Marseille
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Selten wurde mit schlichten Mitteln eine solche Dichte erzeugt, die Liebe zum Leben auf so ungewöhnliche Weise dokumentiert.
Die Zeit, 23.09.2004, Birgit Glombitza
Liebe und Verrat, Geburt und Tod, alles auf einmal ist schnell eine Nummer zu groß für ein Kino, das im Radius des Vertrauten bleiben möchte. Es sei denn, man bricht wie Angela Schanelec die großen Dramen auf ihren einfachen Kern hinunter.
Die Berliner Regisseurin ist eine wunderbare Dokumentarin des Alltäglichen. Wie nebenbei umreißt sie in ihren Filmen das Lebensgefühl einer Generation. Sie erzählt von den Jahrgängen, die beginnen, ihre Eltern zu beerdigen, und deren eigene Familienplanung konfus bleibt. Von denen, die nicht wissen, ob die Liebe auch für den nächsten Lebensabschnitt taugt und ob die Arbeit jemals die ersehnte Erfüllung bringt. Sie alle sind zu alt, um noch einmal "auf Anfang" zu gehen, und zu jung, um sich hinter den ersten Lebenslügen zu verbarrikadieren.
taz, 18.05.2006, Ekkehard Knörer
Wenn erzählen heißt: Zusammenhänge herstellen und erklären, dann ist Angela Schanelec keine Erzählerin. Ihr geht es, im Gegenteil, um das Offenlassen. Ihre Filme produzieren kein Wissen, nicht über Figuren, Orte, Beziehungen. Sie zeigen, sie verweilen auf Figuren und an Orten, sie beobachten Menschen beim Sprechen und Schweigen, beim Arbeiten und Tanzen. Aber sie erklären uns nicht, was wir sehen.