. Deswegen erschien es mir gut, nicht auf Musik zu setzen, die den Zuschauer emotional an die Hand nimmt und die Emotionalität von Szenen nicht durch die Klangfarbe einer Musik vorzubestimmen. Ich habe statt dessen versucht, ein wenig zurück zu treten und die Atmosphäre eher durch Geräusche lebendig und erlebbar werden zu lassen. Musik funktioniert dann an vielen Stellen selbst wie ein Geräusch, wie ein Detail unter anderen.Handelnde Personen und Environment verschmelzen dramaturgisch. Wortlose Passagen erzählen ebenso viel wie Dialoge.

Welches dramaturgische Konzept steckt dahinter?
Dramaturgisch hat mich vor allem der Umgang mit den zwei Zeitebenen beschäftigt. Es war mir wichtig, dass die Gegenwart, in der Alex in der Stadt auftaucht und versucht, mit seiner Arbeit zu beginnen, dass diese Ebene Boden unter den Füßen gewinnt, um als eigenständiger Erzählstrang zu funktionieren und nicht nur eine Plattform für die Vergangenheit zu bilden. Zugleich brauchte ich einen Raum für die Erinnerungen. Also habe ich nach Pausen gesucht, nach Bildern, die diesen Raum hergeben. Wobei für mich manchmal auch zwei sprechende Personen einfach ein Bild ergeben und nicht nur einen Dialog.Der Protagonist ist Architekt, aber sein Leben scheint nicht nach Plan verlaufen zu sein bzw. auch weiterhin nicht nach Plan zu laufen. Hier ist eine Parallele zu KARGER. Was reizt Sie an diesen Charakteren?In der Realität, als Lebenspartner, bringen mich Charaktere wie Karger und auch Alex manchmal zur Verzweiflung.
Weil sie nicht gerade auf die Dinge zu gehen, lieber dickfelliger erscheinen als sie sind und manche Sache dadurch einfach nicht gelöst bekommen. Das ist mir oft begegnet und vielleicht beschäftigen mich DER PREIS05SEITE/Presseheft DER PREISINTERVIEW MIT DER REGISSEURIN ELKE HAUCK
diese Männer deshalb in den Filmen immer wieder. Ich finde sie als Figuren in ihrer manchmal sogar unsympathischen
Verschlossenheit allerdings auch spannend. Denn im Prinzip ist es ja genau das, was Karger nicht “am Zahn seiner Zeit” sein läßt und Alex nicht schon vor vielen Jahren anders handeln ließ. Alex kommt ja auch nicht an den Heimatort, um den Selbstmord seines Freundes Michael aufzuklären sondern um überhaupt einen Schritt auf die eigene Vergangheit zugehen zu können, sich ein Stück aufzurichten und mit sich selbst zu leben – also erwachsen zu werden. Mir geht es da eher um Projektion als um Identifikation, um eine winzige glaubwürdige Veränderung, nicht um den großen kathartisch wirkenden Bogen.

 

Publikumsgespräche mit Regisseurin Elke Hauck & Hauptdarsteller Florian Panzner:

22.03. | UCI Gera  - Kinostart Premiere | Filmbeginn: 19:30 Uhr
23.03. | PUSCHKINo (Halle) - Einführung in den Film | Filmbeginn: 19:00 Uhr
23.03. | Schaubühne Lindenfels (Leipzig) | Filmbeginn: 19:00 Uhr
24.03. | Kino Casablanca (Dresden) | Filmbeginn: 20:00 Uhr
25.03. | Capitol Filmpalast (Riesa) | Film läuft in der Matinee um 10:30 Uhr
25.03. | fsk - Kino am Oranienplatz (Berlin) | Filmbeginn: 18:00 Uhr
25.03. | Zukunft - Programmkino am Ostkreuz (Berlin) | Filmbeginn: 20:00 Uhr
26.03. | Lichtspieltheater Wundervoll (Rostock) | Filmbeginn: 19:00 Uhr

