100 JAHRE ADOLF HITLER Christoph Schlingensief, D 1989, 55 min
Die letzte Stunde im Führerbunker
1OO JAHRE ADOLF HITLER ist Schlingensiefs bis dorthin wichtigster und meist beachteter Film. Er bringt ihm seitens seiner Fürsprecher den Ruf ein, "der letzte deutsche Heimatfilmer" (G. Seeßlen) zu sein, der mittels Brüskierung Aufruhr entfacht, um Harmonie und schließlich Heimat zu finden. Mit der Hitlerfigur, die von nun an häufig in seine Arbeit 'einmarschiert', legt Schlingensief die Hand - sprich die Kamera, die Handkamera - in die offenste aller deutschen Wunden. Hier ist Hitler keine vergangene Personalkatastrophe, sondern die Fratze des absurden Menschen an sich, der sich als elternlos, als höheres Wesen begreift, dessen völlige Monstrosität jedoch nicht in die Anstalt, sondern an die Macht führt und drauflos wütet.
Man begreift 1OO JAHRE ADOLF HITLER weniger durch die Frage, wo der Film hin will, was er 'erreichen' will, sondern eher durch die Frage, wovor sie weglaufen, vor wem sie fliehen - und dabei eine Spur der Verwüstung hinterlassen.
Pressestimmen
Schlingensief hat schon viele Filme gemacht, die bei den Mitwirkenden und Zuschauern die Schmerzgrenze berühren. Die Banalität des Bösen, hier wird sie zum Ereignis. (EPD Film, P. W. Jansen)
Es gibt noch Filme, die dich aus der Kurve tragen, dich und den täuschenden Vorschein von Ästhetischen und politischen, intimen und historischen Gewissheiten. (TIP Berlin)
Preise und Festivals
- Internationale Filmfestspiele Berlin 1989, Internationales Forum des Jungen Films



