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99Euro-Films

99EURO-FILMS Mark Schlichter, Sebastian Beer, RP Kahl, Michael Klier, Frieder Schlaich, Daniel Petersen, Miriam Dehne, Matthias Glasner, Peter Lohmeyer, Esther Gronenborn, Martin Walz, Nicolette Krebitz, D 2001, 80 min

12 deutsche Filmemacher beschneiden sich selbst und springen ab

Eine miniDV-Kamera kann jeder halten. 99 Euro bekommt jeder Kredit. Und eine fünfminütige Geschichte hat man schon im Deutschunterricht schreiben müssen. Also wäre eigentlich jeder geeignet für die '99euro-films'.

Aber '99euro-films' ist mehr. Es ist der Beweis, dass deutscher Film auch wild, neu, modern, witzig, politisch und unterhaltsam sein kann. Und das alles in 80 Minuten. 12 junge deutsche Filmemacher kommen zusammen, begeistern heisse Jungschauspieler und los geht es: Eine Idee haben und einfach drehen. Just do it and be independent.

Die Filme der Regisseure  im einzelnen und das Manifest:

Sebastian Beers (TM) ist trockener norddeutscher Humor in bester Slowburn-Manier. Zwei Jungs und ihre Tagträume vom King of Pop und den Gema-Rechten an der Stille. Beer erobert ein gutes Stück von D.W. Bucks Flachland-Roadmovie-Style der langsamen Art.

BALKAN RHAPSODY von Esther Gronenborn führt uns ins osteuropäische Ausland. Zwei ältere deutsche Damen geraten zwischen die Fronten, als sie zu nächtlicher Stunde im Hotelflur einer jungen Frau zu Hilfe eilen. Ein skurriler Reisebericht über fehlgeschlagene Völkerverständigung.

Ein Kammerspiel nach einem Text von Klaus Pohl ist DIE SCHÖNE FREMDE von Frieder Schlaich. In Echtzeit beobachten wir die letzten Minuten vor einer Eheschließung. Selbst die entfernteste Vergangenheit bleibt spürbar und beeinflusst die Gegenwart. Sind die Missverständnisse ausräumbar?

Matthias Glasner zeigt in DIE SELBSTTÖTUNG DER SARA W. das tragisches Ende der cinephilen Filmvorführerin und internationalen Performancekünstlerin Sara W. Ein furioses Pamphlet über die Liebe zum Kino und die Allmacht der Kinomaschinerie Hollywood. Ein trashiger Dokuclip mit Blut, Schweiß und Tränen.

EIN MANN BOXT SICH DURCH von Michael Klier ist ein dokumentarisch anmutendes Minidrama vom Alexanderplatz. "Hauen sie mir in die Fresse für 20 DM" steht auf dem Schild des Helden von der traurigen Gestalt. Zärtlich, schnell, direkt und hart wie ein linker Aufwärtshaken.

Ein experimenteller Social-Spot, der den Anwälten von Fußballlehrer Christoph Daum in ihrer Verteidigungsstrategie helfen soll, ist ICH SCHWÖRE von RP Kahl. Eine Journalistin und imagebewusste Stars auf dünnem Eis zwischen Wahrheitsfindung und Lüge. Ein realer Alptraum in Splitscreen.

Zwei junge Männer hüpfen von einer Menschenmenge angefeuert um die Wette in Martin Walz' Beitrag EIN KURZER FILM ÜBER DAS HÜPFEN. Eine perfekte Mischung aus Dada, Stummfilm und Ben Hur. Ohne Worte wird das ewige Prinzip vom Loser und Winner vorgeführt.

In Peter Lohmeyers Regiedebüt LEILA LÄUFT läuft Leila über die Insel Pellworm. Ein poetischer Landschaftskrimi, der das Genre Heimatfilm neu entdeckt. In der Geschichte voller wundersamer Begegnungen folgen wir einer bezaubernden Jungdarstellerin im Kampf mit den Elementen.

In LORELEY S. von Miriam Dehne geht Anton mit einem Stein um den Hals in das blaugrüne Wasser. Sein Freund Bela schläft. Ein nixenhaftes Wesen wird ihn retten. Ein Märchen über Einsamkeit, die Liebe und Männerfreundschaft. Und das alles zu melancholischen Popklängen des neuen Berliner Shootingstars Maximilian Hecker.

