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Bickels [Socialism]

BICKELS [SOCIALISM] Heinz Emigholz , D/ISR 2015-17, 92 min

Streetscapes - Kapitel II / Photographie und jenseits – Teil 25 / Architektur als Autobiographie / Samuel Bickels (1909–1975)

Ab 12. Oktober in ausgewählten Kinos

Official Trailer



Über den Film


22 Bauwerke des Kibbutz-Baumeisters Samuel Bickels gefilmt in Israel 2015. Als Prolog das Casa do Povo in São Paulo, als Appendix The Story of Vio Nova.

Die Dreharbeiten zum Film Bickels [Socialism] fanden vom 14. bis 28. Mai 2015 und am 2. Januar 2016 in Israel, und vom 30. Oktober bis 1. November 2016 in São Paulo statt. Der Film zeigt folgende Bauwerke:

Prologue (São Paulo):
Casa do Povo
(1953) – Jewish Community Center built by Ernst Mange, Theater by Jorge Wilhelm

Feature Film (Bauten von Samuel Bickels in Israel):
Mishkan Museum of Art
(1948), Ein Harod
Barn
(1948), Ein Hashofet
Trumpldor House
(1949), Tel Yoseph
Ghetto Fighter’s House Museum
(1953), Lochamei Hagetaot
Sport House
(1955), Beit Hashita
Sport House
(1955), Sarid
Borchov House
(1957), Mishmar Hanegev
Positioning of Residence Houses
(1957), Revivim
Dining Hall
(1958), Ein Harod
Bendori House
(1959), Givat Hashlosha
Cultural House
(1961), Mashabe Sade
Dining Hall
(1961), Sde Nachum 
Kolin House
(1962), Neve Eitan
Members' Club
(1965), Beit Oren 
Guest House Dining Hall
(1965), Beit Oren
Brand House
(1965), Efal
Bnei Brit House
(1966), Moledet
The Sons House
(1966), Shfayim
Beit Ziesling
(1969), Ein Harod Meuhad
Miriam House Museum
(1969), Palmachim
Dining Hall
(1970), Efal
Beit Golomb
(1957), Golda Center (1976), Revivim

Appendix (Ein Harod)
The Story of Vio Nova
– With paintings by Meir Axelrod

Samuel Bickels

Samuel Bickels wurde 1909 in Lemberg im damaligen Galizien geboren. Von 1928 bis 1931 absolvierte er ein Studium der Architektur und Ingenieurswissenschaften an der Polytechnischen Universität Lwów. Im Anschluss daran lebte er im Rahmen eines sechsmonatigen Studienaufenthalts in Paris. 1933 heiratete er die junge Physikstudentin Clara Project. Gemeinsam emigrierten beide nach Palästina.
Samuel Bickels‘ Eltern, Brüder und viele andere seiner Angehörigen kamen im Holocaust ums Leben. Ab den späten 1930er Jahren war Bickels zunächst Mitglied des Kibbuz Tel Yosef, ab 1951 bis zu seinem Tod 1975 des Kibbuz Beit Hashitaim.
Ab den 1950er Jahren arbeitete er als Architekt mit seiner Frau Clara zusammen, die ihn bis zu ihrem Tod 1969 sowohl bei planerischen Arbeiten als auch beim Anfertigen technischer Zeichnungen unterstützte. Bickels selbst konzentrierte sich überwiegend auf die technisch und künstlerisch anspruchsvollen Aspekte der Planung seiner Projekte, beispielsweise die Akustik einer Konzerthalle oder die Raum- und Lichtgestaltung von Ausstellungsflächen in Museen.
Erst in den letzten Jahren finden seine zahlreichen, markanten architektonischen Arbeiten Anerkennung innerhalb der Architekturszene Israels. Zu seinen Lebzeiten war Bickels nicht an den Diskussionen zur Kibbuz-Architektur an der Technischen Universität Israels in Haifa beteiligt. Auch an einem Symposium zum Thema „The Planning of a Kibbutz Point“ nahm er nicht teil, das 1958 vom Department of Training and Further Studies der Technischen Universität veranstaltet wurde.
Der Architekt Abba Elhanani, der an der Technischen Universität unterrichtete und Herausgeber der Zeitschrift Tvai war, erwähnt Bickels in seinem 1998 erschienenen Buch The Struggle for the Independence of Israeli Architecture in the 20th Century mit keiner Silbe. Auch in die hier veröffentlichte Liste israelischer Architekten ist sein Name nicht mit aufgenommen.
Der Umstand, dass Samuel Bickels im israelischen Diskurs über Fragen der Architektur so lange ignoriert wurde, scheint vor allem mit dem Ausblenden der Verbindung von Architektur und gesellschaftlich-kulturellen Aspekten zu tun zu haben. Bickels hat sich sein Leben lang mit dieser Verbindung beschäftigt und alles dafür getan, um seine Vorstellung von diesem Zusammenspiel in seinen Entwürfen und Bauplänen für soziale, kulturelle und landwirtschaftliche Einrichtungen umzusetzen.

                                                                                                                                   Galia Bar Or

Soziale Architektur

Bickels [Socialism] beschäftigt sich mit den Sedimenten des 20. Jahrhunderts. Die von Bickels entworfenen Kultur- und Ausbildungseinrichtungen, seine Speisesäle verkörpern das Herz einer Idee, einer sozialen und kulturellen Wechselwirkung. Es scheint, dass sich in Bickels‘ Architektur der Wille materialisiert, Kultur zu erschaffen. Seine Gebäude sind in ein physisches, geografisches, von Menschen bevölkertes Umfeld eingebettet. Jedes von ihnen unterscheidet sich von den anderen, jedes ist ein Einzelstück, keines ein Prototyp. Einige von ihnen werden noch genutzt, andere sind verfallen, aber immer ist ihre Verbundenheit mit der jeweiligen Umgebung spürbar. (...) Bickels hat keine Architektur der großen Visionen – ob im utopischen oder dystopischen Sinne – hinterlassen. Und auch wenn seine Bauten nicht ohne Pathos sind