9 LEBEN Maria Speth, D 2010
„Die Straße ist zwar kein schöner Ort, aber immer noch besser als zu Hause“
Die Auswahl der „Fälle“ aus diesem großen Spektrum von Lebensaltern und –formen war ganz subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf statistische Repräsentanz. Zum Beispiel Za, die mit richtigem Namen Elisabetha heißt. Die mit dreizehn anfing, nach der Schule mit ihrer Freundin Assi auf den Alexanderplatz zu gehen, mit vierzehn das Musikgymnasium abbrach, von zu Hause auszog und bei ihren Kumpels auf dem Alex schlief.
Oder Stöpsel, die jahrelang am Breitscheidplatz schnorrte, um Essen und Drogen zu kaufen. Heute lebt sie mit Mann und fünf Kindern im Wedding. Mit Meldeadresse. Oder der einunddreißigjährige Krümel, der nach zwanzig Jahren Obdachlosigkeit immer noch da übernachtet, wo es gerade möglich ist. Und sagt: „Ich fühle mich nirgendwo zu Hause.“ Aber unabhängig von allen Veränderungen ihrer Lebensumstände bleiben alle von der Erfahrung der Straße geprägt.
Die Gespräche wurden mit zwei Kameras in verschiedenen Einstellungsgrößen gedreht. In High Definition, aus Respekt und mit dem Wunsch nach deutlicher Sichtbarkeit. Themen wie Familie, Straße, Drogen, Erfahrungen mit dem Sozialstaat, dem Jugendamt, der Polizei, Wohn- und Arbeitssituation usw. stehen im Mittelpunkt. Sie bilden die dramaturgische Struktur des Films. Durch die themenbezogene Montage entsteht dabei ein konfrontierendes und kontrastierendes, fiktives Gespräch zwischen allen Beteiligten. So verschwindet auch die Dokumentaristin – als Fragende - aus dem Film. Und gesellschaftliche Muster oder Gemeinsamkeiten werden sichtbar, sodass der Blick des Zuschauers sowohl auf das Allgemeine als auch Besondere und Einmalige dieser Menschen gelenkt wird.
Pressestimmen
Selten ist das medial häufig gespiegelte Schicksal sogenannter street kids so intensiv erzählt worden. (epd Film)
Maria Speths „9 Leben“ stellt junge Ausreißer vor die auf der Straße leben. Doch die bisherige Spielfilmregisseurin geht nicht an die Punker-Treffplätze sondern lässt ihre gepiercten Heldinnen und Helden ihre Geschichten professionell ausgeleuchtet im Studio erzählen und verdichtet das Ergebnis zu einer raffinierten Komposition in lichtem Schwarz-Weiß. So werden aus den Schmuddelkindern von der U-Bahn-Treppe erstaunlich klar artikulierende Jugendliche, die sich mit Überlebenskunst und Mut aus schwierigen familiären Verhältnissen befreien. (Der Tagesspiegel)
Ein beeindruckender Dokumentarfilm. (...) Sie alle haben nicht nur den Schmerz, sondern sie haben Haltung, Stil, Intelligenz. Eine Zukunft. (tip Berlin)
Preise und Festivals
- Internationales Leipziger Festival für Dokumentar - und Animationsfilm - Förderpreis der DEFA-Stiftung 2010
- Internationales Human Rights Filmfestival Nürnberg - Preis der Open-Eyes-Jugendjury 2011
- Viennale – Vienna International Filmfestival
- Kinofest Lünen
- Göteborg International Film Festival
- Festival International de Films de Femmes de Créteil
- Bradford International Film Festival
- Buenos Aires International Film Festival
- achtung berlin - new berlin film award
- Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln
- IndieLisboa - Lisbon International Independent Film Festival
- Internationales Dokumentarfilmfestival München
- Festival des deutschen Films in Buenos Aires
- Internationales Human Rights Filmfestival Nürnberg
- Internationales Film Festival Bratislava



