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Bübchen

BÜBCHEN Roland Klick, Deutschland 1968, 86 min

Fäulnis im Kleinbürgermief - Das Debüt von Roland Klick!

Monika, die Tochter der Nachbarn, passt nicht auf, und der kleine Achim tötet seine Schwester. Ob aus Absicht, Neugier, Eifersucht, Unachtsamkeit oder einfach nur Langeweile wird nie geklärt. Als Achims Eltern von ihrem Samstagnachmittagbesäufnis zurückkehren und eine fieberhafte Suche nach dem Kind beginnt, beobachtet Klick mit dokumentarischer Detailfreude, wie zwanghaft die Form gewahrt wird, auch wenn die Nerven blankliegen. BÜBCHEN nimmt Hanekes BENNY'S VIDEO um 25 Jahre vorweg und verzichtet kompromisslos auf Sozialanalyse und moralische Bewertung.
Die Präzision und Gemütsruhe mit der Achim die Leiche des Babys auf einem Schrottplatz verschwinden lässt, stießen 1969 beim Publikum auf völliges Unverständnis und entfachten einen Sturm der Empörung in der Filmpresse.

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Auszug aus dem aktuellen Interview mit Roland Klick, das auf der DVD in voller Länge zu sehen ist:

Was ist das erste, an das Du bei Bübchen denkst?
Ich verbinde das, was die Schlusseinstellung aussagt, damit. Die bürgerliche Gesellschaft duldet nicht, daß das Grauen möglich ist, es findet statt, es bricht ein. Der einzige, der menschlich damit umgeht, ist der Vater, aber auch er beseitigt es, aber was soll er auch machen, um seinen Sohn zu retten? Und am Ende wird so getan, als sei nichts, und was bleibt ist: »Nimm die Serviette!« Wir leben ja andauernd in einer Welt des Grauens – und warum? Weil der Bürger sie nicht zur Kenntnis nimmt. Er kehrt sie unter den Teppich und kehrt zur Norm zurück, meist zur kleinbürgerlichen Norm, die nur aus Formalitäten besteht.

Was bedeutet Dir denn das Bübchen?
Sagen wir mal so: Ein bißchen bin auch das Bübchen. Ich habe zwar niemanden ermordet, aber für meine Eltern war ich auch ein Schreckgespenst, weil ich Weltahnungen und Vorstellungen hatte, die sich nicht realisiert haben. Was hinzukommt ist, daß der Junge unheimlich gut war. Er war muffig, vorher waren lauter nette Filmkinder gekommen, und hier war endlich einer, der sich nicht sofort angepaßt hat. Der hat gar nicht mit mir geredet, der stellte sich bloß in die Ecke und hat vor sich hingebrabbelt, und dann merkte ich: Gott, der ist gut. Und als wir einmal den Kontakt gewonnen hatten, war das fast eine telepathische, hypnotische Angelegenheit, ich konnte ihn quasi nur durch meine Laute lenken. Szenen, von denen man denkt, die sind zwanzigmal gedreht,  haben wir in einem Mal geschafft. Heute ist er Professor in Halle. Das hat ihm wohl gut getan.

Und wie war das Debütfilmgefühl?
Ich gestehe, es gab da den Punkt: »Jetzt kann ich mir endlich mal ein richtiges Auto kaufen«, weil ich das erste Mal eine richtige Gage bekam. Zweitens habe ich natürlich auch gedacht: »Jetzt bist du Regisseur.« Das handwerkliche Können war ja immer da, aber jetzt war es endlich mal ein ganzer Film. Bübchen ist zu seiner Zeit vom Publikum, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, abgelehnt worden, und zwar genau wegen der Dinge, die ich für die große Stärke des Films halte. Es hieß: »Am Ende kommt ja gar nicht raus, warum der Junge das gemacht hat. Und wo ist die Beleuchtung der sozialen Hintergründe und der Psychologie?« Das war damals so Mode. Heute gilt der Film vielen Leuten als mein bester.

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Zitate

Pressestimmen

Ich habe keine Scheu, BÜBCHEN einen der genauesten und deshalb schmerzhaftesten Filme der sechziger Jahre zu nennen: vom Aufstieg des Proletariats zum Kleinbürgertum, und was das wert ist und was das kostet. (Aus der Laudation anläßlich einer Roland Klick Retrospektive in Saarbrücken, 1992, Peter W. Jansen,)

Ein Sozialdrama ist 'Bübchen' nicht, auch keine psychlogische Studie sondern großes Kino. "Ein Film muss eine Magie haben und ein Geheimnis" sagt Roland Klick im Audiokommentar. Lösen müsse es der Zuschauer. Das ihm dies gelingen kann, dazu trägt Klick, der ein lebendiger, suggestiver Erzähler ist, auf dieser DVD Entscheidendes bei. Anschaulich erläutert er seinen sehr persönlichen Inszenierungsstil, seine individuelle Dramaturgie. Wenn aus ihm selbst am Ende ein kommentierendes "Wunderbar!" herausbricht, ist dies nicht nur eine treffliche Wertung des 40 Jahre alten Films. Auch auf diese liebevoll-kundige DVD Edition trifft sie zu. (SZENE HAMBURG, 02/09, Jörg Schöning)

Der herzige Titel täuscht, verbirgt Grauenvolles. Ein Kind bringt ein Kind um. (Moderne Frau, 1970)

Preise und Festivals