Nicolette Krebitz zeigt in MON CHERIE vier junge schöne Frauen und ihren nächtlichen Ausflug in die Rotlichtszene. Die 99 Euro werden Teil der Handlung. Der Stricher ist schön und kann kein deutsch. Die Nacht ist heiß, der Champagner kalt. Das Motto ist klar: außer Freundinnen gibt es nichts zu verlieren.

In Mark Schlichters rasanter Komposition PRIVAT nehmen mehrere Personen einer Wohngemeinschaft die Videokamera selber in die Hand. Im unzensierten Material der Nachkommen der Alt-68er blicken wir in die Ideale und Abgründe von freier Liebe und WG-Romantik.

In Daniel Petersens SO BILLIG trifft der Popstar auf seinen Killer. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Die unvermeidliche Frau zwischen beiden geht für Geld, Ruhm und Sex über Leichen und lässt die beiden Helden am Ende blass zurück. Ein Jumpcut aus Gefühlen und Bildern.

99euro-films - Das Manifest

12 deutsche filmemacher drehen jeweils einen kurzen film für ein budget von 99euro. aus den 12 filmen entsteht ein compilationfilm.



vorab:

derzeit ist der deutsche film wieder einmal stark in der diskussion und nur selten auf der leinwand. stichworte sind die jahre in cannes ohne deutschen wettbewerbsbeitrag, die misere der filmfirmen des neuen marktes, die wechselnde publikumsresonanz, die immer neu umstrittene förderung, sogar der kanzler will sich briefe mit vorschlägen zum film schicken lassen... alle habe eine meinung. nur die filmemacher selber kommen selten zu wort.



fakt:

die grundlage eines guten filmes ist der filmemacher mit einer idee, seiner vision, der fähigkeit zu begeistern: den film machen, just do it! finanzierungsfragen, marketing, publikumsgeschmack... sollen der idee dienen und dürfen diese nicht majorisieren.



99euro-films:

12 junge deutsche filmemacher beschneiden sich selbst und springen ab: eine idee haben, etwas erzählen wollen und dies mit begeisterung und liebe zum film umsetzen. mit einem budget von 99euro. just do it and be independent.



regeln:

- das filmfest oldenburg ist ausrichter der 99euro-films (2001)

- die idee beruht auf der aktion $99-films des slamdance-festivals. es besteht eine co-operation.

- jeder filmemacher erhält ein budget von 99euro.

- die filmlänge soll nicht länger als 5 minunten sein. fomat ist miniDV (vollbild/ farbe).

- der filmemacher hat die vollständige und uneingeschränkte künstlerische und unternehmerische freiheit bei der produktion.

- der filmemacher erstellt einen detaillierten schlusskostenstand über die verwendung der 99euro.

mehr... weniger...

Pressestimmen

Lustzustand - Braucht der Film Regeln? Braucht die Kommunikation einer Stimmung standardisierte Bilder, braucht das Erzählen einer Geschichte eine Einheitsdramaturgie? Der Mainstream schon, aber es geht auch anders. "99 Euro Films" ist der eigentliche Beweis dafür, (Schnitt, Frühjahr 2002, Oliver Baumgarten) mehr...

Die Zukunft leuchtet. (tip Berlin)

Ein Kultfilm - Berlinale-Goldstück: Die 99-Euro-Filme sind Charme plus Leidenschaft, sind wie eine gute Vinyl-Langspielplatte. Für sich genommen überschaubare Länge, fast nur schöne Töne drauf. Und knistern tun sie auch noch. (Neue Presse)

Kurz, billig, sehenswert. Überaus unterhaltsam. (Programmkino.de)

Frech, verrückt und wagemutig. Junge deutsche Filmemacher proben auf der Berlinale den Aufstand. So hat sich das deutsche Kino schon lange nicht mehr bei einer Berlinale präsentiert. (ddp, Martin Grol)

Initiiert wurde das ungewöhnliche Projekt vom Filmfest Oldenburg, das damit ein Zeichen gegen den Irrglauben setzen wollte, dass nur große Budgets gutes Kino hervorbringen. Vor der Kamera stehen unter anderem Antonio Wannek und Oliver Korittke, zu den Regisseuren zählt auch Peter Lohmeyer, der in seinem Erstling seine Tochter filmte und so Assoziationen zu "Lola rennt" weckt. So unterschiedlich die Regisseure, so grundverschieden die Ansätze. Subversiv, ergreifend, wagemutig und frech - deutsches (Fan-)Kino, das Laune macht. (kino.de)

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