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Zitate

Pressestimmen

Ein Film über die Aufarbeitung einer DDR-Vergangenheit auf kleinster, persönlicher Ebene mit schöner 80er-Punkrock-Musik. (Zitty Berlin, 21.3.2012, Ivo Hänisch)

Elke Hauck erzählt in konzentrierten Bildern. Besonnen und mit großer Beharrlichkeit erkundet sie das Gefühlsleben der Figuren. Ihr Film will nichts erklären und nichts entschuldigen. Er will einfach zeigen, wie es war. Und wie wichtig es ist, sich der eigenen Geschichte zu stellen. (Cinema.de, 21.3.2012)

Das Zerwürfnis mit dem nonkonformistischen Micha, die Jugendliebe zu dessen Schwester Nicole und das Dilemma eines Heranwachsenden in der DDR zwischen Anpassung und Auflehnung formen sich zu einer spannenden Erzählung. [...] Ein gelungener Film über einen Aufarbeitungsprozess mit aufmüpfiger Punkmusik. (Der Tagesspiegel, 22.3.2012)

Mit einer behutsamen, unaufgeregten Erzählweise zeigt "Der Preis", dass die Vergangenheit noch lange nicht bewältigt ist, sondern vielmehr durch Verdrängungen gekennzeichnet ist. (Hamburger Abendblatt, 22.3.2012)

Drama auf zwei Zeitebenen, das die persönliche und gesellschaftliche Geschichte eines jungen Mannes miteinander verbindet - zurückhaltend erzählt und ästhetisch bebildert. (Berliner Zeitung, 22.3.2012)

Mit dem Spuk der Erinnerungen zeichnet "Der Preis" ein eindrucksvolles Bild von den alltäglichen Orientierungsproblemen in der Endphase der DDR, in einer Zeit, als die Hoffnungen und die Möglichkeiten der Jungen ganz weit auseinanderklafften. [...] Mit dem "Preis" hat er [Filmtheater 451 - Betreiber Marcus Hug] zum Auftakt ein schönes Beispiel dafür gefunden, welche Art Filme in den letzten Jahren an Stuttgart vorbeigegangen ist. (Stuttgarter Zeitung, 24.3.2012, Thomas Klingenmaier)

Autorin Peggy Lehmann hat einen großartigen Stoff entwickelt. Das archaische Motiv des Rückkehrers ist gekoppelt mit einer Geschichte über die DDR und das wiedervereinte Deutschland, die Figuren sind lebensnah. Regisseurin Elke Hauck entwickelt daraus einen dramaturgisch selbstbewussten Film, der sich auf hervorragende Darsteller verlassen kann. (Critic.de, Sascha Keilholz)

Anders als viele Filme, die sich vordergründig mit der ostdeutschen Geschichte beschäftigen, erzählt Der Preis vor allem vom Zerbrechen einer Freundschaft. Die soziale Dynamik der DDR spielt, wie beiläufig erfasst zwischen Plattenbauten, nur eine Nebenrolle. Das große Thema des Verrats wird in der Enge der Kleinstadt behandelt, das Politische also bewusst auf eine psychologische, private Ebene gebracht. So passiert es, dass uns allen, feinfühlig und unauffällig, eine entscheidende Frage gestellt wird: Was hat uns zu dem gemacht, was wir sind? Ein komplexer Film, der ohne belehrende Pauschalanklagen zur Selbstreflexion anregt und die heutige Isolation jener Kinder und Jugendlicher beleuchtet, die nach der Wende ausgebrochen sind und dann nicht mehr zurückgeschaut haben. Ein Film, der ebenso zögerlich voranschreitet wie eine ganze Generation von Deutschen, die sich erst jetzt ihrer Geschichte in der DDR zuwendet, aber vor allem: endlich zu sich selbst findet. (ZEIT-ONLINE, 29.03.2012, Julia Daumann)

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