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After Effect

AFTER EFFECT Stephan Geene, D 2007, 75 min

Eine Liebesgeschichte zwischen Kunst, Kapital und Marketing

Berlin im dritten Jahrtausend. Mehr durch Zufall gerät Kai Starel (Aljoscha Weskott) in das neu gegründete Institut CC, Carl Celler Culture. wo sich junge angesagte Kreative in kahlen Räumen tummeln und Kunst, Kampagnen, oder irgendetwas dazwischen entwickeln. Man nimmt sie dort so wichtig, wie sie sich selber nehmen, versorgt sie mit Kontakten und Geld, um am Thema LOGO UND TIERE zu arbeiten.


Kai wird zu einer Art (Anti-)Model und antwortet mit stoischer Ruhe auf seine neue Rolle als Objekt merkwürdiger Reflektionen. Als sich zwischen ihm und Rena Yazka (Sabine Timoteo), der Queen der Kreativen, eine Liaison entspinnt, gerät der eigentümliche Schwebezustand zwischen Arbeit und Leben, in dem sich alle befinden, ins Wanken.

Rena Yazka, gerade in Berlin angekommen, vorher Barcelona, ist skeptisch: ist das Angebot, mit CC (Carl Celler Culture) Kunstprojekte zu entwickeln, wirklich gut? Sie hat eine eigene Fake/Kunst-Firma oop und beschäftigt sich gerne mit Politik und Staat. Rainer Halbwachs, international ausgebildet, eifrig, hat schon mal vorgearbeitet und sich dem Thema, Logos und Tiere, in einem kleinen visual essay ironisch & poppig angenähert. Martine Dorine sitzt vor einem Modell: Plastiktiere hat sie in der Mitte zerteilt, montiert sie zum Kreis und will sie als grosse Skulptur auf der Spree schwimmen lassen, vor dem Universal-Gebäude. Aber wer wird die Kosten übernehmen? Toni Andress ist mit allem einverstanden, aber eine gute Idee hat sie dann doch nicht. Solange kritzelt sie sich Salamander auf ihren Arm und lässt die Vögel aus dem Armani-Logo durch den Raum fliegen. Max Marshall arbeitet an den beiden Models Kai und Jork, sammelt Masken, und empfindet Wappentiere nach. Roy denkt nach: eine kleine Horrorfantasie von Geld und Regenwürmern.

Regisseur Stephan Geene über AFTER EFFECT

Die Anpassung zeitgenössischer Kunst an Marketing oder high-end Finanzkapital ist für mich absurd und wahrscheinlich spürt man das auch im Film. Aber daraus lässt sich – jedenfalls für mich – kein Film machen. Vielleicht kann man nicht wirklich denunzieren, was man »als Leben«  darstellen will. Aber auch, weil mich an dem, was sich zwischen Kunst und Künstler/innen abspielt, in den Räumen und Zeitspannen, zwischen Glamour und Öde, zwischen Smartness und Kritik, etwas anderes interessiert. Gerade da, wo diese ganzen Aktivitäten komplett sinnlos werden, zeigen sich die Tauschverhältnisse auf ihre ganz eigene Weise: wie sich die Akteure selber (aus)tauschen, ihre Zeit, Aufmerksamkeit und ihr Interesse (an sich selbst). Ich wollte nicht filmen »wie es wirklich da ist« , bei irgendwelchen »Kreativen« . Stattdessen wollte ich eher eine kleine künstliche Welt bauen, in der sich auch Dinge zeigen, die ich nicht so einfach sehe, oder die ich gar nicht entscheiden kann: gehts da um was, bei den Kunstprojekten, bei den so ernsthaft und intensiv betriebenen Ideen und politisierten Diskursen? Oder ist das alles nur ein Witz, mal lustig, mal weniger?
Dabei wollte ich in Gesichter blicken, während sie sich konzentrieren, bevor sie sprechen, zu- oder weghören, den Raum verlassen und wieder kommen. Ich wollte, wie Kai, auf eine Welt stossen, die ich mir fremd mache um, wie Kai, ganz ohne Vorbehalte, die Räume, die Personen zu beobachten und dann am Ende ein Gefühl zu entwickeln für das was alle hier verlieren oder gewinnen: Ihre Zeit, ihre Intensität, ihren Privatheit, ihre Ansprüche.

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Pressestimmen

Es geht um Warenfetischismus, um kreative Produktion und Produktion von Kreativität, um Tierlogos, queeres Begehren und hübsche Dienstleister aus der Werbewelt von Berlin-Mitte. „After Effect“ ist ebenso sehr ein fiktiver Film über die Berliner Kreativszene wie Zeugnis ihrer realen Selbstfetischisierung. Nabelschau, Dokument, animalische Fabel und historische Quelle zugleich, reizvoll gedehnt und verschroben. (Tip Berlin, 26.06.2008, Robert Weixlbaumer)

Mit dieser konsequenten Milieustudie leistet Stephan Geene Pionierarbeit. Mit ebenso sensibler Skepsis wie melancholischer Trauer um seine Figuren wirft er einen ungewohnten Blick auf eine sich neu formierende Stadt. (Filmfest Oldenburg)

»Allegorisch« stimmt nicht, eigentlich ist der Realismus-Koeffizient noch anders gebaut: Das "Welt-am-Draht"- und "Solaris"-Feeling entspricht ja auch einem wirklichen Gefühl, nämlich einer extrem angestrengt künstlichen sozialen Welt, die wir alle gut kennen, die alles dafür tut, unangestrengt zu wirken. Diese ganzen genau passenden, irgendwie fitten Körper, die aber dann doch Schlaffheit performen, das ist sehr gut. (Diedrich Diederichsen)

Ganz sicher ist man sich nie, ob Regisseur Stephan Geene das Ganze nun satirisch meint oder nicht. Er wirft einen kenntnisreichen Blick auf das ganz neue, ziemlich sterile Berlin. Mit dabei: die wunderbare Sabine Timoteo. (Zitty Berlin , Martin Schwarz)

Es geht nicht um die Story, sondern um die atmosphärisch dichte Insbildsetzung der vertrackten Arbeits- und Privatlebenszusammenhänge von heute. (taz, Kirsten Riesselmann)

Preise und Festivals