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Das deutsche Kettensägenmassaker

DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER Christoph Schlingensief, D 1990, 60 min

Christoph Schlingensiefs Antwort auf die deutsche Wiedervereinigung!

Nach der Vereinigungssoße jetzt der Film um Aufzuwachen! Laut und agressiv! 60 skrupellose Minuten zur deutschen Einheit!
Seit Öffnung der Grenzen am 9. November 1989 haben Hunderttausende von DDR-Bürgern ihre alte Heimat verlassen. Viele von Ihnen leben heute unerkannt unter uns. 4% kamen niemals an. Im DEUTSCHEN KETTENSÄGENMASSAKER zeichnet Schlingensief die erste Stunde der Wiedervereinigung als ein nationales Schlachtfest nach. Die Nachricht von der Maueröffnung versetzt eine westdeutsche Metzgerfamilie in einen schier hemmungslosen Blutrausch. In einer verwahrlosten Hotelküche meuchelt sie ehemalige DDR-Bürger dahin.

DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER ist eine kurzfristige Reaktion auf eine kurzfristige politische Entwicklung. Die rasenden Kamerafahrten, das im Hintergrund stets vernehmbare Geräusch einer Kettensäge und ihre effekthaschende Darbietung im konkreten Einsatz am Menschen, verwendet Schlingensief bewusst als Element des Trashs. Als solchen interpretiert der Film auch die deutsche Einheit, als bluttriefenden, kannibalistischen Akt der Einverleibung des Ostens durch den Westen.

Am 29. November 1990 kam DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER in die Kinos. Christoph Schlingensief hatte innerhalb von zwei Wochen, kurz nach dem 3. Oktober, seinen radikalen Kommentar zur Wiedervereinigung abgedreht.

Der zweite Teil von Schlingensiefs Deutschland-Trilogie (1. Teil: 100 JAHRE ADOLF HITLER, 3. Teil: TERROR 2000)

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Zitate

Pressestimmen

Nur scheinbar veranstalten Schlingensiefs Protagonisten ein Blutbad ohne Grund, in Wahrheit verkörpern sie die radikalste und geschmackloseste Absage an den Taumel von Eintracht und Vereinigung. Es sind wildgewordene Obsessionen: Was zusammenwachsen soll, zerstückeln sie, was andere als "Kolonisierung" des Ostens bezeichnen, bringen sie auf den unglaublichen Punkt - die Verwurstung der Neubürger. (epd Film, 01/1991, Rudolf Worschech)

Schlingensief hat innerhalb von 14 Tagen, gleich nach dem 3. Oktober, eine ebenso böse wie kreischende, fantastische wie alptraumhafte Vision auf das deutsche Jahrhundertereignis entworfen, eine sardonische Horror-Vision... (SWR)

Das deutsche Kettensägenmassaker, entstanden 1990, war wohl der grellste und abgefeimteste seiner Filme, sein Kommentar zur deutschen Wiedervereinigung. (Wolfgang Höbel, 2010)

Geschichte wird auch weiterhin mit Blut geschrieben werden. Und den (Fernseh-)Bildern vom nationalpathetischen Unisono der deutschen Wiedervereinigung nachts in Berlin, mit Fackelschein und Hymnensang, mit Bundespräsident und -kanzler, folgt in diesem Film die blutige Moral der ganzen Geschichte. (...) Christoph Schlingensief, einer der letzten Unabhängigen des deutschen Kinos, hat die asiatischen "Killing Fields" aufs deutsche Grenzland projiziert. (Fritz Göttler, 28.12.1990)

DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER ist Schlingensiefs Antwort auf die deutsche Laubsägenpolitik: die Wiederzerstückelung Deutschlands. Von seinem amerikanischen Vorbild trennen den Film nur ein paar Millionen Dollar Produktionsbudget... Seine Darsteller schlachten „Ossis", und der Film schlachtet Deutschland. (Andreas Kilb, 02.11.1990)