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99Euro-Films

Schnitt, Frühjahr 2002, Oliver Baumgarten

Lustzustand - Braucht der Film Regeln? Braucht die Kommunikation einer Stimmung standardisierte Bilder, braucht das Erzählen einer Geschichte eine Einheitsdramaturgie? Der Mainstream schon, aber es geht auch anders. "99 Euro Films" ist der eigentliche Beweis dafür,

daß es dem deutschen Film besser zu gehen scheint. "99 Euro Films" vermag es, herrlich subversiv zu sein, weil er in der glücklichen Lage ist, auf dem Rücken einheimischer konformistischer Produktionen herumzutanzen, deren Abhängigkeiten er sich selbst versagen kann. Der Dadaismus von Martin Walz, die Bildverweigerung von Sebastian Beer, die dramaturgische Lostrommel von RP Kahl, die Befreiung von formalistischer Strenge bei Matthias Glasner, der gesteigerte Irrwitz bei Mark Schlichter sind deshalb eine Wonne, weil sie sich gegen den zur Regel gewordenen Verkaufszwang stemmen. "99 Euro Films" sind Bilder reinen Lustzustands, Zeugnisse spontaner Launen. Es geht nicht um die Erfüllung eines Dogmas, sondern gerade darum, allen Dogmen zu entsagen. Albern zu sein (Petersen), verliebt zu sein (Lohmeyer), ein Statement loszuwerden (Klier) oder einfach nur eine Alltagsepisode zu schildern (Schlaich), ohne sich darum zu scheren, ob dies irgend jemanden interessiert oder nicht. Film nicht als Anbiederung an ein anvisiertes Publikum, sondern als individueller Ausdruck einer Persönlichkeit: Das ist es letztlich, was ein unabhängiges Kino auszeichnet. Der befreite und manchmal extrem aufgedrehte Spaß, den die Filmemacher bei ihren Episoden hatten, ist jedem Bild anzusehen, und ob einem dieses (für Macher und Zuschauer) fast kathartische Projekt nun zusagt oder nicht, so bleibt nach "99 Euro Films" doch erleichtert festzustellen: Es gibt ein deutsches Independent Kino.

tip Berlin

Die Zukunft leuchtet.

Neue Presse

Ein Kultfilm - Berlinale-Goldstück: Die 99-Euro-Filme sind Charme plus Leidenschaft, sind wie eine gute Vinyl-Langspielplatte. Für sich genommen überschaubare Länge, fast nur schöne Töne drauf. Und knistern tun sie auch noch.

Programmkino.de

Kurz, billig, sehenswert. Überaus unterhaltsam.

ddp, Martin Grol

Frech, verrückt und wagemutig. Junge deutsche Filmemacher proben auf der Berlinale den Aufstand. So hat sich das deutsche Kino schon lange nicht mehr bei einer Berlinale präsentiert.

kino.de

Initiiert wurde das ungewöhnliche Projekt vom Filmfest Oldenburg, das damit ein Zeichen gegen den Irrglauben setzen wollte, dass nur große Budgets gutes Kino hervorbringen. Vor der Kamera stehen unter anderem Antonio Wannek und Oliver Korittke, zu den Regisseuren zählt auch Peter Lohmeyer, der in seinem Erstling seine Tochter filmte und so Assoziationen zu "Lola rennt" weckt. So unterschiedlich die Regisseure, so grundverschieden die Ansätze. Subversiv, ergreifend, wagemutig und frech - deutsches (Fan-)Kino, das Laune macht.

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